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Wirtschaft

Snower: "Krise lässt sich nur ganzheitlich lösen"

Um die Lösung globaler Probleme geht es auf dem Global Economic Symposium in Rio de Janeiro. Sein Gründer, Ökonom Dennis Snower, sagt, warum dazu ganzheitliche Ansätze und junge Menschen notwendig sind.

Denis Snower, Präsident IfW Kiel und Direktor GES Schlagwort: GES Aufnahme: DW/Henrik Böhme

Denis Snower

DW: Herr Snower, wir haben jetzt fünf Jahre Krise auf der Welt. Eine Finanzkrise, eine Weltwirtschaftskrise, eine Eurokrise. Aber fünf Jahre gibt es auch das Global Economic Symposium. Das mag Zufall sein, aber an Problemen mangelt es sozusagen nicht. Inwiefern wird diese Krise, die uns ja umgibt, auch eine Rolle auf dem diesjährigen Global Economic Symposium spielen?

Dennis Snower: Sie wird eine ganz große Rolle spielen. Eine Panel-Session, die wir haben werden, befasst sich mit Fiskalregeln, die eine Lösung für diese Krise sein können. Ein großes Problem, das wir heutzutage haben, ist, dass sich Staaten nicht verpflichten können. Wenn ein Staat ein Versprechen macht bezüglich der Schulden, die er verursacht, kann es kein langfristiges Versprechen sein. Denn in einem demokratischen System kann die nächste Regierung wieder alles umwerfen. Und daher ist es sehr schwer zu gewährleisten, dass die Schuldenquote - Schulden relativ zum Nationalprodukt - nicht ausufert. Und wie man dieses Problem löst, das ist eines der Dinge, die hier besprochen werden.

Das Symposium setzt sehr stark darauf, den Zusammenhang herzustellen zwischen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, also Lösungsansätze, die ganzheitlich sind. Wäre ein solcher ganzheitlicher Ansatz nicht auch die Lösung in der Eurokrise?

Ja natürlich. Und gerade darin besteht unsere Schwäche. Wie sind Regierungen strukturiert? Nach Disziplinen, Aktivitätsfeldern, Abteilungen und so weiter, die einen zwingen, die Gesamtheit aus den Augen zu verlieren. Wir haben eine Krise, die viele verschiedene Aspekte hat, zum Teil Finanzkrise, zum Teil Wirtschaftskrise, Schuldenkrise, geldpolitische Krise, Fiskalkrise. Dann kommt noch der demographische Wandel dazu, es gibt verschiedene gesellschaftliche Probleme, die in diese Krise hineinspielen. Ein Finanzsystem, in dem die Anreize nicht gut funktionieren. Da hat man sehr viele Elemente, die zusammen gehandhabt werden müssen. Aber wir haben nicht das Instrumentarium, um das zu tun. Und daher ist es wirklich gut, ein Symposium zu haben, das einen freien, kreativen Raum bildet, in dem man sich mit diesen großen systemischen Zusammenhängen beschäftigen kann.

Wenn das Symposium hier in Rio vorbei ist, beginnt in Brüssel der nächste Europäische Krisengipfel. Glauben Sie, dass dann eben genau wieder der Rückfall in dieses nationale Gefeilsche doch gleich wieder um sich greifen wird?

Ja. Ein großes Problem, das wir heutzutage haben, ist, dass unsere Probleme mehr und mehr global werden. Wir sehen das in Europa. Die Finanzkrise lässt sich nicht auf ein oder wenige Länder beschränken. Aber die meisten Instrumente der Wirtschaftspolitik und der Politik generell sind angesiedelt auf der Staaten-Ebene. Und auch internationale Organisationen wie zum Beispiel die EU-Kommission sind oft Orte, in denen nationale Konflikte ausgetragen statt ausgeglichen werden. Und das ist genau das Problem, das das Global Economic Symposium unter die Lupe nehmen will, um Lösungsvorschläge zu machen und um eine Art Katalysator für neues Denken in der Zukunft zu sein.

Das Syposium setzt ja auch stark auf junge Menschen. Es gibt die Global Economic Fellows, Menschen am Anfang ihrer Karriere, die mit guten Ideen die Welt ein bisschen besser machen wollen. Warum setzen Sie sich so sehr für dieses Programm ein?

Das ist ein ganz besonders wichtiges Programm. Hier im Symposium wollen wir uns die Welt der Zukunft vorstellen, eine heilere Welt, und diese auch gestalten. Wir haben viele berühmte Teilnehmer, die in ihrer Karriere schon viel geschaffen haben, die Lösungsvorschläge machen. Aber wir wissen nicht, ob diese Welt, die wir hier versuchen besser zu machen, eine Welt ist, in der die nächste Generation wirklich leben will. Deshalb ist es wichtig, die Stimme der nächsten Generation zu hören und ihre Vorstellungen einzubeziehen in das Gedankengut des Symposiums. Dieser Intergenerationendialog muss weiterhin im Zentrum des Syposiums stehen.

Dennis J. Snower ist amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, seit Oktober 2004 Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel sowie Professor für theoretische Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Beschäftigungspolitik und Arbeitslosigkeit. Er gründete 2008 das Global Economic Symposium. - Mit ihm sprach Henrik Böhme.