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Sport

Social Media: Schöne neue Welt bei Olympia

Früher waren es Radio und Fernsehen, die den Zuschauern "alles" über die Athleten bei Olympischen Spielen vermittelten. Heute übernehmen das die Akteure immer häufiger selbst – per Twitter, Facebook und YouTube.

Das Schlüsselwort lautet "Social Media": Die neuen Medien rücken bei den olympischen Sommerspielen in London ganz besonders in den Vordergrund. Ob Twitter, Facebook oder YouTube - immer mehr Athleten nutzen diese Wege, um ihre Fans über mehr oder weniger wichtige Dinge aus ihren Leben direkt zu informieren. Aber dabei bleibt es schon lange nicht mehr, denn die neuen Plattformen bilden ideale Möglichkeiten, um sich selbst zu vermarkten. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) freut sich über die zusätzlichen Medien, stellt aber strenge Regeln auf.

Schon kurz nach seinem packenden Gold-Sprint über 100 Meter feierte Usain Bolt mit seinen Fans auf Facebook und Twitter – mit einem Foto von seinem siegreichen Lauf und mit gewohnt selbstbewussten Kommentaren. Die Reaktionen kamen prompt: "Unglaublich, Usain! Sicher der Größte aller Zeiten", gratulierte ein Fan via Twitter. Bolt verbreitete es an seine 984.000 Follower weiter.

Nichts dem Zufall überlassen

Das IOC befeuert den Hype und bekämpft den Kontrollverlust. Bei den Spielen in Peking vor vier Jahren waren Facebook und Twitter noch ein Nischenphänomen, das für das IOC nur eine ungeordnete Rolle spielte. In London ist das schon grundlegend anders. Die beiden Dienste sind mittlerweile Massenmedien und so schufen die Veranstalter eine eigene Plattform: Im "Olympic Athletes' Hub" bündelt das IOC die Facebook-Nachrichten und Tweets vieler Sportler.

Die Olympia-Macher wollen nichts dem Zufall überlassen. Mit vierseitigen "Guidelines" wurden die Athleten schon weit im Voraus eingenordet: Weder Töne noch Videos von den Wettbewerben dürfen sie verbreiten, alle Äußerungen müssen in Ich-Form und Tagebuchformat verfasst sein, Werbung für die Sponsoren ist strikt verboten.

Die deutschen Beach-Volleyballer Jonathan Erdmann (l.) und Kay Matysik schauen auf ein Mobiltelefon (Foto: REUTERS)

Die deutschen Beach-Volleyballer Jonathan Erdmann (l.) und Kay Matysik haben Wichtiges mitzuteilen

Schwarze Schafe gibt es immer

Die meisten Sportler halten sich brav an die IOC-Regeln. Sie versorgen ihre Fans mit Fotos von Ausflügen und Medaillen, danken fürs Anfeuern oder betrauern ihr Scheitern. Doch die Sozialen Medien lassen sich nicht so einfach kontrollieren, wie es das IOC gerne hätte. In der ersten Olympia-Woche gab es etliche Misstöne und ein paar handfeste Skandale.

Bei der Ankunft in London beschwerten sich Sportler via Twitter über die Irrfahrt ihrer Busse auf dem Weg ins olympische Dorf. Eine griechische Dreispringerin ließ einen rassistischen Spruch ab, ein Fußballer aus der Schweiz hetzte gegen den Gegner – beide mussten abreisen. Und zumindest in den USA sind die Proteste einiger Leichtathleten, die gegen die Werbebeschränkung aufmucken, deutlich vernehmbar.

Kontrolle so gut es geht

Kontrollieren können die Olympia-Macher die tausenden von Tweets und Facebook-Nachrichten ohnehin nicht. Die Vorgehensweise des IOC ist eine andere: Mit dem "Olympic Athletes' Hub" wird versucht, so viel positiven "Buzz" zu erzeugen, dass die negativen Meldungen nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Eine Menge Arbeit für die Social-Media-Wächter, denn klar ist: Nur Radio und Fernsehen ist out – Twitter, Facebook, YouTube und Co. gehört die Zukunft. Bei den deutschen Olympiateilnehmern ist bisher zwar nur jeder Dritte dort aktiv, doch das wird sich ändern. Bis zu den Spielen 2016 in Rio de Janeiro werden nicht nur die Athleten im Bereich "Social Media" noch professioneller, sondern auch deren Fans. Schöne neue Welt bei Olympia.