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So ein Luxus!

Mancher lebt in Luxus, manches ist Luxus. Prunkvoll und verschwenderisch kann ein luxuriöses Dasein sein – oder ein Gegenstand. Was als Luxus empfunden wird, ist allerdings relativ. Es kommt auf die Sichtweise an …

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So ein Luxus!

Es gibt in der deutschen Sprache Wörter und Ausdrücke, die haben – wie man im Schwäbischen sagt – ein „G’schmäckle“. Damit ist – im übertragenen Sinne natürlich – so etwas wie „Beigeschmack“ gemeint, eine Nebenbedeutung, die unausgesprochen bleibt und meist negativ ist.

Was hat „Diätenanpassung“ mit Luxus zu tun?

Bundestagsabgeordnete, die sich um eine Abstimmungsurne versammelt haben, um über ihre Diätenerhöhung abzustimmen

Eine besondere Form des Luxus: sich selbst die Bezüge in einer angespannten wirtschaftlichen Lage zu erhöhen

Es kommt jedoch immer darauf an, in welcher Situation solche Wörter verwendet werden. Ein Beispiel ist „Diätenanpassung“, ein Wort, das 1995 sogar zum Unwort des Jahres gekürt wurde. Wäre die gesamte wirtschaftliche und soziale Situation in Deutschland damals besser gewesen, hätte sich wohl kaum jemand über die so bezeichnete Erhöhung der Abgeordnetenbezüge aufgeregt.

So aber empfanden viele die von den Abgeordneten des Deutschen Bundestages selbstverordnete Aufbesserung als ziemliche Unverschämtheit. Eine große deutsche Boulevardzeitung sprach sogar von „Luxus“. Was aber hat das mit Luxus zu tun?

Ein kurzer etymologischer Exkurs

Um es gleich zu sagen: Luxus ist grundsätzlich ja nicht etwas, das verdammenswert ist. Aber solange es auf der Welt den Unterschied zwischen Arm und Reich gibt, bekommt er eben leicht einen bitteren Beigeschmack.

Wer kennt sie nicht, die unveränderlichen Kennzeichen der Reichen und Superreichen, die Luxusgüter, Luxusvillen, Luxusjachten, Luxusautos, und so weiter, und so weiter. Leuten, die sich all das und natürlich sämtliche anderen Luxusgüter leisten können, wird gerne Verschwendung unterstellt. Und genau das ist die aus dem Lateinischen abgeleitete Bedeutung von Luxus. Nämlich: „üppige Fruchtbarkeit“, also mehr als genug von etwas zu haben.

Luxus: ein relativer Begriff

Bauernprotest: Vom Anhänger eines Traktors werden Früchte auf der Straße verstreut

Auch eine Form von Luxus: Verschwendung von Lebensmitteln als Mittel des Protests …

Wer wollte darin grundsätzlich etwas Negatives sehen! Eine modernere Definition, die sich mehr an „üppig“ als an „Fruchtbarkeit“ orientiert, sieht den Luxus als eine „über das jeweils als notwendig erachtete sinnvolle Maß hinausgehende Verhaltensweise und Aufwendung“.

Schön und gut, aber wer legt fest, was notwendig und sinnvoll ist und wer setzt das Maß? Man mag es ja kaum sagen, aber auch „Luxus“ ist ein relativer Begriff. In unterentwickelten oder wenig entwickelten Ländern ist für unzählige Menschen schon der reine Luxus, etwas ganz Besonderes, ein Dach über dem Kopf zu haben.

Luxus: moralisch verwerflich?

In den Industrienationen zählt die eigene Wohnung bislang noch nicht zu den Luxusgütern, aber das kann sich natürlich jederzeit ändern. Solange es auf der Welt eine, wie die Ökonomen sagen, „unzureichende Güterversorgung“ für den Großteil der Menschen gibt, solange wird Luxus den Beigeschmack des moralisch Verwerflichen behalten.

In der katholischen Kirche wurde luxuriöse Lebensweise sogar als Sünde eingestuft. Wobei diejenigen, die dem Kirchenvolk verkündeten, was unter „gottesfürchtiger Lebensart“ zu verstehen sei, allzu oft keineswegs als Vorbilder für Moral, Sitte und Bescheiden­heit angesehen werden konnten. Beispiele dafür gab es über die Jahrhunderte sehr viele, wie das des früheren Bischofs von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst. Er wurde heftig dafür kritisiert, dass er für mehrere Millionen Euro seine Bischofsresidenz renovieren lassen wollte. 2014 verzichtete er auf sein Amt.

Der Traum von einem Hauch von Luxus

Symbolbild: eine Frau liegt träumend mit hinter dem Kopf verschränkten Armen auf einem Sofa, im Hintergrund Himmel und Wolken

Ach wie schön wär es doch, ein luxuriöses Leben zu haben ...

Luxus allerdings nur im Zusammenhang von Moral und Unmoral, Armut und Reichtum zu sehen, versperrt den Blick auf eine liebenswerte menschliche Schwäche, die – Hand aufs Herz – uns allen vertraut ist: Der Traum von einem luxuriösen Leben, sorgenfrei, voller Annehmlichkeiten und wunderbarer Amüsements. Die Sehnsucht nach zumindest einem Hauch von Luxus.

Derartige Träume sind zwar für Normalsterbliche ein Luxus, etwas, das man sich unter bestimmten äußerlichen Umständen leisten kann. Aber ein

Luftschloss

zu bauen, ein gelegentliches Träumen ohne Garantie auf Erfüllung, ist doch erlaubt, oder? Manche wollen es allerdings nicht beim Traum belassen und versuchen, sich einen Luxus zu schaffen, den sie sich eigentlich gar nicht leisten können. Oder ihn sich zu verschaffen – zum Beispiel durch einen reichen Partner oder eine reiche Partnerin, wie Luxusgeschöpfe, zu denen auch Luxusweibchen gehören. Die beiden abwertenden Begriffe bezeichnen Menschen, die hohe Ansprüche stellen und verwöhnt sind.

Zwei „luxuriöse“ Aphorismen

Wie formulierte es der preußische König Friedrich der Große so schön: „Luxus treibt den Menschen zu keiner Tugend an – er erstickt meist alle besseren Gefühle in ihm.“ Das ist eine Sichtweise. Eine andere wäre diese: „Zeit ist Luxus, sagt der Reiche. Geld ist Luxus, sagt der Arme. Sollten die beiden sich nicht zusammentun, um ihren Luxus zu teilen?“ Also, so genau abzugrenzen ist der Begriff nicht. Es kommt halt auf die Sichtweise des Betrachters an …




Arbeitsauftrag
Schaut euch diesen Film über Luxus an: http://bit.ly/1EYs1u8. Macht euch, während des Betrachtens Notizen über Wörter oder Wendungen, die im Zusammenhang mit Luxus verwendet werden, beziehungsweise über Dinge, die als Luxus dargestellt werden. Stellt anschließend in Gruppenarbeit einen schriftlichen Vergleich mit eurem Heimatland an. Wo seht ihr Parallelen, wo Unterschiede? Tragt eure Ergebnisse vor und diskutiert darüber.

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