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Fokus Südosteuropa

Skepsis und Angst vor neuen Sparmaßnahmen

Zwar spricht der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou von einem "Neustart" für sein Land, doch die Freude über den angekündigten 50-prozentigen Schuldenschnitt hält sich in Grenzen.

Flaggn der EU und Griechenlands vor der Akropolis (Foto: AP/dapd)

Der Schuldenschnitt bereitet den Griechen Sorgen

"Wir müssen abwarten und das Kleingedruckte lesen. Es sieht danach aus, dass die Unsicherheit geringer geworden ist, aber jetzt geht es einmal darum ganz genau zu erklären, welche Konsequenzen der Brüsseler Deal für die griechischen Banken mit sich bringt", erklärt der Bankanalyst Theodoros Krintas in einem Interview mit dem führenden Online-Wirtschaftsdienst "Capital". "Ob mit oder ohne Haircut, der griechische Schuldenstand wird bei zirka 150 Prozent des Bruttosozialprodukts bleiben", sagt ein Börsenexperte gegenüber der gleichen Zeitung. Linke und rechte Oppositionspolitiker sind eher darüber erzürnt, dass Griechenland angeblich auf Souveränitätsrechte zugunsten der EU verzichte.

Die immer stärker werdende kommunistische Partei warnte am Freitag vor einem unkontrollierten Bankrott Griechenlands. Für die Rechtspopulisten, die in allen Umfragen Zulauf bekommen haben, sei Ministerpräsident Papandreou "ahnungslos oder er handelt in böser Absicht".

Attacken gegen Berlin

Kanzlerin Angela Merkel (Foto: AP/dapd)

Kanzlerin Merkel im Visier der griechischen Kritik

"Der Deal bringt eine Atempause, aber auch eine neue Bindung", erklärt die regierungsfreundliche Athener Tageszeitung "Ta Nea" betont sachlich. "Unsere Nationalwürde wird beschnitten", glaubt dagegen das ultrakonservative Blatt "Vradyni" zu wissen und die gemäßigt linke Tageszeitung "Avgi" sieht sogar eine "Kommissarin Merkel" am Werk.

Selbst die renommierte linsliberale Tageszeitung "Eleftherotypia" kann es nicht lassen: "Der deutsche Panzer bringt ein neues Sparpaket", lautet die Überschrift des Tages. "Die Deutschen haben die Asiatisierung Südeuropas im Sinn", es wolle Griechenland zum Billiglohnland degradieren, behauptet ein Kommentator des Blattes, das übrigens auch selbst zum Opfer der Wirtschaftskrise geworden ist. Fast alle Redakteure warten nämlich seit Juli auf ihr Gehalt und verrichten im Moment Freiwilligenarbeit, die einst großzügigen Banken halten sich zurück mit der Vergabe von neuen Krediten.

Athener Börsenhoch

Mann steht vor Abbildung eines Aktienverlaufs (Foto: fotolia)

Athens Börse hat den freien Fall bremsen können

Das Misstrauen hat sich die griechische Regierung zum Teil selbst zuzuschreiben: In den vergangenen zwei Jahren erklärten alle griechischen Sparminister unisono, Einkommenseinschnitte von bis zu 50 Prozent seien notwenig, damit es bloß nicht zu einer Umstrukturierung der horrenden Schulden kommt, die Griechenland in den Abgrund stürzen würde. Und nun soll ein Schuldenschnitt nicht nur wünschenswert, sondern geradezu erlösend für die Wirtschaft sein? Das muss man den Griechen erst einmal in Ruhe erklären.

Positiv reagierte die Athener Börse, die ansonsten ihre größte Baisse seit den achtziger Jahren erlebt, aber ausgerechnet nach dem Brüsseler EU-Gipfel ein deutliches Plus von über fünf Prozent verzeichnet hat. Bankaktien konnten sogar um bis zu zwölf Prozent zulegen, nachdem sie allerdings in den letzten Wochen in den Keller gerutscht waren.

Autor: Jannis Papadimitriou
Redaktion: Mirjana Dikic