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Wissen & Umwelt

Smart-Helm schützt Radfahrer im Straßenverkehr

Fahrradhelme sind die beste Möglichkeit, um Kopfverletzungen vorzubeugen. Ein neuer, intelligenter Helm könnte Unfälle nun schon im Voraus verhindern. Klas Bendrik von Volvo verrät mehr über den Wunderhelm.

Bis zu 3000 Radfahrer sterben jedes Jahr in der Europäischen Union. In den Vereinigten Staaten kommt es zu 50.000 Unfällen - bei denen Radfahrer entweder verletzt werden, oder die sogar tödlich enden.

Der schwedische Autoproduzent Volvo arbeitet an einer Technologie, die Fahrradhelme mit Autos in der Cloud verbindet. Die Erfindung wird in dieser Woche auf der

Consumer Electronics Show in Las Vegas

vorgestellt. Wir wollen von Klas Bendrik, Mediendirektor von Volvo, wissen, ob dieser Helm das Potenzial hat, die Sicherheit für Radfahrer zu revolutionieren.

DW: Erst einmal, wie genau funktioniert diese Technologie?

Klas Bendrik: Wir nutzen die Volvo Cloud, Bluetooth, Smart Phones und die App "Strava". Innerhalb dieses Systems stellen wir dann Verbindungen zwischen den Helmen und Autofahrern her, um Licht- und Geräuschsignale sowie Vibrationen zu übertragen - also Alarmsignale, die vor einer möglichen Gefahr warnen.

Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, wird dann jedes Mal ein Alarm ausgelöst, wenn ein Auto dicht an mir vorbeifährt? Das könnte doch auch zu Unfällen führen - also wenn mein Helm anfängt zu blinken und ich abgelenkt werde, könnte ich irgendwo gegen fahren. Fließt das in Ihre Planungen mit ein?

Klas Bendrik. (Foto: Volvo)

Klas Bendrik

Ja, das haben wir bedacht. In einem innerstädtischen Umfeld mit vielen Autos und anderen Verkehrsteilnehmern werden viele Informationen übertragen. Deswegen möchten wir auch unsere Fahrzeug-Cloud nutzen - so können wir austarieren, welche Art von Nachricht wann verschickt werden muss. Natürlich dürfen nur relevante Informationen kommuniziert werden, und zwar nur dann, wenn es nötig ist - nicht die ganze Zeit.

In Europa und gerade auch in Deutschland stellt sich die Frage nach Privatsphäre und Datenschutz. Die Menschen dort mögen es nicht, wenn ihre Informationen in der Cloud oder anderswo gespeichert werden. Wie gehen Sie damit um?

Einer der wichtigsten Werte bei Volvo ist Sicherheit. Und das gilt für uns genauso bei Datensicherheit und, wie in diesem Fall, Privatsphäre. Alle Daten, die von einem Volvo oder einem Volvo-Fahrer gespeichert werden, gehören dem Kunden selbst. Um die Daten anderswo zu verwenden, bedarf es einer aktiven Entscheidung und Benachrichtigung.

Einer der Trends in der virtuellen Welt ist das "Internet der Dinge", also die Verbindungen zwischen Dingen und Menschen. Ist dies ein weiterer Schritt in diese Richtung?

Ursprünglich ging es uns darum, das Auto für Fahrer und Mitfahrer sicherer zu machen. Der nächste Schritt war, den Fahrer aktiv in Punkto Sicherheit zu unterstützen, zum Beispiel in dem das Auto voll automatisch bremsen kann. Jetzt führen wir das ganze eben noch ein Stück weiter, ins Internet der Dinge, so dass wir sozusagen die Ungeschützten, wie Fußgänger oder Radfahrer, schützen können.

Vollautomatisches Bremsen?

Ja, das wird zur City-Safety-Standard-Ausstattung gehören. Das Auto wird automatisch bremsen, wenn beispielsweise ein Zusammenstoß mit einem Fahrradfahrer unmittelbar bevorsteht.

Wenn ich also die Straße entlang radle und ein Auto auf mich zugerast kommt, dann kann der Wagen selbst in die Eisen gehen und einen Unfall vermeiden?

Genau. Man kann es so erklären: ein Radarsystem und Kameras im Auto behalten die verschiedenen Objekte im Straßenverkehr im Auge. Wenn ein Zusammenstoß droht und das System bemerkt, dass der Fahrer nicht mehr rechtzeitig reagieren wird, kann das Auto selbst eine Vollbremsung machen, um Fußgänger oder Radfahrer zu schützen.

Straßenverkehrsszene mit Autos und Radfahrern. (Foto: Volvo/ POC)

Das System muss im Straßenverkehr zwischen normalen Situationen und potenziellen Unfällen unterscheiden

Das ganze funktioniert aber nur mit Ihrem System, oder?

Momentan ja. Wir entwickeln ja die erste Technologie der Welt, die Autos mit anderen Verkehrsteilnehmern verbindet - in diesem Fall mit Fahrradfahrern. Dafür arbeiten wir mit Ericsson zusammen, die uns die Cloud Technologie zur Verfügung stellen, und mit POC, einem schwedischen Sportbekleidungshersteller.

Gibt es Überlegungen, diese Technologie auch mit einem Open-Source-System zur Verfügung zu stellen?

Zunächst möchten wir diese Technologie erst noch weiter entwickeln, bevor wir auf regionaler, nationaler und globaler Ebene Maßstäbe setzen. In Zukunft kann ich mir aber sehr gut vorstellen, dass diese Technik auf die eine oder andere Weise auch in breiterem Rahmen verfügbar sein wird.

Eine erste Version des smarten Fahrradhelms bringt Volvo im Frühjahr heraus.

Klas Bendrik ist Mediendirektor des schwedischen Autokonzerns Volvo.

Das Interview führte Sonya Diehn.

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