1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

"Solche Anschläge kann man kaum verhindern"

Ägypten gilt als relativ sicheres Reiseland. Am Sonntag aber ist auf einem Bazar in Kairo ein Sprengsatz explodiert. Über die Hintergründe und Tatmotive hat DW-WORLD.DE mit Korrespondent Jürgen Stryjak gesprochen.

default

Die Polizei hat den Platz in Kairo abgesperrt

DW-WORLD.DE: Ist denn schon bekannt wer genau hinter diesem Anschlag steckt?

Nein, über die Identität und Tatmotive gibt es keine Informationen. Wir wissen aus Sicherheitskreisen, dass fünf Leute festgenommen wurden. Aber mit diesen Informationen muss man auch vorsichtig umgehen, denn die ägyptischen Behörden sind nach solchen Ereignissen immer sehr schnell dabei Leute festzunehmen. Das muss überhaupt nicht heißen, dass sie auf der richtigen Spur sind. Es soll sich dabei ja um drei Männer und zwei Frauen handeln. Die beiden Frauen sollen ja einen "Niqab" tragen, also einen komplett-Schleier, der nur die Augen frei lässt. Dieser "Niqab" wird nur von einer kleinen Minderheit von Frauen getragen. Und das könnte so ein bisschen darauf verweisen, wenn es sich tatsächlich um die Leute handelt, die den Anschlag verübt haben, aus welcher Ecke sie kommen.

Welchen Hintergrund hätte denn dann der Anschlag?

Zum Hintergrund kann man wenig sagen, aber es gibt etliche Leute, die jetzt darüber debattieren, dass solche Ereignisse wie in Gaza junge Menschen in Ägypten weiter radikalisieren. Das Mubarak-Regime ist ja wegen seiner Haltung im Gaza Krieg sehr scharf von den Ägyptern kritisiert worden. Das kann zu einer Gesamtsituation beitragen in der sich junge Leuten, sehr viel leichter als vorher, extremistischen Ideen zuneigen. Ob da die Motive aber in dieser Richtung zu suchen sind, bleibt weiterhin Spekulation. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass die Sprengkörper, die dort zum Einsatz kamen, nach Angaben aus Polizeikreisen, sehr amateurhaft gebaut waren. Das weißt darauf hin, dass es eine Gruppe von Leuten ist, die relativ isoliert agieren und keinen Zugang zu einer terroristischen Infrastruktur haben.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder willkürliche Anschläge auf Hotels und Touristenziele. Genau dieser Basar war ja vor vier Jahren auch schon einmal Ziel eines Bombenanschlags. Wie sicher ist Ägypten für Touristen und auch für die Einheimischen?

Es ist wichtig zwischen zwei Arten von Anschlägen zu unterscheiden. Die Anschläge, die zwischen 2004 und 2006 auf dem Sinai stattfanden, waren sehr gut organisiert. Die Terrorgruppen hatten sich aus dem Ausland Sprengstoff besorgt, und sie sind auch logistisch sehr professionell vorgegangen. Leider ist es ihnen damals auch gelungen dutzende von Touristen zu töten. Die andere Art von Anschlag gab es dann 2005, ebenfalls auf den Khan-al-Khalili Bazar. Damals hatte eine Gruppe von jungen sich radikalisierenden Leuten selbstgebauten Sprengstoff gezündet. Ich denke um so eine Art von Anschlag handelt es sich auch bei dem vom Sonntag (22.02.2009).

Was unternimmt denn die ägyptische Regierung, um die Sicherheit im Land zu gewährleisten?

Die ägyptische Regierung unternimmt mehrere Dinge und das schon seit Jahren. Sie versucht die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen. Und das betrifft auch den Platz, an dem das jüngste Attentat verübt wurde. Dieser Platz ist weiträumig abgesperrt und mit dem Auto gar nicht erreichbar. An den Eingängen halten Polizisten Ausschau nach Verdächtigen. Das Problem ist nur, dass es bei isolierten Einzeltätern nicht möglich ist, diese überhaupt zu erkennen. Außerdem versucht die Regierung immer mehr Geheimdienstinformationen zu erlangen. Zum Beispiel hat sie in den letzten Jahren was die Terrorzellen auf dem Sinai betrifft, dort hat sie sehr viele Informationen sammeln können und auch etliche Verhaftungen durchgeführt. Nur bei solchen Anschlägen wird es auch in Zukunft kaum möglich sein diese zu verhindern.

Jürgen Stryjak ist ARD-Auslandskorrespondent in Kairo.

Die Redaktion empfiehlt