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Aktuell Nahost

So wollte sich Eichmann vor dem Tod retten

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Hinrichtung von Adolf Eichmann hat Israel das Gnadengesuch des Deutschen veröffentlicht. Ein Schreiben, in dem sich der NS-Verbrecher von jeder Schuld freisprach.

Zum internationalen Holocaust-Gedenktag wurde das handschriftliche Dokument im Amtssitz des israelischen Präsidenten Reuven Rivlin vorgestellt. Bei der Gedenkveranstaltung - 55 Jahre nach dem Prozess gegen Eichmann - war auch Tami Hausner-Raveh zugegen, die Tochter des damaligen israelischen Chefanklägers Gideon Hausner.

Ebenfalls vor Ort war Rafael Eitan. Gemeinsam mit anderen Agenten des Geheimdienstes Mossad hatte er den einstigen SS-Obersturmbannführer

1960 in Argentinien aufgespürt

und nach Israel entführt. Dort wurde dieser dann zum Tode verurteilt.

"Keine so eine hochgestellte Persönlichkeit gewesen"

In seinem Gnadengesuch an den damaligen Staatschef Jizchak Ben-Zvi schrieb Eichmann, er sei kein "verantwortlicher Führer" gewesen, habe unter Zwang als "Instrument" gedient und fühle sich nicht schuldig. Den Richtern sei in der Beurteilung seiner Person ein entscheidender Irrtum unterlaufen, "da sie sich nicht in die Zeit und in die Lage versetzen können, in der ich mich während der Kriegsjahre befunden habe". Er sei keine "so eine hochgestellte Persönlichkeit gewesen", die die Verfolgung der Juden "selbstständig hätte betreiben können, und betrieben hätte".

Adolf Eichmann während des weltweit aufsehenerregenden Prozesses gegen ihn in Israel (Foto: dpa)

Adolf Eichmann während des weltweit aufsehenerregenden Prozesses gegen ihn in Israel

Eichmann hatte im Reichssicherheitshauptamt die Deportation der Juden in die Vernichtungslager organisiert. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges konnte er noch einige Jahre in Deutschland verbringen,

ehe er über Österreich nach Argentinien floh.

"Ich verabscheue die an den Juden begangenen Greuel"

Auch sei es falsch, dass er sich niemals von menschlichen Gefühlen habe beeinflussen lassen, so Eichmann weiter. Unter dem "Eindruck der erlebten unerhörten Greuel" habe er "sofort" um seine Versetzung gebeten. Er "verabscheue die an den Juden begangenen Greuel als größtes Verbrechen und halte es für gerecht, dass die Urheber solcher Greuel jetzt und in Zukunft zur Verantwortung gezogen werden".

Eichmann bat Ben-Zvi in dem Schreiben vom 29. Mai 1962, "anzuordnen, dass das Todesurteil nicht vollstreckt wird". Zwei Tage später wurde er mit dem Strang hingerichtet.

bor/sc (afp, dpa)

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