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Europa

Smog lässt Sterblichkeitsrate steigen

In Moskau und anderen russischen Städten leidet die Bevölkerung unter dem Smog durch Wald- und Torfbrände. Auch die Hitze macht den Menschen zu schaffen. Die Sterblichkeitsrate in Moskau hat sich verdoppelt.

Mit Mundschutz und Gasmaske versehen, läuft ein Paar über den Roten Platz. (Foto: dpa)

Derzeit sterben allein in Moskau rund doppelt so viele Menschen als sonst. Das teilte der Chef der Gesundheitsbehörde in der russischen Hauptstadt, Andrej Selzowski, am Montag (09.08.2010) mit. Die Zahl liege bei etwa 700 Menschen täglich. Viele Todesfälle seien auf den giftigen Rauch zurückzuführen, der von den Wald- und Torfbränden aus dem Moskauer Umland in die Hauptstadt weht. In den Leichenhallen der Stadt sind nach Angaben von Selzowski bereits 1300 der rund 1500 Plätze belegt.

Extreme Hitze und keine Aussicht auf Wetteränderung

Zwei Arbeiter allein auf dem Roten Platz (Foto: AP)

Die Sankt-Basilius-Kathedrale und der Kreml in dichtem Rauch

Ein Rückgang der dicken Rauch- und Staubwolke ist derzeit nicht in Sicht. In Russland herrscht weiter eine extreme Hitze und eine Wetteränderung ist nach Angaben von Meteorologen nicht vor Mittwoch in Sicht. Die Konzentration von giftigem Kohlenmonoxid in der Luft überschreitet den zulässigen Grenzwert derzeit um mehr als das Sechsfache. Zu den landesweit am stärksten betroffenen Regionen gehört das Gebiet um Nischni-Nowgorod rund 400 Kilometer östlich von Moskau. In unmittelbarer Nähe der Flammen starben nach Angaben der Behörden landesweit 52 Menschen.

240 Hektar Wald- und Torflandschaften in Flammen

Russische Zivilschützer und Feuerwehrleute erhalten unterdessen verstärkt Hilfe aus dem Ausland. Deutschland lieferte 100.000 Atemschutzmasken in die Brandregion. Die französische Regierung entsandte ein Löschflugzeug sowie 120 Feuerwehrleute. Auch Bulgarien, Polen und Italien schickten Hilfe.

Taube auf dem Pflaster des Roten Platzes vor der Sankt-Basilius-Kathedrale (Foto: AP)

Unwirtliche Moskauer Innenstadt

Bislang macht der dichte Rauch den Einsatz von Löschflugzeugen unmöglich. Die Maschinen stünden aber für den Fall bereit, dass sich die Lage bessere, teilte das Katastrophenschutzministerium mit. Feuerwehrleute hätten in den vergangenen 24 Stunden Brände auf einer Fläche von 16 Hektar gelöscht. Rund 240 Hektar stünden noch in Flammen.

Weiteres Atomzentrum bedroht

In der Umgebung der atomaren Wiederaufbereitungsanlage Majak bei Tscheljabinsk am Ural wurde wegen der Waldbrände der Ausnahmezustand verhängt. Vorerst sei das Betreten der Wälder und Parkanlagen in der Gegend etwa 1.500 Kilometer östlich von Moskau verboten, teilten die Behörden nach Angaben der Agentur Ria Nowosti mit. Das Zentrum samt Lagerstätte selbst war dem Vernehmen nach zunächst nicht betroffen. Für diesen Dienstag wurde in Majak eine Krisensitzung angesetzt.

Kritiker beklagten, die Behörden verharmlosten oder leugneten die Gefahren in alter Kreml-Manier, wie beim Supergau in Tschernobyl oder beim Zwischenfall mit dem Atom-U-Boot "Kursk".

Auch in der Nähe der atomaren Forschungsanlage Sneschinsk - etwa 80 Kilometer nördlich von Tscheljabinsk - brannten die Wälder. Die Flammen waren nach Behördenangaben aber rund 15 bis 20 Kilometer von dem Zentrum entfernt, in dem Atomwaffen geplant und gewartet werden. Sicherheitshalber wurden aber zusätzliche Einsatzkräfte nach Sneschinsk abkommandiert.

Autor: Christian Fähndrich (ap,dpa,rtr)

Redaktion: Sabine Faber

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