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„Solanum tuberosum“

Hinter dem lateinischen Namen „Solanum tuberosum“ verbirgt sich etwas, das fast jeder kennt und das sehr beliebt ist. Die Europäer haben es aus Südamerika importiert. Besonders die Deutschen mögen es sehr.

Bei den meisten wird der Begriff „solanum tuberosum“ ein großes Fragezeichen auf der Stirn hinterlassen. Dabei isst jeder – oder fast jeder – das, was damit gemeint ist. Zum Beispiel, wenn es in Stifte geschnitten und frittiert wird. Dann verwandelt es sich in Pommes frites. Die sind nicht gesund, aber lecker. Und jetzt weiß bestimmt jeder, wovon hier die Rede ist: von der Kartoffel. Das deutsche Wort Kartoffel klingt weniger elegant als die botanische, lateinische Bezeichnung. Ähnlich verhält es sich mit dem Wort Erdapfel. Es wird in manchen Gegenden Süddeutschlands, in Österreich und in der Schweiz für die Kartoffel verwendet. Dabei hat der Erdapfel eigentlich nichts mit einem Apfel zu tun. Der Begriff bezeichnet etymologisch eine besondere Kartoffelart – die sogenannte Topinambur-Knolle. Und die ist rund wie ein Apfel.

Kartoffelvielfalt

Gemüseregal mit der Überschrift Kartoffeln in einem Supermarkt

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Sieglinde, Augusta & Co.

Die Kartoffel gibt es noch nicht sehr lange in Europa. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde sie aus Südamerika importiert, zuerst nach Spanien. Von dort aus verbreitete sie sich über den Rest Europas. Bald wurde sie systematisch angebaut und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Nahrungsmittel überhaupt. Aber Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel. Jede hat ihren eigenen Geschmack und ihre Eigenschaften. Und was tut man, um die Kartoffelsorten auseinanderzuhalten? Man gibt ihnen Namen.

Da gibt es in Deutschland zum Beispiel „Sieglinde“, eine festkochende Sorte – oder „Iroise“, eine vorwiegend festkochende Kartoffelsorte. „Augusta“ hingegen ist mehlig kochend. Wer gerne Kartoffelsalat, Kartoffelpüree oder Kartoffelpuffer – auch Reibekuchen genannt – zubereitet, weiß, dass er dafür die richtige Sorte aussuchen muss. Und wer den schönsten Kartoffelsortennamen sucht, hat die Wahl unter anderem zwischen „Amanda“, „Anuschka“, „Bernadette“, „Lady Felicia“, „Sirius“, „Venezia“ – um nur einige wenige aufzuzählen.

Brei, Püree und Kloß

Drei Topinambur-Knollen

Aus "Erdäpfeln" lassen sich auch leckere Gerichte zaubern

Mindestens genauso zahlreich wie die Namen sind die Kartoffelgerichte. Die Kartoffel ist preiswert und lecker und so haben sich die Menschen unzählige Arten der Zubereitung ausgedacht. Von den Pommes frites, die andernorts French fries heißen, haben wir schon gesprochen. Aber wie wäre es mit Kartoffelbrei? Der ist nicht nur bei Kindern sehr beliebt. Auch Erwachsene mögen ihn, ob sie ihn Kartoffelbrei oder Kartoffelpüree nennen – das ist das Gleiche. Kartoffelklöße oder Kartoffelknödel muss auch jeder mal probiert haben! Bratkartoffeln gibt es oft auf Stadtfesten. Sie sind lecker, aber nicht unbedingt gut für die schlanke Linie.

Das gilt auch für das Kartoffelgratin, dem mit Käse überbackenen Kartoffelauflauf. Wer sich satt essen will, kann das mit einer Kartoffelsuppe machen, für die es viele unterschiedliche Rezepte gibt. Selbst Kartoffelbrot gibt es! Die Ofenkartoffel ist besonders beliebt, zum Beispiel mit Kräuterquark oder Kräuterbutter – ebenso wie die Pellkartoffeln. Pellkartoffeln tragen das im Namen, was man mit ihnen macht: den gekochten Kartoffeln wird die Haut, die Pelle, abgezogen – sie werden gepellt. Und wer auf Helgoland ein Fischgericht bestellt, bekommt dazu gerne Salzkartoffeln serviert.

Das Leben der Kartoffel

Eine Kartoffelerntemaschine fährt über einen Kartoffelacker

Kartoffelernte im 21. Jahrhundert

Wie sieht denn so ein Kartoffelleben aus, bevor die Kartoffel zu dem wird, für das sie in unserer Küche bestimmt ist? Die Kartoffelpflanzen kommen in die Erde und müssen vorkeimen. Sie brauchen viel Licht und Wärme. Wenn die Kartoffeln reif sind, kommt die Zeit der Kartoffelernte. Besonders früher waren die Menschen in Europa darauf angewiesen, dass die Ernte gut war, da Kartoffeln ein Hauptnahrungsmittel waren und nicht, wie heutzutage, eine Beilage.

Wenn die Ernte schlecht war, konnte das eine Katastrophe bedeuten. Eine der größten Katastrophen dieser Art in Europa war die „Große Hungersnot“ in Irland zwischen 1845 und 1849. Sie heißt nichts umsonst „Irish potato famine.“

Das Militär im Kartoffelacker

Ein Mädchen steht im Vordergrund, im Hintegrund ihr früherer Freund mit einem anderen Mädchen

Der hat mich schnell fallen lassen wie 'ne heiße Kartoffel!

So wichtig wie die Kartoffel für die Ernährung ist, hat sie in der deutschen Alltagssprache eher wenig Spuren hinterlassen. Ärgert sich jemand darüber, dass sich eine andere Person nicht entschließen kann und pausenlos ihre Meinung ändert, dann kann er sagen: „Rin (rein!) in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln!“ Dieser Ausdruck soll aus der Militärsprache des 19. Jahrhunderts stammen. Bei militärischen Manövern wurde eine Truppe aus taktischen Gründen auf einen Kartoffelacker geschickt – und bald darauf musste sie wieder runter vom Acker, damit die Kartoffeln nicht beschädigt wurden. Ein Hin und Her!

Und wenn zwei Menschen zum Beispiel eng zusammenarbeiten oder befreundet sind, und einer von beiden möchte plötzlich aus irgendwelchen Gründen nichts mehr mit dem anderen zu tun haben, dann lässt er ihn oder sie fallen wie eine heiße Kartoffel. Wer gerne kocht, weiß, woher dieser Ausdruck kommt. Die Finger verbrennt sich keiner gern.

Kinderspiel und Ernst

Vier Marzipankartoffeln, eine ist aufgeschnitten

Von Marzipankartoffeln kann manche Couch Potatoe nicht genug bekommen

Wer zu hören bekommt: „Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln“, kann sich nicht geschmeichelt fühlen. Denn dann wird einem unmissverständlich klargemacht: „Du hattest ohne große Anstrengung und unverdient Erfolg.“ Kein Kompliment für eine Person ist es auch, als Knollnase bezeichnet zu werden. Denn der- oder diejenige hat dann eine dicke, große Nase.

Mit einer dicken Knolle, einer umgangssprachlichen Bezeichnung für die Kartoffel, kann man auch spielen: Kinder basteln Kartoffelstempel und drucken damit im Kartoffeldruck. Genießbar sind die Kartoffeln danach aber nicht mehr. Naschkatzen können nicht genug bekommen, aber nicht von Süßkartoffeln, wie man denken könnte. Die schmecken nur ein bisschen süßer als die normalen Kartoffeln, sind aber keine Süßigkeit. Nein, die Rede ist von Marzipankartoffeln. Die sehen ein bisschen aus wie Kartoffeln, sind aber ein Konfekt aus sehr fein gemahlenen Mandeln und Zucker. Couchkartoffeln, die Couch Potatoes, naschen davon gerne – besonders in der Weihnachtszeit, gemütlich auf dem Sofa sitzend.

Ehre, wem Ehre gebührt

Dampfende Kartoffel

Dampfend regte sie sogar den Dichter an: die Pellkartoffel

„Seit Jahrhunderten ernährt sie uns Menschen, die Kartoffel, il tartuficolo. Deshalb riefen die Vereinten Nationen das Jahr 2008 zum Internationalen Jahr der Kartoffel aus. Ein schönes, dichterisches Denkmal hat der deutsche Dichter Joachim Ringelnatz der Kartoffel gesetzt:


Jetzt schlägt Deine schlimmste Stunde, (…)
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens,
Mit der Gabel – sei stark!
Ich will auch Butter und Quark
Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.
Musst nicht gleich so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreu'n.
Soll ich Schnittlauch über dich streun?
Oder ist dir nach Hering zumut?
Du bist ein rührend junges Blut.
Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
So tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, dass du eine Edelknolle
Warst, und dass dich ein Kenner verschlingt.“





Fragen zum Text

Wer Kartoffelbrei machen will, muss ...
1. den richtigen Namen der Kartoffel kennen.
2. die richtige Kartoffelsorte wählen.
3. den Unterschied zum Kartoffelpüree kennen.

Eine gekochte Kartoffel kann man …
1. schälen.
2. pellen.
3. enthäuten.

Lässt jemand einen fallen wie eine heiße Kartoffel, dann ...
1. hat man kein gutes Verhältnis mehr zu dieser Person.
2. mag er keine Knollennasen.
3. fühlte er sich besonders von einem angezogen.


Arbeitsauftrag
Lies dir das Gedicht von Joachim Ringelnatz genau durch. Beschreibe mit deinen eigenen Worten, was der Dichter sagen will. Deine Antwort kannst du gerne an bildung@dw.de schicken.

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