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Politik

Soldaten-Weihnacht am Hindukusch

Rund 450 Bundeswehrsoldaten leisten ihren Dienst im Feldlager im nordafghanischen Kunduz. In der Adventszeit haben sich die Soldaten einiges einfallen lassen, um über das Heimweh hinwegzukommen.

Knecht Ruprecht, der Weihnachtsmann und ein Kamel, Quelle: DW Scheschkewitz

Knecht Ruprecht, der Weihnachtsmann und ein Kamel - so feiern deutsche Soldaten das Fest in Kunduz

Über Lautsprecher erklingt "Alle Jahre wieder". Doch auch wenn auf das Christkind Verlass sein sollte. Nichts ist für die 450 Bundeswehrsoldaten in Kunduz so wie sonst an Weihnachten. Fast nichts. Das beginnt schon einmal damit, dass ihr Einsatzort etwa fünftausend Kilometer von Deutschland entfernt ist. Von den Raketen, die in den vergangenen Wochen gleich mehrfach im Lager einschlugen, ganz zu schweigen.

Da kommt ein Stück vorweihnachtlicher Normalität wie gerufen. Im Lager der ISAF in Kunduz hat das 15. Kontingent einen Adventsbasar organisiert. Mit Pfannkuchen, Glühwein und Weihnachtsliedern gehen die Soldaten gegen das Heimweh an.

Weihnachtsstimmung am Lagergrill, Quelle: DW Scheschkewitz

Weihnachtsstimmung am Lagergrill: Es gilt, das Heimweh zu besiegen

Stabsunteroffizier Rainer Henze steht normalerweise im Lummerland, der Freizeiteinrichtung des Lagers, hinter dem Tresen. Heute aber grillt er auf dem Adventsbasar Würstchen, mit einer Weihnachtsmütze hat er sich der festlichen Jahreszeit angepasst. "Betreuung ist unser oberstes Gebot. Wir geben unser Bestes, alles zum Feste weihnachtlich schick zu machen. Damit die Stimmung ein bisschen rüberkommt."

Knecht Ruprecht und ein Kamel

Ein paar Meter weiter hat sich Klaus Fleischer als Weihnachtsmann verkleidet, links von ihm steht Knecht Ruprecht in schwarzer Kutte und rechts von ihm ein afghanisches Kamel. Vor dieser Trias lassen sich die Soldaten fürs Weihnachtsfoto in die Heimat ablichten. "Das ist schon ein gutes Gefühl, wenn man den Kameraden ein wenig Spaß bereiten kann", erzählt Fleischer. Vielen hilft die Kameradschaft über die lange Zeit im Lager hinweg. So wie Major Henning Loss, der für seine Kompanie an Heilig Abend ein Weihnachtsessen plant.

Eine Soldatin im Gespräch mit Einheimischen, Foto:DW / Daniel Scheschkewitz

Aufklärungsarbeit: Eine Soldatin im Gespräch mit Einheimischen

"Ich komme aus einer Großfamilie, habe vier Geschwister und bin zum ersten Mal in diesem Jahr nicht da. Aber ich glaube für die daheim ist es noch schwieriger. Denn ich habe hier die Kameraden", sagt Loss. "Meine Freundin zuhause ist sehr allein. Die wird wohl mich mehr vermissen als ich sie hier."

Feldpost für den Gabentisch

In diesen auch in Afghanistan kalten Tagen, sind die Gedanken der Soldaten oft bei den Angehörigen daheim. Entsprechend rege ist das Treiben im Basarzelt, wo steuerfrei noch schnell das ein oder andere Weihnachtsgeschenk gekauft wird. Parfümpackungen und Süßigkeiten sind besonders gefragt, berichtet Oberfeldwebel Michael Schmidt. "In Stiefeln zurecht gepackt für die Kinder zuhause. Die gehen morgen mit der Feldpost nach Hause - und wenn alles klappt, sind sie noch pünktlich zum Fest da."

Militärdekan Rainer Stahlhacke, Quelle: DW Scheschkewitz

Militärdekan Rainer Stahlhacke wird den Soldaten die Messe lesen

Zum Fest selbst gibt es mehrere Gottesdienste - auch und besonders für die weniger gläubigen Soldaten, wie Militärdekan Rainer Stahlhacke erklärt. "Ein Gottesdienst wird sich besonders an die Soldaten aus den östlichen Bundesländern richten, die eigentlich wenig Bezug zur Kirche und zum Christentum haben, die aber dennoch an Weihnachten die Botschaft hören wollen", erzählt der Pfarrer.

"Oh Du Fröhliche" in Kunduz

"Und für die katholischen oder evangelischen Soldaten werde ich eine Mitternachtsmesse anbieten und ich denke schon, dass man da auch viele Dinge wiederentdecken wird, die man auch zuhause machen würde." Das sei wichtig für "Herz und die Seele der Jungs und Mädels", die in Kunduz ihren Dienst tun. "Sie sollen in diesem Gottesdienst auch ein Stück Heimat zu finden", sagt Stahlhacke.

Dazu gehört auch "O Du Fröhliche" - auch wenn es schwer fällt in diesem Jahr in Afghanistan fröhlich zu sein. Denn mehr als fünftausend Menschen sind bei Anschlägen bereits getötet worden.

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