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Wirtschaft

Smartphones und schmutzige Wäsche

Die schöne neue Mobilfunkwelt - auf der weltweit größten Mobilfunkmesse in Barcelona zeigen die Aussteller, was mit kleinen Geräten alles möglich ist - und was Smartphones mit schmutziger Wäsche zu tun haben.

Ein Smartphone ist auf eine Waschmaschine gerichtet (Foto: DW)

Eine Smartphone-Software des Fraunhofer Instituts erkennt den Energieverbrauch von Elektrogeräten

Kongress-Gelände vom Mobile World Congress 2010 in Barcelona (Foto: DW)

Auf dem Weg zum Mobile World Congress in Barcelona

Ultraschnelle Netze werden in nicht allzu ferner Zukunft die Welt der mobilen Telefonie verändern. Ich wollte erfahren, wie das aussehen kann und habe mich auf den Weg nach Barcelona gemacht zum World Mobile Congress. Hier treffe ich auf Markus Eisenhauer vom Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnologie und schafft es tatsächlich, einen Zusammenhang herzustellen, zwischen meiner schmutzigen Wäsche, Mobilfunk und Umweltschutz.

Smartphone hilft beim Energiesparen

"Es gibt eine Anwendung, die auf zwei verschiedenen Smartphones läuft," erklärt mir Markus Eisenhauser, richtet dabei die Kamera seines Mobiltelefones auf eine Waschmaschine und - wie von Zauberhand - informiert uns das Telefon, wie viel Energie die Maschine momentan, aber auch im Durchschnitt pro Jahr verbraucht. "Sie können die Kamera des Smartphones anmachen, sich damit Gegenstände in ihrem Haushalt anschauen und bekommen dann in Echtzeit den Energieverbrauch dieser Geräte eingespielt."

Ich brauche also nur ein kleines Gerät, das zwischen Stecker und Steckdose sitzt und die Software des Fraunhofer-Instituts und schon kann ich meine Waschmaschine auf frischer Tat ertappen, wenn sie zuviel Strom verbraucht. Dabei soll es aber nicht bleiben. Wenn eines Tages Strom nicht zu jeder Zeit gleich viel kostet, kann ich mit dem schlauen Handy meine Waschmaschine dann starten, wenn es grade viel Strom gibt und er billig ist. Geht es nach dem Willen von Eisenhauer, dann können sich Smartphone-Besitzer diese Anwendung eines Tages einfach auf ihr Smartphone übertragen und mit der Kontrolle ihrer Waschmaschinen loslegen.

Ein Mann telefoniert auf dem Mobile World Congress in Barcelona mit seinem Handy (Foto: AP)

Schöne neue Mobilfunkwelt - zu finden in Barcelona

Hybrid-Telefone aus Japan

Solar-Hybrid-Telefon des japanischen Telekommunikationsriesen NT Docomo (Foto: DW)

Hybrid nicht nur im Auto: Solar-Hybrid-Telefon von NT Docomo

Auch in anderen Teilen der Welt kümmert man sich um die Umwelt. Eine Halle weitere treffe ich am Stand des japanischen Telekommunikationsriesen NT Docomo eine hübsche Hostess, die mir erklärt, das nicht nur Autokonzerne auf Hybridtechnik setzen, um die Umwelt zu schonen. "Das ist das Solar-Hybrid-Telefon von NT Docomo. Es hat eine Solarzelle auf dem Deckel und ist mit einem normalen Batteriesystem kombiniert." Wenn es zehn Minuten lang Sonne tanken darf, kann man immerhin eine Minute telefonieren.

Neue Anwendungen dank schnellerer Übertragung

Die neuen Smartphones und ihre Anwendungen sind nur möglich, wenn in Zukunft auch die Übertragung der Daten wesentlich schneller funktioniert. Das Zauberwort dafür ist LTE. Bisher war UMTS das Schnellste, was mir als Handynutzer zur Verfügung stand. Es sei denn, ich bin gerade zufällig in Oslo oder Stockholm. Dort gibt es nämlich bereits LTE, und dort kann ich Daten statt mit den üblichen 3 Megabit pro Sekunde mit einem Vielfachen, nämlich 100 Megabit pro Sekunde von meinem Smartphone in die Welt jagen. Das heißt: egal, wo ich gerade bin, mit meinem Telefon kann ich permanent im Internet surfen, unterwegs in hoher Qualität fernsehen oder auch beim Bus fahren meinem Gesprächspartner per Video in die Augen schauen.

Miteinander sprechen, als säße man in einem Raum

Wenn so viele Daten so schnell fließen, dann lässt sich natürlich auch die Qualität der Sprache verbessern, und Funklöcher gehören der Vergangenheit an. "Hallo, hallo, ich verstehe grade nichts mehr." Mit solchen 'Notlösungen' kann ich mich in der LTE-Zukunft nicht mehr aus der Affäre ziehen, wenn das Gespräch mal unangenehm wird. Mit der Sprachqualität haben sich die Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts ebenfalls auseinandergesetzt.

Am Stand des Fraunhofer Instituts beim Mobile World Congress in Barcelona (Foto: DW)

Forscher des Fraunhofer Instituts verbessern die Sprachqualität beim Telefonieren

An ihrem Messestand haben sie zwei Räume aufgebaut. Der eine stellt ein Fahrzeug dar, der andere einen Büroraum. "Diese beiden Räume haben wir verbunden über LTE und über die Audio Communication Engine des Fraunhofer-Instituts", erklärt Mathias Rose. Als der Herr im Büro anfängt zu sprechen, denke ich im ersten Augenblick: Die haben vergessen die Tür zuzumachen! Haben sie aber nicht! LTE sei Dank. "Und dafür haben wir die entsprechenden Technologien entwickelt", sagt Rose stolz. "Also zum einen die Audio-Technologien, um die Sprache gut zu komprimieren und in hoher Qualität übertragen zu können und dann auch die LTE Übertragungstechnologie, die dahinter steckt."

"Viele Netzbetreiber werden die LTE-Technik in den nächsten 12, 25, 36 Monaten einführen", erklärt mir etwas später Dan Worren vom weltweiten Branchenverband des Mobilfunks, GSMA. Allerdings sind die schnellen Netze vorerst für die Übertragung von Daten reserviert - auf hohe Sprachqualität beim Telefonieren muss ich also doch noch eine Weile warten. Das macht mich aber in gewisser Hinsicht nicht traurig - so habe ich noch etwas Zeit, mir eine neue Strategie bei ungeliebten Gesprächsthemen auszudenken.

Autorin: Insa Wrede
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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