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Asien

Skepsis und Zufriedenheit nach NATO-Gipfel

Auf dem NATO-Gipfel wurde der Afghanistan-Fahrplan des Bündnisses bekräftigt. Die Regierung in Kabul soll schon bald allein für die Sicherheit sorgen, der Westen leistet Finanzhilfe. Die Reaktionen sind gemischt.

Die afghanische Regierung zeigt sich über die Ergebnisse des NATO-Gipfels in Chicago hochzufrieden. Alle ihre Forderungen seien erfüllt worden, sagte ein Mitglied der afghanischen Delegation. Das heißt: Die NATO gibt schon Mitte 2013, wie von Kabul vorgeschlagen, alle Sicherheitsaufgaben an die afghanische Polizei und die Armee ab. Die NATO bleibt auch nach dem  Abzug ihrer Truppen Ende 2014 der Sicherheit in Afghanistan verpflichtet und unterstützt Kabul bis 2024 mit Militärausbildern und rund vier Milliarden US-Dollar jährlich. Diese Summe sei aber nicht nur eine Hilfe für Afghanistan, sagt Janan Musazai, Sprecher des afghanischen Außenministeriums. "Die Sicherheitslage in Afghanistan beeinflusst direkt die Sicherheitslage in der Region und der Welt. Vor diesem Hintergrund ist die Hilfe, die wir bekommen, kein Almosen für die Afghanen, sondern eine Investition für alle."

"Schönfärberei"

"Wir wollen nicht undankbar erscheinen", heißt es auch aus dem Umfeld von Präsident Hamid Karsai. Doch gegen den internationalen Terrorismus zu kämpfen, sei eine gemeinsame Aufgabe von Afghanistan und der Welt. Vor diesem Hintergrund seien die Ergebnisse von Chicago ein Erfolg der afghanischen Regierung, da die Welt weiterhin Afghanistan unterstütze.

Spezialkräfte der afghanischen Armee in einem Ausbildungslager bei Kabul (Foto: dapd)

Spezialkräfte der afghanischen Armee in einem Ausbildungslager bei Kabul

Diese Haltung teilen aber nicht viele Experten am Hindukusch. Sie werfen Kabul Schönfärberei vor. Nicht die NATO folge den Forderungen der afghanischen Regierung, sondern ganz im Gegenteil, die afghanische Regierung müsse sich mit dem zufrieden geben, was in Chicago beschlossen wurde, sagt Ex-General Atiqullah Baryalai. "In Chicago haben die NATO-Mitglieder aus innenpolitischen und finanziellen Gründen den Abzug aus Afghanistan endgültig festgelegt, und das zu einem Zeitpunkt, da die Taliban immer stärker werden. Diese Entscheidung ist keine Gute für Afghanistan.“

Die NATO verlasse Afghanistan, ohne die Realitäten am Hindukusch zu berücksichtigen, so Baryalai weiter. Die afghanischen Sicherheitskräfte seien noch lange nicht in der Lage, mit den großen Herausforderungen am Hindukusch allein fertig zu werden. Der afghanischen Armee fehle es immer noch an Luftwaffen- und Artillerie-Einheiten, kritisiert auch der afghanische General a. D. Hassan Mukhtar.  "Zudem haben die afghanischen Soldaten nur eine sehr kurze Ausbildung absolviert, die für die Kämpfe auf dem Schlachtfeld nicht geeignet sind. Ferner sind viele Soldaten und Polizisten Analphabeten, was ihre Ausbildung enorm erschwert.“

Defizite bei afghanischer Armee

Ex-General Helaludin Helal, Millitärexpert aus Afghanistan (Foto: DW)

Militärexperte Helal: "Übereilte Entscheidung"

Ein weiterer Schwachpunkt der afghanischen Sicherheitskräfte sei die mangelnde Loyalität der Soldaten und Polizisten. Viele Armee-Mitglieder fühlten sich ihrem jeweiligen Stammesführer oder mächtigen Warlords verpflichtet, sagt Mukhtar. Auch der wachsende Einfluss der Taliban auf Teile der Armee und Polizei sei besorgniserregend.  Vor diesem Hintergrund sei die Entscheidung, dass die afghanische Armee schon in einem Jahr allein für die Sicherheit im ganzen Land verantwortlich sein soll, eine absolut Falsche, meint auch der Militärexperte und ehemalige Parlamentsabgeordnete Helaludin Helal: "Die Übergabe der Sicherheit an afghanische Kräfte ist eine übereilte Entscheidung. Die NATO hat aus populistischen Gründen für eine schnelle Übergabe der Sicherheitsaufgaben gestimmt. Sie weiß aber, dass die afghanische Polizei und Armee diesen Aufgaben noch lange nicht gewachsen sind."

Zudem warnt Helal vor einer raschen Verkleinerung der afghanischen Sicherheitskräfte. Laut NATO-Beschluss soll die Zahl der afghanischen Sicherheitskräfte nach dem Abzug der NATO-Truppen von derzeit 352.000 auf rund 230.000 reduziert werden. Es sei verständlich, dass die NATO sparen muss, doch wenn am falschen Ende gespart wird, werde die Rückkehr der Taliban und ihrer Verbündeten nur beschleunigen, meint der Militärexperte Helal.

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