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Kultur

So viel du brauchst?

Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag steht bevor unter dem Motto „Soviel du brauchst.“ Claudia Aue denkt für die evangelische Kirche darüber nach, was dieses biblische Zitat für verschiedene Menschen bedeuten kann.

Blick auf Felsen im Hoggar-Massiv in der südlichen Sahara in Algerien. Aufnahme von 1999.

Bildergalerie Die Wüsten in der arabischen Welt

Ein Kirchentag wird vorbereitet

Schinkel ist ein kleines Dorf in Norddeutschland – nicht weit vom Nord-Ostseekanal entfernt mit hübschen Bauernhäusern und einigen Neubauten. Mittendrin eine kleine Kirche und das letzte Vorbereitungstreffen vor dem 34. Evangelischen Kirchentag. Der startet in zweieinhalb Wochen in Hamburg. Mit im Team aus Schinkel: Jugendliche. Sie wollen verrückte Spiele anbieten. Und Erwachsene. Sie werden gleich am ersten Abend der Begegnung Brote schmieren für die Gäste aus aller Welt. „So viel du brauchst“ steht auf den dicken Programmheften vor ihnen. Das werden nicht nur sie, das werden sich auch die anderen zig Tausend Besucher in den kommenden Wochen fragen: Was ist es, was ich brauche - und eigentlich stellt sich für jeden und jede diese Frage täglich neu. Wie viel brauche ich zum Leben, für meine Seele? In Schinkel, diesem gemütlichen Schleswig-Holsteinischen Dorf, sieht es auf den ersten Blick nicht nach bitterer Armut aus. Aber auch hier erleben Menschen, dass es sich nicht immer so anfühlt, als hätte man „so viel man braucht“. Da ist zum Beispiel ein 53jähriger Hauptschullehrer mit drei Kindern. Was braucht er, um gut zu arbeiten, für seine Familie? Wonach dürstet seine Seele und was ist es, was er sich vielleicht für sich selber erträumt? Und manchmal hat man diese Träume vielleicht einfach nur vergessen. Das passiert sicher nicht so leicht, wenn es am täglichen Brot mangelt.

Ein Volk bekam, was es brauchte

40 Jahre hatten die Israeliten in der Wüste überlebt. 40 Jahre waren sie gewandert. Und täglich kam Manna vom Himmel. Nur mit dieser Speise Gottes konnten die Israeliten überleben. Sie waren gemeinsam unterwegs und sie blieben auf Tod und Leben aufeinander angewiesen. Das eigene Glück auf eigene Faust zu suchen, wäre tödlich. Das Überleben hing auch davon ab, dass sie gemeinsam auf dem Weg Gottes blieben. Das Überleben hing davon ab, dass sie sich alle, wirklich alle, an eine ökonomische Ordnung hielten, die für alle sorgte. Gott hatte gesagt, sie sollten Manna sammeln, soviel sie jeweils zum Essen bräuchten, ein Krugmaß pro Kopf. Die Söhne und Töchter Israels taten das. Aber die einen sammelten viel, die anderen wenig. Und dann heißt es: „Als sie mit dem Krug maßen, hatten die, die viel gesammelt hatten, nichts übrig und die, die wenig gesammelt hatten, keinen Mangel. Alle hatten gesammelt, so viel sie brauchten! Was die Israeliten hatten, hatten sie auf Zeit – genau für einen Tag! Was sie hatten, war in der Menge begrenzt. Für jeden soviel, wie er braucht.

Der evangelische Kirchentag in zweieinhalb Wochen fragt uns alle noch einmal genau dies: bekommen wir jeden Tag, so viel wir brauchen?

Noch einmal anders stellt sich diese Frage Professorin Ofelia Ortega aus Kuba. Auch sie wird auf dem Kirchentag in Hamburg dabei sein. Sie ist Präsidentin des Weltkirchenrates und leitet ein theologisches Seminar in Matanzas - nicht weit von Havanna. Sie kennt die Auf und Abs ihres Heimatlandes. Vor rund zehn Jahren durfte ich sie auf einer Studienfahrt nach Kuba kennen lernen. Damals waren die Studierenden – und sie - dort heftigen Reglementierungen ausgesetzt. Eigentlich sollten sie gar nicht in Ruhe mit uns reden -und einige überlegten tatsächlich, irgendwann auszuwandern. Ofelia Ortega hatte sich entschieden, dort zu bleiben, Theologie zu treiben gegen alle Widerstände, und immer neu das Leben sichern zu müssen. Eine Theologie, die nichts mit Hoffnung zu tun hat, ist keine Theologie, die auf Kuba Sinn macht, das steht für sie fest. Und sie vernetzt sich weltweit ökumenisch, um von anderen zu hören und anderen zu erzählen, wie die Situation auf Kuba ist. Was ist „so viel du brauchst“ wohl für sie?

Woher kriege ich, was ich brauche?

Die Israeliten in der Wüste, ein Lehrer in Norddeutschland und eine kubanische Theologie-Professorin – ihre Fäden laufen auf dem Kirchentag in zweieinhalb Wochen zusammen. Gott gibt uns, so viel wir brauchen – das ist die Folie, auf dem die Wüstengeschichte der Israeliten geschrieben steht. Das Motto des Kirchentages spricht uns allen dies zu – ob wir nach Hamburg kommen oder von weitem mitdenken. Und es fordert uns auf: denke daran, was es sein könnte, was dein Gegenüber braucht – und: du selber!

Claudia Aue, Kiel

Claudia Aue, Kiel

Zur Autorin:
Claudia Aue (Jahrgang 1972) ist Radiopastorin auf NDR 90,3, NDR 1 Welle Nord, NDR Kultur und NDR Info. Sie vereint in ihrem Dienst zwei Qualifikationen, die sie erworben hat: Sowohl eine theologische als auch eine journalistische Ausbildung hat die gebürtige Hamburgerin absolviert. Theologie studierte sie in Göttingen, Atlanta (USA), Heidelberg und Kiel. Nach dem Studium arbeitete Claudia Aue als freie Mitarbeiterin bei den Kieler Nachrichten, danach ging sie für zwei Jahre nach Hamburg ins Vikariat in St. Pauli. Danach wurde sie Volontärin bei den Kieler Nachrichten und schließlich Pressereferentin bei Bischof Dr. Hans Christian Knuth in Schleswig.

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