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Amerika

Solarstrom in Brasilien

Das Potenzial ist da, doch bislang spielt Solarenergie im größten tropischen Land der Erde praktisch keine Rolle. Allmählich wächst das Interesse - auch in der Politik.

Solarzellen in gleißender Sonne. (Foto: Ramona Heim)

Solarzellen

Selbst in Santa Catarina, dem schattigsten Bundesstaat Brasiliens, ist die Sonneneinstrahlung um 30 bis 40 Prozent höher als an den sonnigsten Fleckchen Deutschlands. Trotzdem weist die Bundesrepublik den weltweit größten Anteil Solarstrom im landeseigenen Energiemix auf. In Brasilien liegt er unter einem Prozent.

Bildunterschrift: Typische Photovoltaikanlage in Deutschland auf einem Hausdach. Weiter Stichwörter PV Solarstrom Sonnenstrom copyright, Bildnachweis Carsten Behler / photon-pictures.com.

Deutschland gewinnt 4,5 Prozent des Stroms aus Solarenergie

"Der Grund dafür ist sehr einfach", sagt Mauro Passos, Präsident des Instituts zur Entwicklung erneuerbarer Energien in Lateinamerika (IDEAL) im brasilianischen Florianópolis: "Die Wasserenergie wird bereits seit 40, 50 Jahren erforscht und genutzt, und ihr Potenzial ist quasi unerschöpflich." Brasilien bezieht etwa 80 Prozent seines Stroms aus Wasserkraft. Damit ist das Land weltweiter Spitzenreiter in Sachen regenerativer Strom.

Vormacht der Wasserkraft

Die Bedeutung der Wasserkraft sei historisch gewachsen. Das zeige sich auch an der Haltung der Regierungen, bei der Ausbildung von Ingenieuren an den Universitäten und in der Industrie, so Passos. Diese Vormachtstellung erschwere anderen Energieformen den Marktzugang.

Erst seit Brasilien 2001 in eine Stromkrise geriet, weil die Stauseen der großen Kraftwerke nach einer langen Dürreperiode fast leer waren, versucht die Regierung die Energiegewinnung zu diversifizieren.

Doch bisher existieren in Brasilien gerade einmal acht Solarparks - die meisten sind Pilot- oder Forschungsprojekte. Wasserstrom dagegen wird in 980 Anlagen produziert - darunter das Itaipu-Kraftwerk, das beispielsweise 2009 rund 15 Prozent mehr Leistung erzeugte als der Drei-Schluchten-Staudamm in China.

Solarenergie holt auf

Zementiert ist dieser Zustand jedoch nicht, glaubt Passos: "In den letzten drei bis vier Jahren hat sich einiges geändert. Ich wage sogar zu behaupten, dass es eine Wende hin zur Solarenergie gibt, die mittelfristig die energetische Planung des Landes beeinflussen wird."

Palmenstrand (Foto: Solveig Flörke)

Das tropische Brasilien hat beste Bedingungen für die Nutzung von Sonnenenergie

"Die Kosten der Solarenergie sind in den letzten fünf Jahren deutlich gesunken, aber in einem freien Energiemarkt ist Photovoltaik noch nicht wettbewerbsfähig", sagt Johannes Kissel, Koordinator im Bereich Erneuerbare Energien der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Rio de Janeiro. "Darum unterstützen wir Projekte mit hohem Marketingwert, um Investoren zu gewinnen." Seit 2009 operiert die GIZ in verschiedenen bilateralen Projekten für erneuerbare Energien; im Solarsegment unterstützt sie brasilianische Partner bei Pilot- und Demonstrationsanlagen.

Leuchtturmprojekte

Die meist beachteten Solarvorhaben sind Fußballstadien. Die Weltmeisterschaftsarenen in Rio de Janeiro und Belo Horizonte sollen mit Hilfe der GIZ und der deutschen Förderbank KfW bis 2014 eine Photovoltaikanlage erhalten. In Salvador da Bahia wurde im April das erste Solar-Stadion Lateinamerikas eingeweiht, allerdings wird das "Pituaçu" kein Schauplatz der WM 2014 sein.

Das Wasserkraftwerk aus der Vogelperspektive. (Foto: ddp images/AP)

80 Prozent des Stroms in Brasilien stammt aus Wasserkraft

Insgesamt hat die Regierung 17 Projekte ausgewählt, die bis 2015 zusammen eine Leistung von 23 Megawatt erzielen sollen - damit kann man gerade einmal drei ICE-Züge auf maximaler Leistung betreiben. Die Kosten werden mit 150 Millionen Euro angesetzt.

Förderprogramme

Als wichtiges Element zur Förderung der Solarenergie nennt Kissel die Verordnung 282/2012 der Nationalen Stromagentur ANEEL: Sie regelt, dass private Betreiber von Solaranlagen mit einer Leistung von bis zu einem Megawatt überschüssigen Strom in die Netze leiten können. Die Netzbetreiber müssen die eingespeiste Energie auf die Stromrechnung anrechnen.

"Ähnliche Regelungen gibt es in vielen Ländern", erklärt Kissel. Im Gegensatz zum deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz hat der Einspeiser in Brasilien aber kein Recht auf die Auszahlung von Überschüssen - und es gibt auch keine garantierten Vergütungen.

Für so etwas sei ein Gesetz nötig. Doch wie schwierig das in Brasilien durchzusetzen sei, zeige der Umstand, dass der Vorschlag seit 2003 im Parlament kursiert, berichtet der Energie-Experte. "Durch die Verordnung der Energieagentur hat man den politisch schwierigen Weg durch das Parlament gemieden."