1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Socken

Wer sich auf die Socken macht in die weite Welt, trifft dort womöglich auf arme Socken, vielleicht auch auf rote – oder gar auf kriminelles Gesocks. Da kann man schon mal von den Socken sein.

Als Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1775 Charlotte von Stein erstmalig begegnete, war er augenblicklich total von den Socken – so wird es überliefert. Und das, obwohl er die damals üblichen langen Kniestrümpfe trug. Er war wie vom Donner gerührt, der Liebespfeil Amors hatte ihn mit aller Wucht getroffen. Man könnte für diesen Sachverhalt auch die Formulierung wählen: "Es haute Goethe komplett aus den Latschen!" Aber in den vornehmen Adelskreisen derer von Goethe und von Stein befleißigte man sich selbstverständlich auch einer adeligen Ausdrucksweise: Von den Socken!

Der Papst und seine Socken

Auch Kardinal Josef Ratzinger soll mehr als zwei Jahrhunderte später total von den Socken gewesen sein, als man ihm mitteilte, er sei zum Papst gewählt worden. Nicht, dass er tatsächlich seine Strümpfe verloren hätte. Aber so eine gute Nachricht kann einen schon emotional überwältigen.

Kardinal Ratzinger trug übrigens schon vor der Wahl rote Socken – und als Papst Benedikt XVI. tut er es erst recht. Dass Benedikt deshalb eine rote Socke wäre – diesen Schuh würde er sich nie im Leben anziehen. Und in der Tat: Wer behauptet, der Papst sei eine rote Socke – so bezeichnet man gemeinhin Kommunisten – hat ja wohl einen Schuss.

Die arme Socke

Manch einer, der von heute auf morgen seinen Arbeitsplatz verliert, ist ebenfalls von den Socken – aus Enttäuschung. Der Schritt zur armen Socke ist da nicht weit, wenn nach der Entlassung der Weg in die Armut folgt.

Der Sparstrumpf ist schnell aufgebraucht, dann bleibt oft nur noch die sogenannte Stütze, die staatliche Unterstützung für Arbeitslose. Die reicht aber in der Regel vorne und hinten nicht. Und so macht sich manch ein Arbeitsloser Tag für Tag auf die Socken, um einen neuen Arbeitsplatz zu suchen. In der Hoffnung, so wieder auf die Beine zu kommen.

Soccus, der Schlupfschuh

Der Begriff "Socke" geht übrigens zurück auf lateinisch "soccus". Im alten Rom meinte man damit einen "Schlupfschuh". Man musste ja ständig auf der Hut sein vor politischen Feinden oder dem Ehemann der Geliebten – und im Fall des Falles war man halt blitzschnell in den "soccus" hineingeschlüpft und konnte das Weite suchen. Darin liegt vermutlich auch der Sachverhalt begründet, dass manche Männer bis auf den heutigen Tag beim Liebesakt die Socken anbehalten – so ist er allzeit bereit, von jetzt auf gleich aus dem Bett zu hüpfen.

Und vom Schlupfschuh ist es kein weiter Weg bis zum Schlupfloch. Die Hauptaufgabe eines Anwalts besteht ja darin, für den Mandanten ein juristisches Schlupfloch zu finden, durch welches er seinen Anklägern entschlüpfen kann. Was sich ein gewiefter Anwalt da alles einfallen lässt – da ist man oft regelrecht von den Socken!

Vom Halswickel bis zum Gesocks

Socken finden ja heute eine vielfältige Verwendung: Man benutzt sie gerne als Halswickel bei grippalen Infekten der fiebrigen Art, vorausgesetzt, sie wurden mindestens sechs Monate ohne Unterbrechung getragen – sonst wirkt es nicht. Fußballfans tragen mit Vorliebe Socken in den Farben ihres Lieblingsvereins – Fußball heißt ja im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten nicht von ungefähr "Soccer".

Zugegebenermaßen kommt es leider auch immer wieder vor, dass die Socke zum Erwürgen eines unliebsamen Zeitgenossen herhalten muss. Für Menschen, die zu so etwas in er Lage sind, hält unsere Sprache deshalb auch einen treffenden Begriff bereit: Kriminelles Gesocks.

Fragen zum Text

Wenn jemand von den Socken ist, ist er …

1. körperlich erschöpft.

2. geistig abwesend.

3. emotional überwältigt.

Was kann man in einem Schlupfloch tun?

1. Arbeit finden

2. sich verstecken

3. Fußball gucken

Wie nennt man Kriminelle umgangssprachlich auch?

1. rote Socken

2. Gesocks

3. arme Socken

Arbeitsauftrag

Stellen Sie sich vor, Sie sind eine Ihrer eigenen Socken. Schauen Sie sich die Welt von unten an und beschreiben Sie einen Tag in Ihrem Leben aus Sicht dieser Socke. Verfassen Sie einen lebendigen Erlebnisbericht von etwa einer halben DinA4-Seite Länge.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema