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Wirtschaft

Solarbranche in der Krise

Die Pleite des deutschen Solarkraftwerk-Herstellers Solar Millennium wirft ein Schlaglicht auf eine Branche, der es momentan überhaupt nicht gut geht. Man kann auch von einer Krise sprechen.

Eine Frau prüft fertige Solarmodule (Foto: dpa)

Solarmodule: Weltweite Überkapazitäten

In den USA mussten bereits die Solaranlagenhersteller SES, Solyndra sowie Evergreen Solar und Spectrawatt Insolvenz anmelden, in Deutschland hatte gerade vor einer Woche das Berliner Photovoltaikunternehmen Solon Insolvenz angemeldet. Nun hat es das Erlangener Unternehmen Solar Millennium erwischt, und auch bei den anderen der Branche sind Verluste an der Tagesordnung: Neben der Conergy AG aus Hamburg gerieten auch das einstige Vorzeigeunternehmen Q-Cells und Phoenix Solar aus dem bayrischen Sulzemoos in die roten Zahlen.

Weltweite Überkapazitäten und ein Dumping-Krieg der Chinesen gelten als Ursache für das Massensterben. Im Oktober reichte die amerikanische Tochter des deutschen Solaranlagenherstellers Solarworld zusammen mit sechs weiteren US-Solarunternehmen eine Petition beim US-Handelministerium und der Internationalen Handelskommission ein. Die Solaranlagenhersteller werfen der chinesischen Konkurrenz unlauteren Wettbewerb vor. Mit Kreditzusagen von 21 Milliarden Euro zu Niedrigst-Zinsen würde China seine Solarfirmen ausbauen. Und die wiederum böten ihre Produkte bis zu 30 Prozent unter den Herstellungskosten an, so der Vorwurf.

Infografik Photovoltaik Wachstumsprognose DW-Grafik: Per Sander

Subventionswettlauf

In Deutschland wird allerdings gerne vergessen, dass die einheimische Photovoltaik ebenfalls subventioniert wird - wenn auch indirekt über gesetzlich garantierte Einspeisevergütungen, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt sind. Und zu den Wahrheiten über die Solarbranche gehört auch, dass strukturschwache Städte in Ostdeutschland Solarfirmen anlockten - mit Vergünstigungen und Fördergeldern.

Trotzdem, sagt David Wedepohl vom Bundesverband Solarwirtschaft, sei die Situation in China eine andere als in Deutschland. In China würden ausschließlich chinesische Solarfirmen an die billigen Kredite kommen. Während ausländische Firmen, darunter Sharp und First Solar, in Deutschland investierten und einen offenen Markt vorfänden, sei der chinesische Binnenmarkt für deutsche Unternehmen weitgehend verschlossen, so Wedepohl zu DW-WORLD.DE: Für ausländische Unternehmen würden in Deutschland hingegen die gleichen Bedingungen gelten wie für heimische.

Weltweite Überkapazitäten

Solarstromanlage auf einem Bonner Fabrikdach (Foto: Volker Lannert)

Solarmodule: Preise in drei Jahren halbiert

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen - darunter nicht nur deutsche - derzeit unter einem unnatürlich starken Preisverfall litten. "Er ist Resultat weltweiter Überkapazitäten", sagt Wedepohl. Insbesondere in Asien seien Fabriken in letzter Zeit noch schneller gewachsen als der Weltmarkt. Etliche europäische Länder haben in letzter Zeit ihre Milliardensubventionen für Sonnenstrom gekürzt. Und auch das EEG sieht vor, den Einspeisepreis jährlich zu senken. Die sinkende Nachfrage in Deutschland konnten Auslandsmärkte nicht auffangen. Seit 2008, so Wedepohl, hätten sich deshalb die Modulpreise halbiert.

Autorin: Jutta Wasserrab
Redaktion: Rolf Wenkel

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