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Fokus Osteuropa

Sklaverei in Kasachstan

Immer wieder werden Menschen in Zentralasien zur Zwangsarbeit verschleppt. Usbeken, denen die Flucht vor kasachischen Sklavenhaltern gelungen ist, berichten über ihren Leidensweg.

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Viele müssen unfreiwillig auf Baumwollfeldern arbeiten

Jedes Jahr werden bis zu vier Millionen Menschen Opfer von Menschenhandel. Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan gehören zu den Ländern, aus denen so genannte Sklaven stammen, die unter anderem auch nach Kasachstan geraten, wo Zwangsarbeit zunimmt. Die Sklavenhalter im Gebiet Süd-Kasachstan wissen, dass sie nicht verfolgt werden. Sie haben sogar damit begonnen, aus Usbekistan stammende Menschen in der Gefangenschaft mit Brandmalen zu versehen.

Brandmal am Fußgelenk

Die Migrations-Expertin der Nichtregierungsorganisation TONG, Walentina Tschupik, sagte der Deutschen Welle, in einem Fall handele es sich um mehr als 50 Einwohner aus dem Gebiet Namangan. "Die Menschen, die in Sklaverei gerieten, erhielten Brandmale. Das wird gemacht, um anhand der Brandmale Ausreißer besser finden zu können", erläuterte Walentina Tschupik. Die Brandmale befänden sich an der Innenseite des Fußgelenks und einige würden an das Zeichen der Automobilmarke Opel erinnern. Nach Angaben von Walentina Tschupik trugen 53 von 102 Menschen, denen die Flucht aus der Sklaverei gelungen war, Brandmale.

Opfer berichten

Die Opfer wurden im Bezirk Schardar im Gebiet Süd-Kasachstan festgehalten, wo sie vor allem zur Arbeit auf Baumwollfeldern gezwungen wurden. Batyr, ein 14jähriger Junge aus dem Dorf Jangi-Kurgan im Gebiet Namangan, berichtete, wie er verschleppt und zur Arbeit gezwungen wurde: "Es war natürlich sehr hart. Essen bekamen wir kaum. Sie brachten mit einen glühenden Eisen ein Brandmal am Fuß an", sagte er.

Batyr wurde zusammen mit anderen Menschen von Achat Paschajew angeblich zur Arbeit nach Taschkent abgeholt. Versprochen wurde ihnen ein Monatslohn von umgerechnet 60 US-Dollar. Aber die Menschen gerieten in Kasachstan in Sklaverei. Der 14jährige Batyr erinnert sich: "Wir wurden geschlagen und ausgelacht. Wir wollten nach Hause, aber sie sagten uns: ‚Ihr seid an uns verkauft worden und ihr werdet bis an Euer Lebensende für uns arbeiten‘. Wir versuchten zu fliehen. Aber unsere Verfolger waren auf Pferden, sie fassten uns schnell und wir wurden zur Strafe ausgepeitscht."

Die Menschen aus Jangi-Kurgan lebten in Hütten und schliefen auf Schilfmatten. Sie arbeiteten von fünf Uhr morgens bis sechs Uhr abends und litten unter Hunger. Als zu ihrem Heimatdorf Gerüchte durchgedrungen waren, dass die Menschen, die angeblich zur Arbeit nach Taschkent gefahren waren, in Sklaverei geraten sind, unternahmen Batyrs Angehörige alles, um ihn zu finden. Der Familie gelang es, ihn für umgerechnet 35 US-Dollar freizukaufen.

Usbekische Behörden ermitteln

Die Abteilung des Innenministeriums im Gebiet Namangan ermittelt inzwischen in diesem Fall. Einer der mutmaßlichen Menschenschlepper, Achat Paschajew, befindet sich in Untersuchungshaft. Mitarbeiter der Abteilung des Innenministeriums im Bezirk Jangi-Kurgan bestreiten, dass ihre Landsleute, denen die Flucht aus der Sklaverei gelungen ist, Brandmale tragen. Über die Lage in der Abteilung des Innenministeriums im Gebiet Namangan wollen sie nicht sprechen. Inzwischen wurde aber bekannt, dass noch im Januar ein Gerichtsprozess in diesem Fall beginnen soll. Walentina Tschupik meint, dass in der Abteilung des Innenministeriums im Gebiet Namangan vernünftige Menschen arbeiten, die diesen Fall abschließen wollen. "Ich hoffe, dass sie sich dafür einsetzen, dass die Drahtzieher des Menschenhandels tatsächlich bestraft werden", sagte sie abschließend.

Natalja Buschujewa, Taschkent
DW-RADIO / Russisch, 3.1.2005