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Ostmitteleuropa

Skandal bei den Vorbereitungen zur Entsendung polnischer Soldaten nach Afghanistan

– Niemand weiß, wo sie stationiert werden und welche Aufgaben sie übernehmen sollen

Posen, 20.01.2002, WPROST, poln.

Am 10. Januar 2002 ist zwar der Termin für die Entsendung polnischer Truppen nach Afghanistan verstrichen, aber unsere Soldaten können ruhig Urlaub nehmen, weil bisher niemand weiß, wo sie stationiert werden und wie sie dahin transportiert werden sollen.

"Wir haben tatsächlich keine Ahnung davon, wo wir stationiert werden ", bestätigt Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski. Außerdem ist auch nicht klar, welche Aufgaben die Soldaten übernehmen sollen und wer für ihre Reise und den Aufenthalt bezahlen soll, da die Kasse des Verteidigungsministerium leer ist.

Trotz früherer Ankündigungen wurde die Mehrheit der für diesen Einsatz ausgewählten Soldaten keinem speziellen Training unterzogen. Nur die Soldaten der Spezialeinheit Grom sind nach Zakopane gefahren. Dort nahmen sie jedoch nur an einem Routine-Training teil. Es ist bekannt, dass nur die Spezialeinheit Grom nach Afghanistan fahren möchte, die anderen Soldaten dagegen würden gern darauf verzichten. Solch ein Problem stellt für uns die Vorbereitung von 225 Soldaten für die Mitarbeit mit unseren Verbündeten dar.

"Wir sind jederzeit auf die Abfahrt vorbereitet. Die Soldaten wurden mit elf verschiedenen Stoffen geimpft, die sie vor den asiatischen Krankheiten schützen sollen. Sie haben außerdem moderne Uniformen (...) und Schuhe bekommen, die ihnen ermöglichen werden, die klimatischen Bedingungen in Afghanistan zu überleben", versichert Oberst Lech Wozniak, der Oberbefehlshaber des polnischen Kontingents. Seine Nominierung erweckt jedoch Kontroversen: "Das sollte ein Antiterror-Einsatz werden und zum Leiter dieser Operation wurde ausgerechnet ein Spezialist für Logistik ausgewählt", behauptet ein Soldat der Eliteeinheit Grom.

Nach Afghanistan wird aber der Kommandant der Spezialeinheit Grom, Oberst Roman Polko, nicht entsandt, weil man im Generalstab zu dem Schluß gekommen ist, dass sein Rang zu hoch sei, um das Kommando über einen Teil des Kontingents, d.h. über 80 Soldaten der Eliteeinheit Grom zu übernehmen. Es ist um so mehr verwunderlich, dass mit seiner Anwesenheit sowohl die Amerikaner als auch die Briten rechnen, mit denen er bei den Einsätzen auf dem Balkan zusammengearbeitet hat. (...) Als Oberst Roman Polko davon erfuhr, dass er sich nicht unter den Ausgewählten befindet, hat er sich als Freiwilliger gemeldet. "Seine Meldung wurde jedoch vom Verteidigungsministerium abgelehnt, weil jemand vor Ort bleiben muss, um das Kommando über die hier gebliebenen Soldaten der Eliteeinheit Grom zu übernehmen", erklärt Oberst Eugeniusz Mleczarek, Pressesprecher des Verteidigungsministers.

Angesicht solch einer Situation werden sich die Elitesoldaten, wenn sie überhaupt nach Afghanistan entsandt werden, nicht an den Aktivitäten der Spezialeinheiten beteiligen, sondern nur für den Schutz der wichtigsten Mitglieder des polnischen Kontingents sowie der Konvois sorgen müssen. Unsere Spezialeinheit wird demnach zu einer Sicherheits-Agentur für die anderen Soldaten und das ist absurd. Die Entsendung unserer Elitetruppe hat nämlich nur dann einen Sinn, wenn sie mit der britischen Spezialeinheit SAS oder der amerikanischen Eliteeinheit Delta zusammenarbeiten kann. Darüber wurden vorher in Großbritannien Gespräche geführt (...) Danach sollten die polnischen Elitesoldaten in der britischen Basis in Biafra stationiert werden und sich an den Einsätzen der amerikanischen Spezialeinheit Delta beteiligen, die in der Nähe von Kandahar stationiert ist.

Viele Soldaten aus den anderen Einheiten in Opole (Oppeln), Brzeg (Brieg) und Brodnica (Straßburg) wollen sich an dem Kontingent nicht beteiligen, obwohl sie eine entsprechende Erklärung unterzeichnet haben: "Diese Zahl beträgt in den verschiedenen Einheiten 30 bis 50 Prozent der Freiwilligen", bestätigt Oberst Lech Wozniak.

"Wir haben die Einverständniserklärung unterzeichnet, weil uns zu verstehen gegeben wurde, dass, wenn wir dies nicht tun werden, wir aus der Armee entlassen werden könnten und zwar unter dem Vorwand der Einsparung und Reduzierung in der Armee", erzählt ein Offizier des IV. Regiments in Brodnica.

"Alle Soldaten und Offiziere haben die Einverständiserklärung unterzeichnet. Wenn sich jemand geweigert hätte, hätten wir ihn nicht dazu gezwungen", versichert Oberst Mleczarek. Solch eine Erklärung ist sowieso nur ein Stück Papier, da die Berufssoldaten nach dem geltenden Recht auch ohne ihr Einverständnis entsandt werden können. Das Problem besteht jedoch darin, dass wir den NATO- Verbündeten versichert haben, dass ausschließlich Freiwillige an dieser Aktion teilnehmen werden.

Diejenigen, die an dieser Mission teilnehmen wollen, versuchen nicht einmal zu verbergen, dass sie dies hauptsächlich aus finanziellen Gründen machen möchten: "Man sollte sich nichts vormachen, das Geld spielt eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Rolle dabei", sagt Major Andrzej Jastrzebski, der sich bereits an einigen Einsätzen im Ausland beteiligte. (...). Jeder der Soldaten wird nämlich außer dem Sold in Zloty auch 1 400 Dollar im Monat bekommen plus sieben Dollar für jeden Tag des Aufenthaltes im Afghanistan.

"Vor der Entsendung aller unserer Soldaten werden wir einen Voraustrupp von zehn bis zwölf Personen entsenden müssen, der den Aufenthalt für die übrigen Soldaten vorbereiten wird", erklärt Oberst Wozniak.

Wenn die polnische Truppe überhaupt nach Afghanistan entsandt wird, so wird dies erst nach einigen Wochen geschehen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden jedoch die polnischen Soldaten nicht in Afghanistan, sondern in Tadschikistan stationiert. Dort sollten sie sich mit der Vorbereitung der karitativen Hilfe für Afghanistan beschäftigen. Werden aber für solch eine Mission die Soldaten einer Eliteeinheit, einer Einheit zum Schutz vor chemischen Waffen und die Spezialisten für Bomben- und Sprengkörperentschärfung überhaupt benötigt? (Sta)

  • Datum 21.01.2002
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