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Ostmitteleuropa

Skandal statt Debatte

– Ungarische Parteien sagen Wahlkampf-Streitgespräche in letzter Minute ab

Budapest, 27.3.2002, BUDAPESTER ZEITUNG, deutsch

Die für Donnerstag (28.3.) Vormittag anberaumte öffentliche Debatte zwischen Justizministerin Ibolya David (MDF) und dem MSZP-Anwärter für das selbe Amt, Peter Barandy, im Millenaris-Park wurde in letzter Minute abgesagt. Ebenfalls abgesagt wurde die für den Nachmittag vorgesehene Begegnung zwischen Kulturminister Zoltan Rockenbauer (Fidesz) und Ivan Vitanyi, Verantwortlicher für kulturelle Fragen bei der MSZP. Der Fidesz begründete seinen Rückzug damit, die MSZP habe zwei kleine Bildschirme ins Bühnenbild integriert, mit denen sie sich während der Debatte Vorteile verschaffen wollte.

Die Schwierigkeiten begannen schon vor dem Beginn des Programms. Die Sicherheitskräfte wollten mangels einer schriftlichen Einladung weder die beiden Gesprächspartner noch Moderator Janos Betlen in den Raum lassen. Ein paar Minuten später stellte sich heraus, dass die Sozialisten auch zwei so genannte Plasma-Bildschirme aufstellen wollten, um auf diesen während der Debatte Daten und Grafiken einzublenden. Bei den Vorgesprächen soll keine Vereinbarung über Einschränkungen des Hintergrunds getroffen worden sein, so die Sozialisten.

Im Laufe der 90-minütigen Unterredungen nach den Fidesz-Protesten kamen die Parteien zu keiner Einigung. Schließlich verließ Ibolya David den Saal. Daraufhin packte auch der Stab der MSZP zusammen. "Es gibt kein Fidesz-Diktat mehr", formulierte Zoltan J. Gal, Wahlkampfsprecher des MSZP-Premieranwärters Pater Medgyessy. Der Fidesz suche nur einen Vorwand, um einer Prüfung durch die Öffentlichkeit aus dem Wege zu gehen. Die Sozialisten stünden auch weiterhin für Fernsehdebatten zur Verfügung.

Der Fidesz-Vorsitzende Zoltan Pokorni kritisierte die Sozialisten in einer improvisierten Pressekonferenz am frühen Nachmittag außerordentlich scharf. Kurz darauf kündigte die MSZP auch die übrigen 15 bereits mit Ort und Termin bekannt gegebenen anderen Debatten zwischen den Kabinettsmitgliedern und den MSZP-Kandidaten auf. Künftig werde auch MSZP-Premieranwärter Peter Medgyessy keine Redeschlacht mehr mit Viktor Orban anstreben. Am 3. April allerdings, dem von ihm vorgeschlagenen Tag für die Debatte, werde er Viktor Orban erwarten. Wenn der Ministerpräsident erscheine, käme auch das Wortgefecht zustande.

Trotz des Scheiterns der Ministerdebatten werden bei TV2 die Wahlprogramme mit den Experten der Fraktionen auch künftig weitergeführt, hieß es beim Privatsender. Der Kanal startete vorletzte Woche eine Serie unter dem Titel "Arena", wo neben Vertretern des Fidesz und der MSZP auch Politiker zweier weiterer Parteien diskutieren. Diese Serie endet am 4. und 5. April mit einer Debatte der Parteichefs unter dem Titel "Vorsitzende in der Arena."

"Wahlkampfdebatten entstehen, wenn sich der Herausforderer als Alternative zeigen möchte und der Herausgeforderte sich nicht erlauben will, als feige abgestempelt zu werden", erklärte der Soziologe Tibor Dessewffy den Skandal im Millenaris-Park. "Der Fidesz meint, er beherrsche das Feld der Kommunikation, während die Sozialisten jede Möglichkeit für einen Auftritt wahrnehmen wollen, um ihre Botschaften unter die Öffentlichkeit zu bringen."

Im modernen Multimedia-Auftreten der MSZP witterte der Fidesz möglicherweise Gefahren, da auf diese Weise plötzlich auch ein neues Image, neue Zahlen und Fakten erscheinen könnten, die nicht unbedingt zu seinen Gunsten ausfallen könnten. (ykk)

  • Datum 28.03.2002
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