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Afrika

Sohn des Ex-Präsidenten im Senegal vor Gericht

Karim Wade, Sohn des ehemaligen senegalesischen Präsidenten Abdoulaye Wade, steht wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht. Er soll sich als Minister illegal bereichert haben.

Karim Wade war einst ein mächtiger Mann. Unter seinem Vater, dem damaligen senegalesischen Präsidenten Abdoulaye Wade, stieg er 2009 zum Minister für Internationale Kooperation, Infrastruktur und Lufttransport auf. Kurz darauf wurde Wade Junior auch das Energieministerium übertragen. Im Senegal verschaffte ihm diese Machtfülle den Spitznamen "Minister von Himmel und Erde".

Doch 2012 war auch für Karim Wade Schluss, als sein Vater die

Stichwahl ums Präsidentenamt

verlor und

Oppositionskandidat Macky Sall ins Amt kam

. Zwar gehörte Sall früher zu den Vertrauten von Wade Senior - er war während dessen Präsidentschaft bis 2007 Regierungschef - jedoch überwarf er sich mit dem Staatschef, als der seinen Sohn zu seinem Nachfolger aufbauen wollte.

178 Millionen Euro in die eigene Tasche?

Seit April 2013 wird nun gegen Wade Junior ermittelt - die erste Anhörung ist für Donnerstag (31.07.2014) angesetzt. Der Vorwurf: Der heute 45-Jährige habe rund 178 Millionen Euro unterschlagen. Ursprünglich hatte die Anklage von einer Milliarde Euro gesprochen. Zuständig für den Fall ist Staatsanwalt Alioune Ndao. "Das Ziel der Ermittlung ist, Klarheit zu schaffen, wo vorher systematisch gepfuscht wurde", so Ndao.

Karim Wade (Foto: REUTERS/Joe Penney/Files)

Karim Wade soll Gelder veruntreut haben

Die frühere Justiz- und Premierministerin Aminata Touré, die eine entscheidende Rolle in der Festnahme Wades spielte, betonte, dass laufende Verfahren nicht kommentiert würden. "Wir lassen die Ermittler, die Richter und Staatsanwälte ihren Job in aller Ruhe machen. Das ist die beste Garantie für ein faires und angemessenes Urteil." Touré war Teil der neuen Regierung unter

Sall, die den Kampf gegen Korruption

zur Priorität machte. Dazu reaktivierte Sall das Sondergericht zur Bekämpfung von Korruption (CREI). Karim Wade selbst sagt, er habe "absolutes Vertrauen in das Rechtssystem meines Landes."

Dubiose Deals in Dakar

Das Korruptionstribunal CREI konzentriert sich im Kern auf zwei Vorwürfe: Wade Junior soll dubiose Deals rund um Hafen und Flughafen in der Hauptstadt Dakar geschlossen haben und für sich selbst mehrere Millionen Euro abgezweigt haben.

Macky Sall (Foto:Rebecca Blackwell/AP/dapd)

Senegals Präsident Sall will Korruption im Land ausrotten

"Wir müssen jetzt abwarten, bis das CREI die Ermittlungen abgeschlossen hat. Dann wissen wir, wie viel Karim Wade wirklich veruntreut hat", sagt Cheikh Tidiane Ba vom Zivilen Forum Senegal in Dakar, dem senegalesischen Ableger der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International. Ein Großteil der Bevölkerung befürwortet die Verhaftung von Karim Wade, auch wenn es Gruppen gibt, die für seine Freilassung demonstrieren.

Viele Bürger sind allerdings einfach wütend. "Wenn das stimmt, was gesagt wird, dann ist Karim Wade wirklich in Schwierigkeiten", sagte ein aufgebrachter Bürger in Dakar der DW. "Er muss uns das Geld zurückgeben. Die Senegalesen haben von all dem genug." Die Bevölkerung könne Korruption nicht länger ertragen. Die Situation im Land sei schlecht, Massenarbeitslosigkeit besonders bei Jugendlichen hoch.

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