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Alltagsdeutsch – Podcast

Solarlampen aus Bayern

Eine kleine, einfach gebaute Solarlampe aus Deutschland ist in vielen Entwicklungsländern erfolgreich. Sie spendet nicht nur umweltfreundlich Licht, sondern ist vielseitig einsetzbar, preiswert und gibt Menschen Arbeit.

Sprecher:
In mehr als 35 Entwicklungsländern ist sie ein Erfolg: die grüne, sechseckige, 14 Zentimeter hohe Solarlampe mit dem weißen Deckel aus Freilassing im Südosten Bayerns. Entwickelt hat sie 1996 der damalige Berufsschullehrer Siegfried Popp zusammen mit seinen Schülern. Ursprünglich sollte die Solarlampe nur für eine Partnergemeinde im ostafrikanischen Tansania gebaut werden. Die Kirchengemeinde Mpwapwa hatte sich an die Kirchengemeinde Freilassing mit der Frage gewandt, wie die reichlich vorhandene Sonnenenergie kostengünstig genutzt werden könne. Die Idee war geboren, mittels Solarzellen einen Lampenakku aufzuladen. Doch die Idee, Licht durch selbst produzierten umweltfreundlichen Sonnenstrom zu erzeugen, sprach sich herum. Ein Punkt, ein Kriterium, war für Siegfried Popp bei der Entwicklung besonders wichtig:

Siegfried Popp:
„In Entwicklungsländer, hab’ ich ihnen gesagt, muss man erste Qualität liefern. Ich werf’ die jetzt aus 1,20 Meter Höhe auf den Boden. Sie brennt jetzt ein bissl dunkler. Warum? Weil sie auf den Schalter gefallen ist. Also die Lampe geht noch. Das ist für uns auch ‘n wichtiges Kriterium.“

Sprecher:
Der Anspruch der Entwickler war, eine Lampe zu konstruieren, die nicht schnell kaputtgeht. Es sollte erste Qualität sein. Wenn sie zum Beispiel herunterfällt, soll die Solarleuchte weiterbrennen – selbst wenn sie ein bisschen, ein bissl wie er im bairischen Dialekt sagt – weniger Licht gibt. Siegfried Popp erreichte mit dem Projekt gleichzeitig zweierlei, er schlug redensartlich zwei Fliegen mit einer Klappe:

Siegfried Popp:
„Alle Techniken, die vom Lehrplan gefordert wurden – das ging los vom Zeichnen mit dem Computer, elektrische Schaltungen einfacherer Art und rationelle Fertigung –, da mussten sich die Schüler schon überlegen, was macht man und wie macht man’s. Und dann dort bei den Einsätzen haben sie direkt mit den jungen Leuten gearbeitet. Haben das denen gezeigt und vorgemacht. Da konnte ich mich weitgehend zurückziehen und inzwischen mit dem Pfarrer strategische Dinge klären.“

Sprecher:
Die Industriemechanikerlehrlinge, die die Berufsschule in Freilassing besuchen, lernen das, was auch der Lehrplan fordert. Wer in Deutschland eine berufliche Ausbildung, eine Lehre, macht, lernt in einem bestimmten Betrieb, besucht aber auch eine Berufsschule. Die sogenannten Rahmenlehrpläne unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland und geben bestimmte Lernsituationen vor, die erarbeitet werden sollen. Neben den beispielhaft genannten Fertigkeiten müssen sich Industriemechanikerlehrlinge auch mit rationeller Fertigung auskennen. Damit ist vereinfacht gemeint, dass Maschinen zunehmend die Arbeit von Menschen übernehmen, die Automatisierung erhöht wird. Siegfried Popps Schüler sammelten aber auch praktische Erfahrung vor Ort. Dabei wechselten sie schon mal selbst in die Rolle des Lehrers, indem sie zum Beispiel zeigten, wie so eine Solarlampe zusammengebaut wird. Siegfried Popps Hauptansprechpartner in der tansanischen Kirchengemeinde Mpwapwa war der Pfarrer. Mit ihm sprach Siegfried Popp über Strategien, unter anderem wie die Solarlampe bei der Bevölkerung bekannt gemacht werden könnte. Denn vor allem in Entwicklungsländern werden meist Petroleumlampen verwendet. Petroleum ist aber teuer, gesundheitsschädlich und leicht entzündlich. Die ursprüngliche Solarlampe wurde inzwischen weiterentwickelt. Siegfried Popp sagt, welche Vorteile sie noch hat:

Siegfried Popp:
„Dann kann man ein Radio damit betreiben, wobei es uns hier nicht so drauf ankommt, Energie zu sparen, sondern vielmehr um Batterien zu sparen. Denn in Entwicklungsländern sind die Batterien oft sehr billig. Wenn sie dann verbraucht sind, werden die einfach weggeworfen. Und das Nächste, was man dann noch machen kann: An diese Anschlussbuchse können Sie also über einen Adapter-Satz Handys aufladen.“

Sprecher:
Die neuen Solarlampen sind leistungsfähiger. So können über den Akku auch Radios betrieben und die Akkus von Mobiltelefonen aufgeladen werden. An der Lampe selbst gibt es nämlich eine Öffnung, eine Buchse, an die über ein besonderes Zwischenstück, einen Adapter, das Ladekabel des Mobiltelefons angeschlossen wird. 2002 ging Siegfried Popp in Pension. Ein Jahr später hat er den Verein „solarprojekt-freilassing“ gegründet. Unter anderem liefert dieser fertige Lampen oder Bausätze zum Zusammensetzen der Einzelteile vor Ort. Siegfried Popp entwickelte zudem ein bestimmtes System: Die Menschen müssen die Lampen nicht kaufen, sondern können sie auch für einen geringen Betrag mieten. Der soziale Aspekt seines Projekts ist für Siegfried Popp genauso wichtig wie der Umweltaspekt. In den Entwicklungsländern selbst werden Arbeitsplätze geschaffen; auch behinderte Menschen, die in besonderen Werkstätten arbeiten, werden in die Herstellung eingebunden. Eva Köhler, ehemalige Berufsschülerin von Siegfried Popp, erzählt im bairischen Dialekt, was sie durch das Projekt selbst gelernt hat:

Eva Köhler:
„Man denkt doch ehrlich gesagt als Jugendlicher auch nicht so früh darüber nach, über Afrika, oder hat da ein anderes Bild von Afrika. Und da hat man so ‘n bissl über den Tellerrand drübergeschaut, dass es einfach nicht überall so ist wie bei uns. Das war das Interessante, da hat man halt erlebt, wie Afrika vielleicht so wirklich ist, nicht das Bild, das man so vielleicht vorher gehabt hat, sondern wie da unten das normale Leben ist.“

Sprecher:
Eva Köhler hat einen anderen Blickwinkel auf Afrika bekommen. Sie hat über den Tellerrand geschaut. Diese sehr gebräuchliche Redewendung bedeutet, dass jemand nicht nur das Naheliegende sieht, sondern auch bereit ist, Neues kennenzulernen. Eva Köhlers „Tellerrand“ war die Vorstellung, wie Menschen in Afrika leben, sie hatte ein bestimmtes Bild. Durch die Arbeit vor Ort stellte sie jedoch fest, dass die Menschen anders leben. Auch ihr damaliger Lehrer ist davon überzeugt, dass seine Schüler nicht nur beruflich profitiert haben:

Siegfried Popp:
„Zurückblickend denke ich, dass wir in Entwicklungsländern schon einiges erreicht haben, dass wir vielen Familien ‘n bissl mehr Lebensqualität bieten konnten. Wenn ich heut’ die Schüler treffe: Die reden heute noch begeistert von der Sache. Und: Für das Leben lernen wir, nicht für die Schule – so ungefähr. Das ist hier verwirklicht worden. Also, ich bin rundum zufrieden.“

Sprecher:
Siegfried Popp ist sehr, rundum, zufrieden, dass er nicht nur in Entwicklungsländern mit seinem Solarlampenprojekt Menschen das Leben erleichtert, ihnen ein bisschen mehr Lebensqualität bieten kann. Auch seine ehemaligen Berufsschüler bestätigen ihm, dass sie etwas für ihr gesamtes Leben gelernt haben. Und genau darum gehe es, sagt er, indem er ein geändertes Zitat des römischen Philosophen Seneca verwendet: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“




Fragen zum Text

Was stimmt? Siegfried Popp entwickelte die Solarlampe, …
1. weil der Lehrplan seiner Berufsschule das forderte.
2. um einer bestimmten Gemeinde in Afrika zu helfen.
3. weil seine Berufsschülerinnen und -schüler ihn darum gebeten haben.

Berufsschulen in Deutschland …
1. haben bestimmte Vorgaben, was gelehrt werden sollte.
2. müssen überall dieselben Lehrpläne einhalten.
3. werden von Schülerinnen und Schülern besucht, die das Abitur machen wollen.

Wer nicht gerne über den Tellerrand schaut, ist meist jemand, der …
1. Vorurteile hat.
2. besonders aufgeschlossen ist.
3. die Konsequenzen einer Handlung bedenkt.


Arbeitsauftrag
Mit manchmal kleinen Mitteln oder guten Ideen kann das Leben erleichtert werden. Teilt eure Lerngruppe in Gruppen auf und recherchiert im Internet, welche vergleichbaren Projekte es gibt. Beschreibt das Projekt und stellt es der gesamten Gruppe vor. Ein Beispiel aus dem afrikanischen Burkina Faso findet ihr hier: http://bit.ly/18Er9gv. Es handelt sich um einen Bauern, der es schaffte, in der Wüste Bäume zu pflanzen.

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