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Alltagsdeutsch – Podcast

Skat – reizen, decken, stechen

Es ist eines der beliebtesten Kartenspiele in Deutschland: Skat. Es wird im privaten Kreis, aber auch im Verein gespielt. Man muss seine Regeln und auch seine eigene Sprache verstehen, um mithalten zu können.

Sprecher:

Es könnte einem Deutschlandbesucher durchaus einmal passieren, dass er als dritter Mann in eine Kneipe geladen wird, aber vom Reizen keine Ahnung hat.

Sprecherin:

Dann sollte er zumindest nicht die falschen Damen drücken.

Sprecher:

Und in einer solchen Dreier-Runde darf er dann auch nicht beleidigt sein, wenn ihm jemand befiehlt: Hosen runter.

Sprecherin:

Und schon gar nicht sollte er der Aufforderung im Wortsinne nachkommen.

Sprecher:

Wenn sich dann ein beleibter Familienvater auch noch als Jungfrau zu erkennen gibt, könnte der Besucher schließlich meinen, er hätte es mit lauter Verrückten zu tun.

Sprecherin:

Aber bei diesen Verrückten, die so merkwürdig daher reden, handelt es sich um eine Skatrunde.

Sprecher:

Das Kartenspiel Skat ist das beliebteste Spiel der Deutschen. Rund 20 Millionen Bundesbürger sind ihm verfallen, darunter sogar prominente Politiker. Sie reizen, bedienen und stechen ab, was das Zeug hält und reden, reden, reden. Das Sprücheklopfen in lockerer Runde ist scheinbar ebenso reizvoll wie Skat selbst. Skat fördert also die Kommunikation und damit die Geselligkeit und erweitert Ihre Kenntnisse im Alltagsdeutsch.

Musik:

Heinz Erhardt: "Skatpolka"

" … Achtzehn-ja-zwanzig-ja-zwo
drei
vier-passe-
Contra
Re und Bock - jetzt geht es los.

(los, los, los, misch da, jetzt genug gemischt, hat sich schon mal einer …, ah jetzt lässt er auch noch alle Karten fallen, der Mischling.)

Was wär' das Leben ohne Skat? Es wäre öd' und blöd' und fad'
wir dreschen Karten
dass es kracht
bis in die Nacht
bis in die Nacht.
Ein Grand mit Vieren ist Atout …"

Sprecher:

Heinz Erhardt, Komiker des Wirtschaftswunder-Deutschlands der 50er Jahre, hat dem Skat sogar ein Lied gewidmet. Und darin sind die Rituale und typischen Skat-Sprüche verewigt worden.

Sprecherin:

32 Spielkarten – drei Spieler – mehr braucht ein Skater nicht, um Haus und Hof zu vergessen. Viele tun es – typisch deutsch – sogar im Verein. Die Clubs nennen sich Grandouvert 89 Zwickau, Solinger Mauerjungs oder Gut Blatt Witten.

Sprecher:

Das Skatspiel besteht aus vier Assen, Zehnen, Königen, Damen, Buben, Neunen, Achten und Siebenen. Es gibt vier Farben: Zwei rote – Herz und Karo –, zwei schwarze – Pik und Kreuz. Jeder bekommt zehn Karten, zwei Karten werden als Skat gelegt. Der Solospieler bekommt die beiden Skat-Karten und kann dafür zwei schlechtere weglegen. Er muss gegen die anderen beiden mindestens 61 Punkte machen, um zu gewinnen. Die höchste Karte ist das As – es zählt elf Punkte. Die höchsten Trümpfe sind die vier Buben.

Sprecherin:

In einer Kneipe im Kölner Stadtteil Ehrenfeld treffen sie sich jeden Montag zum Goldmünzen-Turnier, rund 60 Skatverrückte, die für zweieinhalb Stunden ihre geistigen Kräfte messen. Horst, 45 Jahre, Busfahrer; Walter, 60 Jahre, kaufmännischer Angestellter; Walter, 63 Jahre, früher Schlosser, und Karl, 77 Jahre, früher Pilot bei der Bundeswehr.

O-Töne:

"Ich hab' noch zwanzig – Ja. Zwo, drei – Ja. Vier – Ja. Sieben – Ja. Dreißig – Ja. 36 – Nee. – Kannst Du ja auch nicht haben. – Nee. – Mal sehen, was wir da finden. Oh, das ist 'ne schöne Karte, nicht, da drücken wir zwei. Ich hätte bald gesagt wat. Ich spiel 'nen Grand. Den nehmen wir mit. Da die Troika. Ah den schmeißt er weg, da seid ihr Schneider, 'ne 20 haben se. Mit zwei Spiel drei Schneider 4 – das gibt 96 Punkte, ja."

Sprecher:

Zwei Herren der Skatrunde werfen sich stakkatoartig Zahlen an den Kopf – das nennt man Reizen. Mit dem Reizen beginnt jede Spielrunde. Es würde zu weit führen, diese Zahlen zu erklären. Sie bedeuten meistens bestimmte Spiele, und der gewiefte Skatspieler kann am Reizverhalten die ungefähren Karten seiner Gegner ablesen. Das Reizen beim Skat ist wie das Bieten bei einer Auktion. Wer das höchste Gebot macht, der darf dann auch alleine spielen, um zu punkten. Karl hat die beiden Gegner Schneider gespielt. Aus dem Schneider sein ist heute noch eine feste Redewendung für eine Notlage bewältigt haben. Abgeleitet ist Schneider von Schnitt, Durchschnitt, und der liegt beim Skatspiel bei 30 Punkten. Wer 30 Punkte überschritten hat, ist aus dem Schneider. Der Solospieler bekommt dann weniger Punkte.

Musik:

Heinz Erhardt: "Skatpolka"

" … wir reizen
wir reizen
dass es nur so kracht
bis in die tiefe Nacht
bis in die tiefe Nacht.
Ja ja
wir reizen
wir reizen
dass es nur so kracht
bis in die Nacht
so wird's gemacht. Jawoll ! …"

O-Ton:

"Ich spiel 'nen Grand, muss man nicht viel bei denken. Gibt's nur vier Trumpf bei Grand. Och, der wirft ja Asse da rein, wie schön für mich. Kann ich das Spiel ja noch gewinnen. Guck mal da, jetzt knirscht er mit den Zähnen, weil er das As gespielt hat. Den nimmt er ja mit. Der kann sich kein bisschen benehmen."

Sprecherin:

Es geht die Legende, dass Bauern aus dem Erzgebirge am Skat schuld sein sollen. Ein Kutscher aus dem thüringischen Altenburg, der Skathauptstadt, soll sie beim Schafskopf beobachtet haben und hat das neue Spiel seinem Herrn wohl vorgeführt.


Peter Weise:

(Spielkartenmuseum Altenburg)

"Sicher ist, dass in einer sogenannten 'Brommeschen Abendgesellschaft' eine ganze Reihe spielfreudiger und intelligenter Altenburger dem Kartenspiel gehuldigt haben und wahrscheinlich so 1813 dann zum ersten Mal Skat gespielt haben. Sie haben also Elemente bereits bekannter, geläufiger Spiele wie Tarock, L'Hombre, Schafskopf genommen, haben eigene Ideen hinzu gebracht, und so entstand in Altenburg der Ur-Skat, der mit dem, was wir heute darunter verstehen, allerdings nicht mehr allzu viel gemein hat."

Sprecherin:

Skat ist also abgekupfert, und selbst das Wort ist italienisch. Das Spiel ist nach den zwei beiseite gelegten Karten benannt. Der Begriff kommt von scartare – Karten wegwerfen oder ablegen. Doch mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wird auch die Forderung nach dem Einheitsskat laut. Nationalbewusstsein im Kleinformat der Spielkarten. Vorreiter ist der Amtsgerichtsrat Karl Bohle – eine Art Bismarck des Skatspiels. Und 1886 ist es dann soweit: Der erste deutsche Skatkongress wird abgehalten und tausend Skater aus allen Teilen Deutschlands pilgern nach Altenburg. Hier wird die erste "Allgemeine Deutsche Skatordnung" verabschiedet. Mit der Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg ist zunächst auch die Skatnation geteilt: die DDR-Regierung verbietet sogar Skatvereine. Doch seit dem Mauerfall reizen die Deutschen wieder gemeinsam.

O-Ton:

"Skat paart Glück mit Spielwitz. Es gibt also welche, die sind hochintelligent und lernen's nie. Und andere sind eigentlich relativ, na ja, sag'n wir mal, einfach zu nehmen und sind ganz gewiefte, ausgekochte Skatspieler."

Sprecher:

Skat ist also ein Spiel, das auf lange Sicht der Schlauere gewinnt. Man muss sich konzentrieren, Menschenkenntnis besitzen und ein gutes Gedächtnis haben. Manche halten das Spiel sogar für Managertraining. Denn so, wie sie im Leben sind, spielen die Leute auch. Der Vorsichtige nur mit superguten Karten – dem sogenannten Omablatt –, der Risikofreudige auch schon mal mit schlechteren. Gespielt wird in Deutschland meist mit dem französischen Blatt. Begriffe wie Grand von groß und Ouvert von offen kommen aus dem Französischen. Das As, die höchste Spielkarte im Skat, ist eine französische – abgeleitet aus dem lateinischen Wort für Pfund. Noch heute nennt man jemanden, der sehr gut ist in seinem Beruf oder beim Sport, ein As auf seinem Gebiet. Pik heißt im Französischen der Spieß und auch Karo ist französisch und bezeichnet eine Art Rautenmuster.

O-Ton:

"18, mehr als 18? – 20, 2, 0, 4 weg. – Herz Hand. Ich spiel jetzt 'nen Handspiel, Du kommst zum Herzhand. Der Rest steht und entschuldige, wollte ich nicht, entschuldige bitte. Neun Trumpf ist das. Steht und steht. – Näh der ist mir. – Dann kriegst Du den Stich. – Dann kriegen wir alles, alles. – Nicht was vorher war. – Aber natürlich. Kannst doch nicht hinlegen. – Er erklärt, ich bekomme alles. Da sagt Mittelhand, ich bekomme aber noch einen Stich, damit bekommen wir nicht nur den letzten Stich, sondern alles, was von den Karten noch übrig war. – Mensch, da hat der noch 'nen Trumpf hinten. Das ist aber auch ein Bauer."

Sprecherin:

Wo Menschen gewinnen wollen oder nicht verlieren können, da gibt es natürlich auch Streit. Einen Bauern nennt der erregte Herr seinen Mitspieler scherzhaft, weil der ihm schon längst gewonnen geglaubte Punkte abgenommen hat. Nun ist der Gegenspieler nicht von Beruf etwa Bauer. Bauer ist ein Ausdruck für einen unhöflichen Mann. So etwas konnten sich natürlich nur Städter ausdenken, für die der Bauer bereits um 1700 zum Sinnbild der geistigen Schlichtheit wurde.

Sprecher:

Übrigens tat dieser als Bauer Titulierte etwas Besonderes: Er hatte noch etwas in der Hinterhand. Er war derjenige, der seine Karte zuletzt ausspielte, trumpfte und den Stich gewann. Im Alltagsdeutsch gibt es diesen Begriff beispielsweise auch in der Politik oder dem Geschäftsleben. Er meint dann, jemand hat noch ein Mittel oder eine Information, die er zurückhält und im entscheidenden Moment zu seinem Vorteil ausspielt.

Sprecherin:

Wenn eine verzwickte Skatsituation nicht zu klären ist, gibt es nur noch eine Möglichkeit für Streithähne – das Skatgericht zu Altenburg. 400 Anfragen hat es im Jahr, meist von ernsthaften Skatspielern, die mit kniffeligen Spielsituationen kommen. Manchmal fragen aber auch harmlose Freizeitskater nach. Hans Jäschke kennt noch einen Fall aus DDR-Zeiten, der sich bei der Handelsmarine zugetragen hatte.

Hans Jäschke:

(Früherer Präsident Skatgericht Altenburg)

"Eines Tages kam tatsächlich über Rügen-Radio ein dringender Anruf eines der Schiffe, eines Frachters, weil sich am Silvesterabend unsere Matrosen dort auf dem Schiff bei einem Skatspiel so zerstritten hatten, dass der Burgfrieden dort in Frage gestellt war. Es ging darum, dass der Alleinspieler einen wunderbaren Grand hatte nach Aufnahme des Skates hatte. Er hatte zwei goldige Blätter – wie man so schön sagt – im Skat gefunden. Sagt sein Spiel an und hatte aber seine zwei Karten, die er in den Skat legen musste, vergessen zu drücken. Und damit war also die Ansage des Spieles mit zwölf Karten erfolgt, und er hatte sein sicheres Spiel damit verloren."

Sprecherin:

Der Seemann war zwar erschüttert, weil er seine Niederlage nicht glauben wollte. Aber dem Regelspruch des hohen Skatgerichts beugte er sich schließlich. Das Arbeitsklima war gerettet. Aber wer weiß, ob er jemals wieder so ein Blatt bekommen hat. Denn eines ist sicher: Langweilig wird das Spiel nie. Ein Statistikfreund rechnete es einmal vor: es gibt zwei Billiarden 752 Billionen 294 Milliarden 409 Millionen Möglichkeiten der Kartenverteilung. Na dann "Gut Blatt".

Musik:

Heinz Erhardt: "Skatpolka"

" … Wir reizen
reizen
dass es nur so kracht
bis in die tiefe Nacht
bis in die tiefe Nacht.
Ja ja
wir reizen
wir reizen
dass es nur so kracht
bis in die Nacht
so wird's gemacht. Jawoll !

(Mensch Meier, jetzt hab' ich doch die falsche Dame gedrückt)."

Fragen zum Text

Wenn Spieler Karten dreschen bedeutet das, dass …

1. sie Karten spielen.

2. sie die Karten zusammenbinden.

3. sie sich die Karten ins Gesicht schleudern, wenn sie verloren haben.

Die höchste Punktzahl der verschiedenen Spielkarten hat …

1. der Bube.

2. der König.

3. das As.

Hat jemand eine Notlage überwunden, dann ist er/sie sprichwörtlich …

1. aus dem Bauer.

2. aus dem Schneider.

3. aus dem Gröbsten heraus.

Arbeitsauftrag

Informieren Sie sich als gesamte Gruppe im Internet über die Aktivitäten des Deutschen Skatverbandes. Lassen Sie sich entsprechende Informationen auch per Email zuschicken. Tragen Sie alle Ihre gesammelten Informationen zusammen und erstellen Sie ein Porträt des Deutschen Skatverbandes.

Autorin: Sigrun Stroncik

Redaktion: Beatrice Warken

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