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Ostmitteleuropa

Slowakischer Abgeordneter ruft in Budapest zur Einigung des ungarischen Volkes auf

– Bratislava protestiert

Köln, 15.4.2002, SME, NARODNA OBRODA,TASR, HOSPODARSKE NOVINY, PRAVDA, PRACA

SME, slowak., 15.4.2002

Auf einer Wahl-Großkundgebung der konservativen Jungdemokraten (FIDESZ) des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban in Budapest ist am Samstag (13.4.) mit einem Grußwort auch der stellvertretende Vorsitzende der slowakischen Ungarnpartei (SMK), Miklos Duray, aufgetreten.

"Felvidek (die Slowakei – MD) ist mit euch, Felvidek unterstützt dich, Viktor", erklärte der slowakische Abgeordnete und fügte ergänzend hinzu, wie es Ungarn gehe, so gehe es auch dem ganzen karpatischen Tiefland. Des Weiteren rief der slowakische Politiker zur Einigung des ungarischen Volkes auf. (...)

Ungarns Premier Orban setzte seine nationalistische Rhetorik auch fort, als er auf einer Pressekonferenz vor der Massenkundgebung versuchte, die Unterschiede zwischen seiner Partei und der sozialistischen Opposition hervorzuheben.

(Orban) "Wir unterscheiden uns wesentlich in der Auffassung von Heimat. Unsere Heimat ist das karpatische Tiefland, die Gemeinschaft von nicht zehn, sondern eher von 14 bis 15 Millionen Magyaren", sagte Orban. (...) (Ungarn hat zehn Millionen Einwohner – MD) (ykk)

NARODNA OBRODA, slowak., 15.4.2002

(...) Mit dem Begriff "Felvidek" werden im Ungarischen das Oberungarn aus den Zeiten der k.u.k. Monarchie (das heißt die slowakischen Gebiete des damaligen Ungarn) und die heutige Slowakei bezeichnet. (...) (ykk)

TASR, slowak., 15.4.2002

Die slowakische Nationalpartei (SNS) fordert die slowakische Ungarnpartei (SMK) auf, sich öffentlich von den in Budapest präsentierten Äußerungen des SMK-Vizevorsitzenden Miklos Duray zu distanzieren.

Die SNS protestiere auch gegen die Erklärungen des ungarischen Premiers Viktor Orban über eine Ausdehnung der ungarischen Heimat auf das gesamte karpatische Tiefland sowie über die Wiedervereinigung der Ungarn außerhalb der ungarischen Grenzen. So heißt es in einer Stellungnahme des Außenexperten und SNS-Vizevorsitzenden Peter Sulovsky. Sulovsky weist mahnend darauf hin, dass eine ähnliche Rhetorik und sich darauf stützende Politik in Europa zu ernsthaften Konflikten mit tragischen Folgen geführt hätten. (...) (ykk)

SME, slowak., 15.4.2002

Der Abgeordnete des slowakischen Parlaments Miklos Duray (SMK) sollte sein Mandat niederlegen, sagte der slowakische Landwirtschaftsminister und Parteichef der slowakischen Demokratischen Linken (SDL), Pavol Koncos, im Zusammengang mit Durays Äußerungen über "Felvidek" auf Wahlkundgebungen des ungarischen Premiers Orban in Budapest. (...) Die Äußerungen des Abgeordneten Duray stellen nach Auffassung von Koncos eine tiefe Beleidigung für die slowakischen Bürger dar. (...) Zu Ungarns Premier Orban sagte Koncos, die Arroganz seiner Rhetorik im Wahlkampf überschreite alle Grenzen der elementaren politischen Anständigkeit sowie alle Grenzen der guten nachbarschaftlichen Beziehungen. (ykk)

HOSPODARSKE NOVINY, slowak. 15.4.2002

(...) Der Sprecher des slowakischen Außenministeriums Boris Gandel hat Einwände gegen den Gebrauch des Begriffes "Felvidek" erhoben. "Es existiert nur die Slowakei, kein Felvidek. Die Slowakei betrachtet die ungarischen Parlamentswahlen als eine innere Angelegenheit Ungarns", sagte er im Slowakischer Rundfunk. (...) (ykk)

PRAVDA, slowak., 16.4.2002

Die Äußerungen des slowakischen Abgeordneten Miklos Duray auf der FIDESZ-Wahlkundgebung (13.4.) in Budapest hat der Vorsitzende des Außenausschusses im slowakischen Parlament, Peter Weiss, als Bestreben verurteilt, Mittelosteuropa zu destabilisieren. Unterstützung für die Idee des großungarischen Nationalismus, die derzeit Ungarns Premier Orban durchzusetzen versucht, wirke sich negativ auf die zwischenstaatlichen Beziehungen zwischen Ungarn und der Slowakei aus.

Eine Politik, die eine gemeinsame Heimat für 15 Millionen Magyaren schaffen will, stelle eine Ermunterung für den Nationalismus auch in anderen Ecken von Europa dar, sagte Weiss. Duray habe mit seiner Äußerung, die Slowakei sei eine Provinz von Großungarn, die Slowaken beleidigt. Gleichzeitig habe er seiner eigenen Partei, der slowakischen Ungarnpartei (SMK), die nach wir vor an der Regierung Dzurinda beteiligt ist, Schaden zugefügt. (...)

Die slowakische Partei Smer/Richtung sieht im Auftritt Durays in Budapest "einen weiteren Beweis für die antislowakische und destabilisierende Politik der höchsten Vertreter der slowakischen Ungarnpartei SMK. (...)

Das ungarische Wort "Felvidek" bedeutet Oberungarn, das heißt die Slowakei als Bestandteil von Großungarn. (ykk)

PRACA, slowak. 16.4.2002

(...) Der Vizevorsitzende der slowakischen christdemokratischen Partei (KDH) Daniel Lipsic hat die von SMK-Vizevorsitzenden Duray in Budapest dargelegten Äußerungen als "skandalös" bezeichnet. Die SMK solle dazu klare Stellung beziehen, denn die Erklärungen eines ihrer Spitzenvertreter seien überhaupt nicht im Einklang mit der Politik dieser Koalitionspartei. (...)

In einem Interview für diese Zeitung hatte Miklos Duray unlängst gesagt, er hätte bei den Vorbereitungen für das Statusgesetz über Auslandsungarn in Budapest assistiert, weil er sich als Ungar fühle. (...) Duray ist jedoch nicht nur einer von Tausenden der SMK-Mitglieder, wie der SMK-Chef Bela Bugar sein Verhalten zu begründen versucht. Duray ist nach wie vor der Vizeparteichef der regierenden SMK, die als seriöser und potentieller Koalitionspartner (...) auch für die Zeit nach den Septemberwahlen gehalten wird.

Auf der Europa-Karte gibt es schon seit Jahrzehnten weder ein Oberungarn/ungarisch: "Felvidek" noch eine Hauptstadt mit dem Namen "Pozsony" (wie in der k.u.k Monarchie die slowakische Hauptstadt Bratislava auf ungarisch genannt wurde – MD). Damit müssen sich sowohl Viktor Orban als auch Miklos Duray und seine SMK-Anhänger abfinden. (...) (ykk)

  • Datum 16.04.2002
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