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Wirtschaft

Sklaverei in Thailands Fischindustrie

Zwangsarbeit und Gewalt soll es in Thailands Fischindustrie geben. Dieser Vorwurf wurde schon vor Jahren erhoben. Nach Streiks und Drohungen von Seiten der EU zahlt nun eine Thunfischfabrik Entschädigung.

Angesichts drohender internationaler Sanktionen sind in Thailand mehr als tausend Arbeiter einer Thunfischfabrik entschädigt worden. Das Unternehmen habe damit begonnen, rund 48 Millionen Baht (1,2 Millionen Euro) auszuzahlen, sagte ein Sprecher der Provinz Samut Sakhon am Dienstag. Die Provinz westlich von Bangkok ist ein Zentrum der thailändischen Fischindustrie.

Hunderte Arbeiter aus dem Nachbarland Myanmar hatten monatelang Entschädigung für ausbeuterische Beschäftigung gefordert. Nach einem Streik von tausend Arbeitern in der vergangenen Woche willigte das Unternehmen Golden Prize Tuna Canning in Verhandlungen unter Vermittlung der thailändischen Militärregierung ein.

Erstmals so hohe Entschädigungen gezahlt

Das Unternehmen, das in Samut Sakhon knapp 2000 Arbeiter beschäftigt und Fischkonserven in die ganze Welt liefert, wollte sich zu den Zahlungen nicht äußern. Der britische Arbeitsrechtler Andy Hall, der sich für die Beschäftigten eingesetzt hatte, sagte, die Androhung internationaler Sanktionen habe gewirkt. Derart hohe Entschädigungen seien noch nie gezahlt worden.

Bereits vor einem Monat hatte die thailändische Polizei mehr als hundert Menschen festgenommen. Sie stünden im Verdacht, gegen das Arbeitsrecht verstoßen und Menschenhandel betrieben zu haben, teilte die Polizei mit. Demnach befreiten die Beamten zudem 130 Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen auf Schiffen und in Fabriken arbeiten mussten.

Vorwurf: Menschenhandel und Sklaverei

Thailand ist der drittgrößte Produzent von Meeresprodukten weltweit. Die Branche geriet allerdings wegen Vorwürfen des Menschenhandels und der Sklaverei in Verruf. Menschenrechtsorganisationen werfen einigen Verantwortlichen vor, Bestechungsgelder zu kassieren, anstatt gegen die Verstöße vorzugehen. Mehrere Arbeiter berichteten von schrecklichen Arbeitsbedingungen, Gewalt und Morden an Bord der Schiffe.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hatte schon vor zwei Jahren massive Kritik an der thailändischen Fischindustrie geübt. Auch sie prangerte Zwangsarbeit und Gewalt an. Die Fischindustrie, darunter auch die lukrativen Fisch- und Shrimps-Farmen und der Verpackungssektor, machen 1,2 Prozent der thailändischen Wirtschaft aus.

Die Europäische Union hatte Thailand im vergangenen April mit Sanktionen gedroht, sollte das Land nicht gegen illegale Fischerei und Zwangsarbeit in der Branche vorgehen. Das von Brüssel eingeleitete Verfahren kann dazu führen, dass Produkte wie Thunfisch oder Garnelen aus Thailand nicht mehr in die EU geliefert werden dürfen. Für Thailand könnte das einen Verlust von einer Milliarde Dollar (923 Millionen Euro) im Jahr bedeuten.

iw/wen (afp)