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Kultur

So wird ein Ort zum UNESCO-Welterbe

Es gibt 1007 Welterbestätten. Bis zum 8.7. tagt das Welterbekomitee und entscheidet über Neuzugänge. Das können historische Stätten sein, aber auch Wasserfälle oder Höhlen. Wie schafft man es auf die begehrte Liste?

Die Pyramide von Kukulkan in Mexiko gehört seit 1988 zum Welterbe (Foto: REUTERS/Victor Ruiz Garcia)

Die Pyramide von Kukulkan in Mexiko gehört seit 1988 zum Welterbe

Die Chinesische Mauer, die Victoriafälle in Sambia oder die Altstadt von Quedlinburg. Alles ohne Zweifel beeindruckende Orte: Doch was macht sie zum Weltkulturerbe? Wie haben es diese Sehenswürdigkeiten und Naturwunder in den Club der 'Very Important Places' geschafft - während die Innenstadt von Bochum draußen bleiben muss? Wer auf die UNESCO-Liste aufgenommen werden will, muss Kriterien der Einzigartigkeit erfüllen, doch dazu später mehr. Zunächst muss eine Stätte die Hürde der Nominierung nehmen.

Die Hamburger Speicherstadt (Foto: picture-alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Die Hamburger Speicherstadt ist in diesem Jahr aussichtsreicher deutscher Welterbe-Kandidat

Die Nationen schlagen vor

Jedes Land muss selbst eine Liste von potentiellen Kandidaten erstellen, die es als Kulturerbe-würdig auffasst. Im Falle Deutschlands übernehmen diese Aufgabe die Bundesländer. Drei Stätten haben sie in diesem Jahr vorgeschlagen, darunter die

Hamburger Speicherstadt

und den

Naumburger Dom

nebst Umland.

Insgesamt gibt es in diesem Jahr 36 nationale Vorschlägen aus aller Welt - darunter zum Beispiel das Aquädukt von Padre Tembleque in Mexiko, die Felszeichnungen im saudi-arabischen Ha'il oder die Forth Bridge in Großbritannien. Singapur mit seinem Botanischen Garten und Jamaika mit den Blue and John Crow Mountains haben 2015 zum ersten Mal Vorschläge eingereicht.

Die Denkmalschützer prüfen

Die Vorschläge der einzelnen Länder gehen an ein unabhängiges Expertengremium, das die Nominierungen prüft. Der Internationale Rat für Denkmalschutz (Icomos) geht die dicken Bewerbungsmappen, die alle relevanten Karten und Daten enthalten, durch und spricht auf dieser Basis eine Empfehlung aus. Die Kandidaten im Bereich der Naturerscheinungen werden von der Weltnaturschutzunion (IUCN) geprüft.

Bleiben wir beim Beispiel Deutschland. Die Hamburger Speicherstadt hat die Denkmalschützer überzeugt: Sie haben sich dafür ausgesprochen, die Speicherstadt in die Kulturgutliste aufzunehmen. Anders sieht es beim Naumburger Dom aus. Er ist bei der Prüfungskommission durchgefallen. Dem Antrag fehle es an Schlüssigkeit und Überzeugungskraft, so das undiplomatische Urteil. Doch die Naumburger kämpfen weiter und hoffen trotzdem auf einen Platz auf der Liste.

Botanischer Garten in Singapur (Foto: picture-alliance / ANN / The Straits Times)

Singapur ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei und schickt seinen Botanischen Garten ins Rennen

Das Unesco-Welterbekomitee entscheidet

Das Entscheidende: Das UNESCO-Welterbekomitee kann sich über die Empfehlungen der Denkmal- und Naturschützer hinwegsetzen. Bei der letztjährigen Konferenz in Doha wurden die Entscheidungen des Komitees stark kritisiert. Es steht unter dem Verdacht, Stätten auch aus politischen Gründen in die Welterbe Liste aufzunehmen. Zum Beispiel, weil einige Länder mehr Lobby-Arbeit leisten als andere. Diesem Eindruck will die diesjährige Vorsitzende,

die deutsche Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer

, entgegenwirken. "Eine Welterbestätte muss von außergewöhnlichem und universellem Wert für die Menschheit sein und nicht nur für ein einzelnes Land", sagte sie im Vorfeld der Tagung des Welterbekomitees. Außerdem will sie die Arbeit der Experten im Internationalen Rat für Denkmalschutz transparenter gestalten.

Welterbeliste mit Schlagseite

Das Bewerbungsverfahren dauert mindestens 18 Monate und ist sehr komplex. Das hat dazu geführt, dass Welterbestätten in Europa, Nordamerika und Asien deutlich in der Überzahl sind. In anderen Weltregionen stehen nicht das nötige Personal und oder Know-How zur Verfügung. Das Resultat: 48 Prozent der Weltkulturerbestätten liegen in Europa oder Nordamerika, nur neun Prozent in Afrika. "Die Schlagseite kommt vor allem daher, dass aus bestimmten Weltregionen sehr viele Nominierungen erfolgen", sagt Katja Römer, Sprecherin der deutschen UNESCO-Kommission. "Das Komitee will dieses Ungleichgewicht abmildern, indem es beispielsweise afrikanische Länder bei der Erarbeitung der aufwendigen Bewerbungsdossiers unterstützt."

Pyramide in Gizeh, Ägypten (Foto: picture-alliance / AP)

Eine der berühmtesten Weltkulturerbestätten: die Pyramiden von Gizeh in Ägypten

Kriterien: Schönheit, Bedeutung, Einzigartigkeit

Das Komitee, das letzten Endes über die Aufnahme entscheidet, besteht aus gewählten Experten aus 21 Ländern. Auf der jährlichen Tagung prüfen sie, ob die Vorschläge mindestens einem der zehn Kriterien für ein Welterbe entsprechen.

Grundvoraussetzung ist allerdings, dass eine Stätte von "außergewöhnlichem universellen Wert" ist. Kulturerbestätten wie Denkmäler oder andere Bauten gelten oft als "Meisterwerke menschlicher Schöpferkraft". In diese Kategorie könnte beispielsweise die Hamburger Speicherstadt fallen. Sie ist der größte Lagerhauskomplex der Welt und steht auf Eichenpfählen. Die UNESCO-Stätten sollen repräsentativ stehen für eine bestimmt Architektur oder Technologie, eine kulturelle Tradition oder untergegangene Kultur. Ein Naturerbe soll von "außergewöhnlicher Schönheit" und "ästhetischer Bedeutung" sein. In diese Kategorie würden womöglich die Blue and John Crow Mountains in Jamaika fallen.

Die Kriterien sind also sehr weit gefasst. Das müssen sie auch sein, sagt die deutsche UNESCO-Kommission. Denn schließlich solle die Liste des Welterbes auch die Vielfältigkeit der Welt widerspiegeln. So werden auch in Zukunft von den Silberminen im bolivianischen Potosí bis hin zu den Höhlen von Elephanta in Indien sehr unterschiedliche Orte das Welterbe der Menschheit repräsentieren.

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