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Wirtschaft

Solaranlagen im Akkord

Weil am 1. Juli die staatliche Förderung von Solaranlagen gekürzt wird, können sich die Anlagernbauer momentan vor Aufträgen kaum Retten. Doch was danach kommt, ist ungewiss.

Monteuere der Firma Sonne und Strom aus der Region Bonn beim Anbringen einer Solaranlage (Foto: DW / Miriam Klaussner)

Ein Monteuer der Firma "Sonne und Strom"

Die Deutschen kaufen wie die Weltmeister: Solaranlagen. Die Monteure freuen sich, ein Riesengeschäft. Doch das könnte sich ändern: Die Regierung will die Subventionierung für Solarstrom ab Juli kürzen. Und das bedeutet im Klartext für die Monteure: weniger Aufträge. Doch bis dahin, bis zum 1.Juli, können sich die Solarbauer kaum retten vor Aufträgen. So auch die Monteure der Firma "Sonne und Strom" aus der Region Bonn.

Seit Wochen schon starten sie bei Sonnenaufgang. Die fünf Männer fahren ihre vollgepackten Lieferwagen vor ein kleines Reihenhäuschen. Ausladen, aufbauen, aufstellen. 20 Kilo schwer und zwei Quadratmeter groß sind die silber-schimmernden Platten. Die Solarbauer wuchten sie eine nach der anderen in den Garten. Zwölf Stück sind es insgesamt.

Firmen hängen in der Luft

Monteuere der Firma Sonne und Strom aus der Region Bonn beim Anbringen einer Solaranlage (Foto: DW / Miriam Klaussner)

Heraufhieven aufs Dach im Akkord

Vorsichtig zirkeln sie die Solarmodule auf ein Fliessband, so zuckeln die Platten dann auf das Dach. Auch ein kleiner, drahtiger Mann in Jeans packt mit an. Es ist Uli Engels, der Firmenchef. "Es wird höchste Zeit, dass Fakten auf den Tisch kommen, dass das Gesetz geändert wird“, sagt Engels. "Dass wir wieder Planungssicherheit haben. Das ist das Wichtigste, dass ich dem Kunden und meiner Mannschaft sagen kann, wie es wirklich weitergeht."

Uli Engels streicht sich durch das kurze Stoppelhaar. Seit Monaten schon hängt er in der Luft. Die Regierung will, dass es weniger Geld für den Solarstrom gibt. Sie möchte die Vergütung ab Juli um 16 Prozent herunterschrauben. Dann wären die Anlagen nicht mehr so attraktiv. Und das hieße für Solarbauer Engels: weniger Aufträge. "Im Moment haben wir keine definitive Aussage. Eine definitive Aussage wäre die Änderung des EEGs“, erklärt der Chef der Solarbauer. Diese klare Aussage hat er nun: Am Mittwoch (06.05.2010) hat der Deutsche Bundestag über eine entsprechende Änderung des Gesetzes entschieden.

Das EEG ist das Entscheidende

Monteuere der Firma Sonne und Strom aus der Region Bonn beim Anbringen einer Solaranlage (Foto: DW / Miriam Klaussner)

Bis Ende Juni haben sie gut zu tun: Monteuere der Firma "Sonne und Strom"

EEG, das steht für das Erneuerbare Energien Gesetz. Darin steht, dass jeder, der Solarstrom ins Netz speist, eine feste Vergütung bekommt. Und dieser Satz gilt 20 Jahre lang - staatlich garantiert - egal wie sich die Gesetze ändern. Uli Engels zeigt auf die Reihenhaussiedlung. Überall glitzern die schwarzen Module. Für so kleine Anlagen gibt es 39 Cent pro Kilowattstunde. Ab Juli soll es aber nur noch 32 Cent geben.

Engels blickt herüber zum Förderband. Dort steht der Reihenhausbesitzer, Klaus Lehmacher, ein Mann in Engels Alter, um die 50. Gespannt verfolgt er, wie sein Dach langsam zu glitzern beginnt. Lehmacher sieht erleichtert aus, er wollte seine Anlage unbedingt noch vor Juli haben. "Ja, das muss man schon ganz klar sagen“, meint der Hausbesitzer schmunzelnd. "Denn ansonsten hätten wir etwas länger warten müssen, dann hätten wir uns erst im nächsten Jahr die Anlage auf das Dach gesetzt.“ Und dann hätte er auch weniger Geld für den Solarstrom bekommen.

Alle wollen noch vor Juli kaufen

Firmenchef Uli Engels (Foto: DW / Miriam Klaussner)

Firmenchef Uli Engels wünscht sich mehr Planungssicherheit

Etwa zehn Autominuten von der Baustelle entfernt, in einem gläsernen Büro in Niederkassel, sitzt Ute Engels, die Frau des Solarbauers. Sie hat den Hörer an die Schulter geklemmt, mit der freien Hand versucht sie den Anruf auf dem Handy wegzudrücken. Seit die Regierung angekündigt hat, dass die Vergütung gekürzt werden soll, kann sich die Firma vor Aufträgen kaum retten. Ständig muss Ute Engels das Gleiche am Telefon erklären. "Bis zum ersten Juli? Das können wir nicht mehr garantieren. Weil wir zu sind mit Aufträgen“, das muss sie bei fast jedem Gespräch erklären. Sie rollt genervt die Augen. Immer wieder muss sie Aufträge ablehnen, muss versuchen, die Kunden auf Juli zu vertrösten. Sie zeigt auf einen dicken Ordner. Das seien die aktuellen Aufträge. Diesen Kunden hat sie versprochen, die Solarmodule noch vor dem ersten Juli zu montieren. Und das sind noch 50 Anlagen - die auf dem Reihenhaus bei Klaus Lehmacher mal nicht mitgezählt.

Klaus Lehmcher, der neue Anlagen-Besitzer, lächelt glücklich. Gerade wandert die letzte Platte aufs Dach. 18.000 Euro kostet die Anlage, erzählt er. Mit der aktuellen Vergütung habe er das in elf Jahren wieder raus. Und ab dann verdiene er am Solarstrom.

Vor zehn Jahren bauten nur Idealisten

Hausbesitzer Klaus Lehmacher (Foto: DW / Miriam Klaussner)

Hausbesitzer Klaus Lehmacher freut sich

Solarbauer Engels schlendert herüber. "Vor zehn Jahren sah es noch ganz anders aus“, erzählt er. "Da waren es noch Idealisten, die sich die Anlage aufs Dach gesetzt haben. Heute ist es bunt gemischt.“ Vor zehn Jahren gab aber auch nur wenige idealistische Monteure wie ihn. Engels ist ein Solar-Pionier. Er war einer der ersten im Umkreis, der Photovoltaikanlagen montiert hat. Damals konnte er aber nicht davon leben. Das kann er erst seit rund fünf Jahren, seit es die Förderungen für Solarstrom gibt.

Nach sieben Stunden sind die letzten Schrauben drin. Der große Augenblick - Klaus Lehmacher steht vor dem Zähler. "Ok, der Strom läuft“ ruft der Monteur, die Zahlen bewegen sich. Uli Engels und seine Jungs bauen ab. Ein Kaffee, eine Zigarette, dann geht es auf das nächste Dach. Es ist eben Akkordarbeit bis Juli. Und dann? Uli Engels lacht, "Wir werden alle mal Urlaub machen, das erste Mal nach 27 Jahren“.

Autorin: Miriam Klaussner

Redaktion: Rolf Wenkel

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