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Wirtschaft

Smartphones - der Spion in der Tasche?

Smartphones boomen. Sie sind mobile Kommunikationszentrale, Statussymbol, Photoalbum und Musiksammlung. Kurz: Sie sind große Datenspeicher mit ständiger Internetverbindung. Das macht die Spaßgeräte zum Angriffsziel.

Über einem Nullen und Einsen als Programmcode anzeigenden Monitor schwebt ein rotes Auge. URL http://de.fotolia.com/id/23658900 Kobes - Fotolia.com

Smartphones sind nicht nur digitale Alleskönner, sondern auch Einfallstor für Datendiebe

Das World Wide Web ist gerade mal gut 20 Jahre alt. Und lernt noch laufen. Jedenfalls ist der unübersehbare Trend der letzten Jahre: Das Internet wird mobil. Seit vor etwa vier Jahren das iPhone auf dem Markt kam, spielen Smartphones dabei die entscheidende Rolle. BITKOM, der Verband der deutschen IT-Branche rechnet für 2011 mit einer Steigerung des Smartphone Absatzes um rund 40 Prozent. Diese digitalen Alleskönner sind aber auch ein Sicherheitsrisiko. Das meint jedenfalls Lothar Mackert, Vizepräsident bei IBM Deutschland zuständig für die Sicherheit der Endgeräte: "Vor zehn Jahren hat man ein Handy wirklich zum Telefonieren benutzt. Heute ist es ihr ständiger Begleiter, ihr Kontrollzentrum, ihre Steuerzentrale." Mackerts Fazit: Je intelligenter die Endgeräte werden, desto mehr Lücken haben sie. Und weil die Zahl der Smartphones so enorm wächst, "wird es eine riesige Herausforderung, dort die richtigen Technologien zu finden, das zu schützen", so Mackert.

Kommunikationsmeister mit Sicherheitslücken

Marco Di Filippo Mai 2011 Matthias von Hein Marco Di Filippo, Regional Director Germany von Compass Security BU: Sicherheitsexperte Di Filippo kennt die Schwachstellen der Smartphones

Kennt die Schwachstellen der Smartphones: Marco Di Filippo

Marco Di Filippo, bei einem Schweizer Sicherheitsunternehmen für Deutschland zuständig, pflichtet dem IBM-Experten bei. Was den Schutz von Smartphones so schwierig macht: Sie sind als Kommunikationsmeister mit vielen Schnittstellen ausgestattet. Di Filippo zählt auf: "Sie haben bluetooth als Schnittstelle. Sie haben W-Lan. Sie haben das normale GSM Netz. Sie haben dann die USB-Schnittstelle. Sie kommunizieren mit Ihrem Rechner. Sie bewegen sich im Internet. Sie bewegen sich im Telefonnetz. Also sie haben eine Vielzahl von Schnittstellen, die sie nutzen." Und jede dieser Schnittstellen bietet Schwachstellen für Angreifer.

Interessant sind die Hochleistungscomputer mit Telefonfunktion für Angreifer aus mehreren Gründen. Auf Smartphones sind massenhaft Daten gespeichert, vermehrt auch sensible wie e-mails, Passwörter, Kontaktdaten, Notizen, Geschäftdokumente. Für Wirtschaftsspione hoch interessant. Cyberkriminelle können Smartphones über das Einschleusen von Trojanern in Botnetzen nutzen. Gegenüber ferngesteuerten PC´s haben sie sogar den Vorteil, permanent online zu sein. Smartphones können damit zum Versenden von SPAM, SMS oder auch für DDOS-Angriffe missbraucht werden, also die gezielte Überlastung eines Servers durch eine Unmenge von Anfragen. Michael Hange, Präsident des Bonner Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, hat bereits Attacken auf solche Smartphones beobachtet. "Wir sehen hier kriminelle Energie im Hintergrund. Wenn ein Smartphone übernommen worden ist, bedeutet das nicht nur das Auslesen der Daten, der emails, sondern Mithören der Gespräche; auch Kenntnisnahme der Kontaktdaten, auch verfolgen, wo man sich gerade befindet."

Einfallstor Apps

Das HTC Desire Smartphone in der Hand eines Benutzers. (Foto: Peter Steffen dpa )

Können fast alles - auch spionieren: Smartphones

Sicherheitsberater Di Filippo rät deshalb zur Vorsicht. Sein wichtigster Grundsatz: "Das Endgerät niemals, niemals einfach unbeaufsichtigt liegen lassen!" Der Besitzer sollte auch einen Passcode haben, der vor der Nutzung abgefragt wird. Privat hat der Sicherheitsexperte Di Filippo sein Smartphone ausserdem so eingestellt, dass nach zehn Fehlversuchen bei der Passwortabfrage alle Daten gelöscht werden.

Was die Smartphones so beliebt macht, ist unter anderem das Herunterladen von Apps, kleinen Programmen für alle Lebenslagen. Aber genau die sind ein großes Einfallstor für Schadsoftware. Selbst in den von den Herstellern betriebenen Märkten tauchen gelegentlich Apps mit Trojanern verseuchte Applikationen auf. Dazu kommt: Viele Apps verletzen die Privatsphäre. Das gilt speziell für werbefinanzierte Apps. Die sind inzwischen häufig lukrativer als solche, für die Lizenzgebühren fällig werden. Die Werbeeinblendungen werden häufig von eigens beauftragten Bibliotheken gesendet. Manche von denen greifen für standortbezogene Werbung auf die Positionsdaten zu. Andere durchforsten die Smartphones auf der Suche nach persönlichen Daten und leiten diese dann weiter. Schließlich sind Nutzerdaten bares Geld wert. Weil man mit ihnen Werbung passgenau zuschneiden kann. Deshalb raten Experten zur App-Askese: Nur die wirklich notwendigen Apps gehören aufs Smartphone. Und auch bei denen sollte man sich die Anbieter genau anschauen.

Autor: Matthias von Hein
Redaktion: Sonila Sand

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