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Kultur

"Smile Machines" belächeln die Technologie

27 Künstler und Künstlerinnen zeigen in Berlin ihr vergnügliches, wenn auch vielfach distanziertes Interesse an der Technik. "Smile Machines" heißt die Ausstellung. Sie reizt zum Lächeln, aber nicht unbedingt zum Lachen.

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Valerie Pavia: "C'est bien la societe" (1999)

"Humor setzt eine Energie frei, die die Intelligenz der Dinge stimuliert, und natürlich auch das Begehren, ohne das keine Veränderung denkbar ist", sagt die Künstlerin Anne Marie Duguet. Denn: "Die Möglichkeit der Ironie, der Persiflage und des Scherzes zu verteidigen, bedeutet immer auch ein Stück Freiheit zu verteidigen."

Duguet gehörte der Fluxus-Bewegung der 1960er Jahre an, die sich vor allem gegen die Konsumgesellschaft und die wohlhabenden Bourgeoisie richtete. 2006 hat sie die Ausstellung "Smile Machines" (Lachmaschinen) für das International Media Art Festival Berlin eingerichtet. Da allerdings ist Humor, wenn man trotzdem lacht.

Anfassen erlaubt

Transmediale - Agnes Meyer-Brandis

Agnes Meyer-Brandis: "SGM-Eisberg-Probe" (2005)

Die Besucher der Ausstellung "Smile Machines" sind neugierig: Sie setzen sich die Kopfhörer der Soundinstallationen auf oder probieren den künstlerisch verzerrten und damit ungewohnten Umgang mit Robotern und Computerprogrammen. Die 27 Künstler und Künstlerinnen, die Duguet ausgewählt hat, zeigen Kunst, die ganz offensichtlich aus reiner Neugier und der Freude am Experiment entstanden ist. Denn die "Smile Machines" verhöhnen die Technik - also im Prinzip sich selbst. Mit heiterer Gelassenheit begegnen ihr die Menschen. Die Maschinen verlieren so ihren Schrecken, werden entmystifiziert.

"Cheese" - bitte lächeln

Bereits 1971 hat George Maciunas die "Fluxus Smile Machine" erfunden. Die "Fluxus Smile Machine" ist ein kleines Instrument, welches eine Spannfeder hat und in den Mund gesteckt wird, um ein Dauerlächeln zu erzeugen. Die Zähne werden gezeigt und der Mund zieht sich zu einer Grimasse. Das übertriebene Lächeln, das "oversmiling" - die Triebfeder der Marktwirtschaft - wird mit dem kleinen Instrument lächerlich gemacht.

Christian Möller greift dies mit seiner Videoinstallation "Cheese" auf: Er hat sechs Schauspielerinnen beauftragt, so lange wie möglich ein Lächeln aufzusetzen. Über anderthalb Stunden filmt er die Schauspielerinnen, die erschöpft von dem Dauerlächeln immer wieder ihre Gesichtsmuskeln entspannen müssen. Ein Emotionserkennungssystem der "Machine Perception Laboratories" von der University of California in San Diego erfasst das Lächeln mit einem Gradmesser. Sobald das Lächeln nachlässt, wird Alarm ausgelöst.

Das Erdloch und der Denker

Transmediale - Nam June Paik

Nam June Paik: "Der Denker-TV Rodin" (1978)

Agnes Meyer-Brandis hat im Garten der Berliner Akademie der Künste ein 120 Meter tiefes Erdloch gebohrt. Sie lässt eine Sonde, die sie mit den Fingerspitzen steuert, in die tiefen Erdschichten hinab, um Bilder und Klänge der Unterwelt via Monitor und Kopfhörer einzufangen. Die Künstlerin möchte etwas über die Unterwelt in Erfahrung bringen und forscht nach unbekannten Lebewesen und Gesteinen. Die "SGM- Eisberg Sonde" deckt humorvoll die Mythen der Weltraumeroberung und ihre Darstellung im Film, auf. Sie ist eine Performance und Installation gleichermaßen und gehört zur so genannten "Vertigo-Technology".

Mit seiner Skulptur "Der Denker - TV Rodin" hat Nam June Paik bereits 1978 für viel Aufsehen gesorgt. Eine Miniaturreplikation von Rodins Skulptur "Der Denker" wird von einer Videokamera gefilmt und auf einen Fernsehbildschirm übertragen. "Der Denker" beobachtet sich also selbst. Es geschieht aber rein gar nichts, das Fernsehbild bleibt starr. "I make technology ridiculous - ich mache die Technologie lächerlich" sagte Nam June Paik. Er nannte sich selbst einen "Techno-Idioten". Wahrscheinlich hatte er deshalb die Angewohnheit, elektronische Maschinen in ihren Grundbestandteilen zu überprüfen und zu manipulieren. Er blockierte damit ihre Möglichkeiten zur Veränderung.

Jadranka Kursar

Die Ausstellung " Smile Machines" des International Media Art Festivals Berlin "Transmediale" zeigt noch bis bis 19.2.2006 künstlerische Werke der letzten vier Jahrzehnte. Die Kuratorin Anne Marie Duguet ist seit den 1970er Jahren Professorin im Fachbereich Kunst an der Universität Paris.

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