Slopestyle: Unverantwortliche Windlotterie | Sport | DW | 12.02.2018
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Olympische Winterspiele

Slopestyle: Unverantwortliche Windlotterie

Starke Windböen werden einigen Snowboarderinnen zum Verhängnis. Die Organisatoren müssen sich fragen lassen, warum der Wettbewerb bei diesen Bedingungen überhaupt gestartet wurde.

Sturz der Japanerin Yuka Fujimori. Foto: Reuters

Sturz der Japanerin Yuka Fujimori. Foto: Reuters

Am deutlichsten wurde die Norwegerin Silje Norendal. "Ich hatte Angst um mein Leben", sagte die 24 Jahre alte Snowboarderin aus Norwegen nach dem Slopestyle-Wettbewerb. "Ich wollte mich einfach da oben nur noch hinsetzen und weinen. Mein Körper hat zwei Stunden lang gezittert, weil ich Angst hatte zu fahren". Norendal startete doch und wurde Vierte. Starke Windböen sorgten vor allem bei den hohen Sprüngen ein kaum kalkulierbares Risiko, mehrere Snowboarderinnen verletzten sich bei Stürzen.

Olympia-Aus für Mittermüller

Olympische Winterspiele 2018 in PyeongChang | Slopestyle -Frauen (Reuters/M. Blake)

Silvia Mittermüller muss operiert werden

Am schlimmsten erwischte es Silvia Mittermüller. Die Deutsche stürzte beim letzten Trainingslauf vor dem Wettbewerb schwer und zog sich einen Meniskuseinriss im rechten Knie zu. Sie muss operiert werden. Für die 33-Jährige sind die Olympischen Spiele damit beendet. "Ich bin nach Südkorea gekommen, um Olympia mit allen Sinnen aufzusaugen und alles zu geben", sagte Mittermüller. "Das habe ich trotz der herausfordernden und gefährlichen Bedingungen heute probiert und dafür bezahlt. Mich hat eine Windböe erwischt. Dadurch bin ich zu kurz gekommen und voll eingeschlagen." 

"Segelboot unter dem Board"

Auch die Britin Aimee Fuller stürzte in ihrem zweiten Lauf schwer. "Ich hatte die richtige Geschwindigkeit, aber als ich dann in der Luft war, fühlte es sich an, als ob ich ein Segelboot unter meinem Board gehabt hätte", sagte die 26-Jährige. Viele Snowboarderinnen kritisierten die Entscheidung der Organisatoren, den Wettbewerb unter diesen Windbedingungen überhaupt gestartet zu haben. "Es war ziemlich gefährlich", sagte Bronzemedaillen-Gewinnerin Enni Rukajärvi aus Finnland. "Man wusste nicht, was einen erwartet. Sie hätten es absagen oder verschieben sollen."

Olympische Winterspiele 2018 in PyeongChang | Slopestyle -Frauen (Reuters/M. Blake)

Auch die Britin Aimie Fuller stürzte nach einem vom Winde verwehten Sprung

Überredete die spätere Olympiasiegerin ihre Mitstreiterinnen?

Dieser Meinung war auch die Österreicherin Anna Gasser, die als Mitfavoritin galt, aber nur auf dem 15. Rang landete. "Es war schon sehr gefährlich, ich bin einfach froh, dass mir nichts passiert ist", sagte die 26-Jährige. "Ich bin nicht auf mich selbst böse, ich bin nur böse und enttäuscht, dass es unter den Verhältnissen durchgeführt wurde." Gasser warf der Siegerin Jamie Anderson aus den USA vor, die anderen überredet zu haben, an den Start zu gehen: "Alle Mädels wollten, dass es verschoben wird, außer ihr, weil sie wusste, dass sie bei solchen Verhältnissen einen Sicherheitsrun machen kann." Anderson bestritt, dass es diese Diskussionen gegeben habe.

IOC: Skiverband ist verantwortlich

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erklärte, die Sicherheit der Athleten habe oberste Priorität, und gab den "Schwarzen Peter" an den Fachverband ab: "Der Wettbewerb wird vom Internationalen Skiverband (FIS) durchgeführt", sagte IOC-Sprecher Mark Adams. "Sie kennen ihre Athleten und wissen, unter welchen Bedingungen sie starten können." Warum der Slopestyle-Wettbewerb ausgetragen wurde, bleibt das Geheimnis der FIS. Bei den alpinen Skirennen entschied der Verband anders: Sowohl die Abfahrt der Männer, als auch der Riesenslalom der Frauen wurden wegen der starken Windböen verschoben.

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