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Kultur

So leicht kommt man zum Film

Die Welt des Films übt einen ungebrochenen Reiz auf junge Menschen aus. Das zeigte auch das Festival "Sehsüchte 2006" in Potsdam. Mehr als tausend junge Filmemacher hatten sich dafür beworben. Nur ein Zehntel kam durch.

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So berühmt werden wenige Regisseure: Orson Welles bei einer Aufnahme für "Citizen Kane" (1940)

Insider wissen längst, dass das Studentenfilmfestival "Sehsüchte" in Potsdam jede Reise wert ist. Die Teilnehmer und Organisatoren dieses größten europäischen Filmfestivals können zwar noch nicht von ihrer Arbeit leben. Alle aber träumen von einer Filmkarriere. Auch Paul Zischler, der erzählt, wie er zum Film kam: "Ich bin früher mal mit meinem Onkel ans Filmset gegangen, und ich fand das ganz interessant, habe dort ein Praktikum gemacht, habe Leute kennen gelernt, wie es beim Film immer läuft, wenn man Leute kennt, die kennen wieder jemanden. Und schwuppdiwupp bist du drin und bist begeistert, so wie ich."

Ohne Begeisterung gehe es nicht, denn das Filmstudium sei nicht gerade leicht, wie der 24-jährige Produktionsstudent an der Deutschen Film und Fernsehakademie in Berlin erzählt. "Man sitzt jeden Tag von neun bis neun in der Uni, wenn es hart auf hart kommt. Wenn man ein Projekt macht, dann muss man eine Woche lang drehen."

Geld hilft

Zischler betreut nebenbei den Produzentenpreis bei dem Filmfestival "Sehsüchte 2006", das Ende April in Potsdam stattfand. Innerhalb von sechs Tagen wurden hier 159 Filme aus 29 Ländern gezeigt. Die Organisation steht in studentischer Hand, doch nicht alle Teilnehmer kommen aus den Hochschulen.

Um einen guten Film zu machen, braucht man nicht unbedingt ein Studium, sagt Zischler: "Filme machen kostet immer Geld und wenn man an einer Filmhochschule ist, hilft es auf jeden Fall, Geld aufzutreiben, weil die Filmhochschule das Equipment und die technischen Geräte bereitstellt."

Dänisches Projekt

Aber es gehe auch ohne Studium, dafür gebe es viele Beispiele. Eines davon ist das Projekt "Super16" aus Dänemark. Daraus ging der 22-minütige Film des Brasilianers Carlos Oliveira hervor: "Louise" erzählt von einem Mädchen, das nach einem Überfall an einen Rollstuhl gefesselt ist und sich an ihrer vermeintlichen Täterin rächt. Die Schauspieler, der Produzent und der Regisseur haben ohne Honorar gearbeitet, so wie auch die Lehrer und die Organisatoren des Projekts "Super16".

Acht Regisseure und acht Produzenten studieren in einem Jahrgang der alternativen Ausbildung, die in Kopenhagen immer mehr an Ansehen gewinnt und den jungen Filmemachern als Sprungbrett dient. Hollywood ist nicht Oliveiras Traum, die meisten seiner Vorbilder sind Europäer: "Ich liebe Luchino Visconti, aber es gibt sehr viele Filmemacher, die ich sehr gerne mag: Stanley Kubrick, Ingmar Bergman, hauptsächlich sind es europäische Filme der sechziger und siebziger Jahre", sagt Carlos Oliveira.

Kontakte zählen viel

Das Tingeln von einem Festival zum anderen ist ein wichtiger Teil im Leben junger Filmemacher. Dort wird nicht nur um Preise gerungen, sondern es werden auch Kontakte geknüpft, sagt Julia Jurtajewa, die Medienwissenschaften in Potsdam studiert und das diesjährige Festival leitete: "Das Fachpublikum sieht diese Filme hier und die Leute von Filmverleihen, und das ist wirklich eine Chance."

Die Teilnahme am Festival ist also schon ein Gewinn. Mehr als tausend junge Filmemacher aus aller Welt hätten sich für die Teilnahme an "Sehsüchte 2006" beworben. Nur etwa jeder zehnte kam durch. Und weil ein Amateurfilm heute mit relativ wenig Geld zu machen ist, ist laut Festival-Leiterin Julia Jurtajewa das Beste, die Kamera in die Hand zu nehmen und die Geschichten selbst zu drehen. "Die Geschichten sind im Alltag versteckt", sagt sie, "und man muss sie einfach aufnehmen."