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So ein Pfusch!

Kurpfuscher, Quacksalber, Böhnhasen: Wer sein Handwerk nicht beherrscht, muss und musste mit entsprechenden Bezeichnungen leben. Am Werk sind Pfuscher überall und zu allen Zeiten – auch in der Schule.

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So ein Pfusch!

Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, zunächst dies: Vielen mag der Hinweis vor oder nach einem Kino- oder Fernsehfilm bekannt vorkommen, dass alles frei erfunden ist und Ähnlichkeiten mit noch lebenden oder bereits verstorbenen Personen rein zufällig sind. Damit schützen sich Filmproduzenten vor unliebsamen Überraschungen. Denn niemand kann dann behaupten, selbst gemeint zu sein und zum Beispiel Schadensersatz fordern.

Ein allgemeines Phänomen

So soll’s auch für uns gelten. Alle diejenigen, die erwähnt werden, sind natürlich nicht persönlich gemeint. Es sind natürlich immer andere. Und den Sachverhalt findet man in so gut wie allen Berufen mehr oder weniger häufig – nicht nur bei Ärzten und Handwerkern.

Die Rede ist vom „Pfusch“. „Pfuscherinnen“ und „Pfuscher“, die „pfuschen“, gibt es nicht nur heutzutage, sondern zu allen Zeiten. Pfuscherinnen fand man allerdings nur deshalb seltener, weil lange Zeit nur Männer anerkannte Berufe ausübten.

Pfusch in der Medizin und Kunstfehler

Pfusch ist generell schlimm. Im Bereich der Medizin ist er in den meisten Fällen jedoch eine große Katastrophe. Da passiert es doch tatsächlich schon mal, dass jemand das linke statt das rechte Bein amputiert bekommt. Oder dass nach der Operation der Blinddarm fehlt, aber dafür die Gallensteine noch im Bauch sind. Das mögen Einzelfälle sein. Sie passieren aber.

In mittelschweren Fällen, wenn beispielsweise die Nase nach dem Liften hässlicher ist als vorher, sprechen die Ärzte gerne von einem „Kunstfehler“. Dieses Wort beschönigt einen Sachverhalt, nämlich den der Pfuscherei. Besonders schlimm ist es, wenn man in die Hände von „Kurpfuschern“ gerät. 

Kurpfuscher, Quacksalber – und der Pfusch

Auf diese „Kurpfuscher“, die ohne medizinische Ausbildung Kranke behandelten, waren die Menschen früher angewiesen. Kurpfuscherei betreibt jemand, der seiner medizinischen Fürsorgepflicht, der „Kur“, nicht nachkommt.

Eine Karikatur aus dem Jahr 1840. Sie zeigt Doktor Eisenbarth, der eine Zange mkt einem Zahn in der Hand hält. Daneben steht ein verschüchterter Patient mit dicker Backe, dem der Zahn gezogen wurde. Eisenbarth stand zur damaligen Zeit als Beispiel für Quacksalber (picture-alliance/akg-images)

Kurpfuscher und Quacksalber beherrschen ihr Handwerk nicht

So wie der „Quacksalber“. Der aus dem Niederländischen stammende Begriff „kwakzalver“ steht für einen „prahlerischen Salbenverkäufer“, also jemanden, der nur vorgibt, über medizinische Kenntnisse zu verfügen.

Woher der Begriff „Pfusch“ sich ableitet, ist nicht ganz geklärt. Zwar steht „pfuschen“ seit dem 16. Jahrhundert für „schlecht arbeiten“. Entstanden ist das Wort wahrscheinlich als lautmalerische Interjektion zu „(p)futsch“, „kaputt“ – eine der beiden Bedeutungen, die „futsch“ in der Umgangssprache behalten hat. Auch kann „futsch“ bedeuten, dass etwas verlorengegangen, nicht mehr da ist.

Unfachmännische Arbeit

Symbolbild: Warnschild Ölspur (picture-alliance/Chromorange/Bilderbox)

Pfusch in einem Fahrzeugbetrieb kann böse Folgen haben

„Unfachmännisch, unordentlich, flüchtig arbeiten“ steht für „pfuschen“ im Wörterbuch. Genau das hat zum Beispiel der Kraftfahrzeugmechaniker von der kleinen Werkstatt um die Ecke getan, wenn das Auto nach der Inspektion zwar wieder wunderbar anspringt, aber dafür Öl verliert.

In so einem Fall kann man ruhig sagen, dass „ein Pfuscher am Werk gewesen ist“, der nicht nach den Richtlinien eines Meisterbetriebs der Kraftfahrzeuginnung gearbeitet und den Kollegen „ins Handwerk gepfuscht hat“.

Verboten: jemandem ins Handwerk zu pfuschen!

Die Wendung „jemandem ins Handwerk pfuschen“ wird heutzutage in der Umgangssprache im übertragenen Sinn angewendet: Wenn Menschen, die keine Ahnung von etwas haben, sich in die Arbeit von Fachleuten einmischen, oder wenn jemand ungefragt in einen Handlungsablauf eingreift. Zurück geht die Wendung auf das 16. Jahrhundert.

Damals war eine Person, die „jemandem ins Handwerk pfuschte“ eine Person, die heimlich außerhalb der Meisterwerkstatt arbeitete. Schwarzarbeit sozusagen. Nach der mittelalterlichen Zunftordnung für die Handwerksberufe war das verboten und wurde bestraft.

Von Bö(h)nhasen, Wätschelbäckern und Lästerern

Für Personen, die ihr Handwerk nicht beherrschen, finden sich in der deutschen Sprache viele Begriffe. So hießen vor allem in Norddeutschland, in der Gegend um Hamburg, schwarzarbeitende Schneider „Bö(h)nhasen“.

Ein flüchtender Hase (Colourbox)

Bei Bedrohung einfach wegrennen!

„Bö(h)n“ bedeutete „Dachboden“, denn dort konnten die Schneider ungestört ihrem Handwerk nachgehen. Standen Kontrollen an, flohen sie – wie Hasen bei einer Bedrohung – über die oft miteinander verbundenen Dachböden, um nicht erwischt und bestraft zu werden.

Die Bäcker bezeichneten ihre pfuschenden Kollegen als „Wätschelbäcker“. Der Jenaer Backordnung nach durften die unzünftigen Bäcker dienstags ihre Brote auf dem Markt verkaufen. Weil sie schwer beladen waren, watschelten sie. Bei den Fleischern hießen die Pfuscher „Lästerer“, weil sie das Fleisch nicht ordnungsgemäß zerteilten, „lästerten“.

Das Pfuschen in der Schule

Pfuschen kann Existenzen vernichten, für ein „verpfuschtes Leben“ sorgen. Dazu kann auch gehören, sich bei wichtigen Klausuren beim Pfuschen erwischen zu lassen und durch die Prüfung zu fallen. Generationen von Schülerinnen und Schülern können aber sicher bezeugen, dass man manchmal auch erfolgreich sein kann.

Ein Schüler hält in der linken Hand verdeckt einen Pfuschzettel mit den Lösungen seines Tests, mit der rechten Hand füllt er mit einem Bleistift das Aufgabenblatt aus (Colourbox)

Ein Spickzettel hilft beim Pfuschen

Natürlich wird keiner offen zugeben, dass sie oder er die Zwei in Mathe nur unter Anwendung von Pfuschtricks geschafft hat. Zum Beispiel ein Trinkpäckchen so präpariert zu haben, dass die Lösungen als Etikett getarnt waren.

Oder dringend die Toilette aufgesucht zu haben, wo eine beschriebene Klopapierrolle auf einen wartete – oder der mit einem Kaugummi an gut versteckter Stelle festgeklebte Spickzettel.

Fühlt sich jemand angesprochen?

Frei erfunden ist das nicht. Aber Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen sind natürlich rein zufällig. Natürlich!!

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