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Wirtschaft

Solaranlagen in der Park Avenue

US-Präsident Barack Obama kommt zum Klimagipfel nach Kopenhagen. Dort will er erstmals konkrete Klimaschutzziele anbieten. Doch wie grün ist die US-Wirtschaft jetzt schon?

Montage von Solardächern in den USA (Foto: DW)

Montage von Solardächern

Goldener Herbst in New City in der Park Avenue – die so gar nichts mit der berühmten Straße in New York gemein hat. Keine Hochhäuser und viel Grün. Von unten sieht man sie kaum: Die schwarzen Solarpanels auf dem Dach des weiß getünchten Hauses von "Michael Shilale Architects". Zwei Treppen und eine Bauarbeiterleiter weiter oben liegen sie in schickem Schwarz auf dem Flachdach: "225 Watt pro Panel", schwärmt Architekt Michael Shilale. "Und sie sehen auch noch sehr attraktiv aus."

Solarpanele auf einem Haus in den USA (Foto: Isi-Solar)

Solaranlagen werden auch in den USA immer beliebter

Die Solaranlage auf dem Dach des Architektenbüros ist nur ein Teil eines ganzen Projektes. Michael Shilale will auch noch die Fenster austauschen und mit Regenwasser die Toiletten im Haus spülen. Er ist ein Verfechter erneuerbarer Energien und sitzt auch als Verantwortlicher in der lokalen Handelskammer. Trotzdem ist er kein Fan eines Gesetzes zum Klimaschutz: "Wir sind lauter kleine und mittelständische Unternehmen und wir wollen nachhaltig Energie erzeugen – aber nicht weil man es uns vorschreibt oder weil es ein Gesetz gibt, sondern weil es uns voran bringt."

So lange es Gewinn bringt

Im Grunde geht es auch Unternehmen, die grün werden wollen, um den Profit. Geld dafür bezahlen wollen sie nicht: Keine Steuer, keine Verpflichtungen. "Man wird grün, wenn es sich wirtschaftlich lohnt", weiß auch James Albert, Chef von Isi-Solar - der Firma, die diese und viele andere Anlagen in Rockland County installiert. "Unternehmerischen Kunden geht es viel mehr darum, ob sich die Anlage langfristig rechnet", meint der Solarinstallateur. "Privatkunden denken da viel öfter an den Umweltaspekt."

Solardach an einem PKW-Parkplatz (Foto: Isi-Solar)

Vielleicht mal eine Solartankstelle für E-Autos

Dieses Phänomen zeigt sich nicht nur in Rockland County, sondern überall in den USA und weltweit. Die Bemühungen, Klimaemissionen zu verringern, bringen nur denen Vorteile, die rechtzeitig umgesattelt haben und nun damit gutes Geld verdienen. Aber das sind die Wenigsten.

Deswegen fordert die Welt ein Gesetz in Washington und eine Einigung in Kopenhagen, der schnelle Taten folgen sollen. "Das ist die schwierigste Aufgabe seit die Menschheit existiert", meint Scott Barrett, Politökonom an der Columbia University in New York. "Oft wird so getan, als bringe der Kampf gegen den Klimawandel nur Gewinne, aber dass die Märkte nicht von alleine klimafreundlich funktionieren, zeigt wie es ist." Das Vorantreiben von erneuerbaren Energien bringt Gewinner und Verlierer.

Gewinner und Verlierer

Bisher kommen nur rund drei Prozent des Energieverbrauchs in den USA aus erneuerbaren Energien. "Die Gewinner sind Generationen, die noch gar nicht geboren sind", erklärt Politökonom Scott Barrett. "Aber auch wenn wir die direkten Gewinner wären, die zivile Bevölkerung von heute – wir sind gar nicht so gut organisiert, wie ganze Industrien und Unternehmenszweige, die die Verlierer sind." Klar, dass diese ihre Interessen viel besser in erfolgreiche Lobbyarbeit umsetzen können.

Saubere Autos und grüne Äpfel

US-Präsident Obama (Foto: AP)

Auf ihn kommt es an: US-Präsident Barak Obama

Trotzdem haben sich von Unternehmensseite viele große Konzerne noch rechtzeitig auf die saubere Seite geschlagen und sich zu einer "Partnerschaft für Klimaaktion" zusammen getan: Darunter der Autobauer Ford, Levi Strauss oder auch General Electric.

Und auch Apple kehrte der US-Handelskammer den Rücken. Die befand sich in den vergangenen Monaten zu sehr auf Umwelt-Schlingerkurs. Der Computerhersteller macht jetzt werbewirksam und öffentlich auf "grüner Apfel" - nachdem Umweltschützer der Firma jahrelang vorwarfen, giftige Materialen zu verwenden.

Aus Saulus wird Paulus – aber bitte mit Aussicht auf Imagegewinn - oder Profit. Langfristig generieren den wirtschaftlichen Gewinn die Verbraucher, und deren Bewusstsein wird grüner. "Die Verkäufe von Hybridmotoren legen zu, die Menschen bringen ihre eigene Tüte mit für den Einkauf im Supermarkt", meint James Albert. Es sei inzwischen politisch korrekt "grün" zu sein – und politisch inkorrekt es nicht zu sein.

Autorin: Miriam Braun
Redaktion: Henrik Böhme