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Wirtschaft

Smartphones treiben mobiles Internet an

"Schlaue Mobiltelefone", sogenannte Smartphones werden immer beliebter. Was sie schon und was sie bald können, kann man auf der weltweit größten Mobilfunkmesse in Barcelona lernen.

Samsungs Direktor für Portfolio Management Thomas Richter auf dem Mobile World Congress (Foto: apn)

Samsungs Direktor für Portfolio Management Thomas Richter auf dem Mobile World Congress

Sony Ericssons Marketing-Chef Lennard Hoornik (Foto: apn)

Auch Sony Ericssons Marketing-Chef Lennard Hoornik mischt in Barcelona mit

Die Zeiten, in denen man mit seinem Handy einfach nur telefonierte, sind schon lange vorbei. Vor allem in den Industrieländern sind die Märkte für Mobiletelefone relativ gesättigt. Das Schlüsselwort für weiteres Wachstum heißt daher: Mobiles Internet, also die Möglichkeit, jederzeit die schöne, bunte Welt des Internets besuchen zu können. Möglich wird das durch sogenannte Smartphones, die inzwischen immer mehr Handynutzer begeistern. Beispielsweise kann man mit ihrer Hilfe unterwegs seine E-Mail Konten abrufen, Online die Nachrichten oder Staumeldungen lesen, Landkarten vom aktuellen Standort runterladen oder einfach mit seinen Freunden in sozialen Netzwerken chatten.

Was die Smartphones schon können und was sie in der Zukunft sonst noch so zu bieten haben, kann man auf dem World Mobile Congress in Barcelona erfahren. Hier trifft sich seit Montag (14.02.2010) Groß und Klein aus der Mobilfunkbranche. Insgesamt 1300 Aussteller erwarten rund 50.000 Fachbesucher. Es geht um einen riesigen potentiellen Markt: Allein in Deutschland wurden 2009 rund 5,6 Millionen dieser "schlauen Telefone" verkauft. Für dieses Jahr erwartet der Verband der ITK-Branche (Bitkom), dass jedes dritte verkaufte Handy ein solches Multimedia Handy sein wird. Das würde einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro entsprechen. Europaweit werden knapp 35 Milliarden Euro in diesem Jahr mit mobilen Datendiensten umgesetzt.

Wettrennen um Marktführerschaft

DW-Grafik: Peter Steinmetz 2010_02_11-Smartphones-im-Aufwind

Smartphones im Aufwind

Auf diesem Markt kämpfen mehrere große Konzern um die Vorherrschaft. Vor allem rangeln die vier Großen der Informations- und Kommunikationsbranche um die Macht: Da sind zum einen der finnische Nokia-Konzern, bekannt als Handyhersteller, und die amerikanische Softwareschmiede Microsoft. In den Markt drängt aber auch der Suchmaschinen-Gigant Google, der wie eine Krake immer weitere Geschäftsbereiche erobert und ebenfalls ein Smartphone zum Verkauf anbietet. Und natürlich ist auch der Computerhersteller Apple ganz vorne mit dabei. Apple konnte mit seinem iPhone große Marktanteile für sich gewinnen und hat bereits mehr als 42 Millionen iPhones weltweit verkauft.

Ein wesentlicher Grund für den Erfolg des iPhones von Apple ist, dass man es – wie auch die anderen Produkte des Konzerns – kinderleicht bedienen kann. Es müssen also keine bibeldicken Gebrauchsanweisungen gelesen werden. Außerdem hatte Apple etwas erfunden, was es so noch nicht gab: Handy-Anwendungen, auch Applikationen oder kurz Apps genannt. Apps sind kleine Programme, mit denen man sein Smartphone individuell einrichten kann.

Ein iPhone lugt aus einer Gesäßtasche (Foto: DW)

Immer noch der Renner: Das iPhone von Apple

Unter den 200.000 Anwendungen, die es im AppStore von Apple bereits gibt, sind beispielsweise Spiele, Navigationssoftware oder Programme zur Nachrichtenlektüre. Und: Das Ganze ist nicht teuer: Viele Apps kosten gar nichts, andere sind bereits für wenige Euro im Monat zu haben. Nach Schätzungen ist der Markt mit Applikationen weltweit über sechs Milliarden Dollar schwer und soll bis 2013 auf 30 Milliarden anwachsen.

Gegenangriff auf Apple

Zwar bieten auch andere Anbieter Applikationen an. Wer sich ein neues Handy kauft, legt sich bislang aber gleichzeitig auf ein bestimmtes Downloadportal fest. Und auch die Entwickler der Apps müssen sich entscheiden, mit welchem Hersteller sie zusammenarbeiten wollen. Die Folge: Einige erfolgreiche Plattformen bekommen ständig neue Apps, andere keine und gehen unter. So ist es kein Wunder, dass eine Initiative von mehreren internationalen Netzbetreibern auf dem Mobile World Congress dem ein Ende setzen will. Ihr Ziel: Sie wollen ein weltweit einheitliches und plattformübergreifendes Apps-Portal schaffen. Unter ihnen der amerikanische Konzern AT&T, NT Docomo aus Japan, Telefonica aus Spanien. Auch wenn offiziell Apple eingeladen wird, daran teilzunehmen, ist es doch der Gegenangriff auf die erfolgreichen AppStores des Platzhirschen mit dem Apfel-Logo.

Neue Netze für permanentes mobiles Internet

Google schickt das Nexus One phone ins Rennen (Foto: dpa)

Google schickt das Nexus One phone ins Rennen

Die besten Smartphones nützen jedoch nichts, wenn die Übertragungsnetze zu langsam sind. Und so geht es in Barcelona auch um die vierte Generation der Mobilfunknetze, um die sogenannte Long Term Evolution, kurz LTE. Während beim in den Industrieländern üblichen UMTS-Standard Daten im Umfang von rund drei Megabit pro Sekunde übertragen werden können, sollen mit LTE bis zu 100 Megabit pro Sekunde übertragen werden. So ist es möglich, dass Handys ununterbrochen im Internet sein können. Dadurch werden wiederum Services wie mobile Videokonferenzen möglich, oder man kann unterwegs Fernsehen mit hoher Auflösung anschauen.

Besonders in Deutschland ist dieses Thema heiß. Ab April werden hier neue Mobilfunkfrequenzen von der Bundesnetzagentur versteigert. Anders als bei dem Verkauf der UMTS-Frequenzen, soll die Handygemeinde aber nicht Jahre auf die Nutzung der neuen LTE Netze warten. Getestet wurde die Technik bereits: In Stockholm und Oslo gibt es schon erste Netze. Wie schnell auch immer das mobile Internet wird – auf jeden Fall ist es für die Bundesregierung ist ein willkommener Geldsegen in Zeiten knapper Kassen.

Autor: Insa Wrede, zur Zeit Barcelona
Redaktion: Martin Schrader

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