1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Berlinerisch

So quatscht Berlin: Schrippe, Stulle und Molle

Berlinerisch ist eine Mischung mit vielen Einflüssen: Hochdeutsche und sächsische, jiddische, niederländische, slawische und sogar französische Ausdrücke finden sich im Dialekt der Hauptstadt.

Der Berliner verwechselt mir und mich, er sagt ick, dit und wat statt ich, das und was. Wenn es schnell geht – und für den Berliner muss es immer schnell gehen – bleibt einiges auf der Strecke. Der Genitiv fehlt praktisch ganz: "Die Mutter von dis Mädchen ist dit ejal." Oder er sieht so aus: "Rieke ihre Schwester stellt dit klar."

Ohne g jeht’s auch!
Anstelle des im Hochdeutschen üblichen au setzt der Berliner ein langes o: loofen – laufen, roochen – rauchen. Und statt des hochdeutschen ei spricht der Berliner ein langes e: keener – keiner, Beene – Beine. Und dann ist da noch die Sache mit dem g – das et nämlich ja nich jibbt! Deshalb werden viele Bejriffe vorne mit Jott jesprochen.

"Et jibt keen richtjet und keen falschet Berlinern. Wichtig is nur, dit et ne lebendje Sprache is – 'n Teil von unsere Identität – und nich irjendwat Uffjesetztes." Es gibt also kein richtiges und kein falsches Berlinern. Wichtig ist nur, dass es eine lebendige Sprache ist – ein Teil unserer Identität – und nicht irgendetwas Aufgesetztes.

Französische Ursprünge
Grundlagen des Berlinerischen sind das märkische Platt, das Hochdeutsche und das Sächsische. Weitere Zutaten kamen aus dem Jiddischen, dem Niederländischen und dem Slawischen.

Wie heute auch waren Berliner zu allen Zeiten vor allem Zugereiste. Um 1700 stellten die aus Frankreich geflohenen Hugenotten ein Fünftel der Berliner Bevölkerung. Und bis heute sind nicht nur die Buletten, sondern auch andere originelle Wortschöpfungen des berlinisierten Französisch in aller Munde: Bredullje (bredouille), aus der Lameng (à la main), Fisimatenten (visitez ma tente).

Berliner Schnauze
Manchen erschreckt die Schnoddrigkeit der Berliner Schnauze. Schonungslos direkt und erbarmungslos offen sagt der Berliner geradeheraus, was ihm auf dem Herzen liegt. Aber nur keine Panik: Die originale Berliner Schnauze ist ohnehin auf dem Rückzug. Denn das Berlinerische genießt kein großes Ansehen.

Im Westen galt es lange als "Proletendeutsch". Man findet es kaum in den Glaspalästen am Potsdamer Platz, auch nicht in Bundestagsbüros oder Bundesministerien. Eher auf der Straße.

Vor allem die Ossis der Hauptstadt kümmern sich um das linguistische Kulturerbe. Hier sprechen Berliner immer noch, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist – so dass auch die neuesten Neuberliner schnell mitreden können. Und dann auch lernen, was Schrippe, Stulle und Molle eigentlich bedeuten: Brötchen, eine Scheibe Brot und Bier.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links