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Politik

Size does not matter

Europa hat einen neuen Staat geboren: Die "Schwarzen Berge" rund um eine malerische Adriabucht sollen unabhängig werden. Die EU will den neuen Zwergstaat anerkennen. Wo soll das noch hinführen?

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Montenegro wird nicht der kleinste Staat in Europa sein. Da gibt es ja noch Luxemburg, Malta, Andorra, Lichtenstein, den Vatikan und andere Fitzelchen auf der Landkarte. Das Beispiel Montenegro facht aber den Trend zur Kleinstaaterein in der EU an und weckt zum Beispiel bei Basken und Katalanen Begehrlichkeiten. Separatistische Politiker beider spanischer Provinzen haben allen Ernstes Montenegro zum leuchtenden Vorbild erhoben.

Kein bayerischer Untergrund

Eine französische Zeitung fragte besorgt, ob nicht auch die Korsen sich nun endlich den Traum von der Unabhängigkeit erfüllen könnten oder die Schotten oder die Bayern? Zwar gibt es in Bayern keine Untergrundarmee, die wie im Baskenland oder in Korsika mit Bomben um sich wirft, aber immerhin trat bei der letzten Bundestagswahl die Bayernpartei an, die Freiheit vom preußischen Berlin forderte.

Die EU argumentiert, sie konnte die Zwangsehe zwischen Montenegro und Serbien, die einst in Titos Vielvölkerstaat Jugoslawien vereint waren, nicht länger fordern. Was werden dazu die Minderheiten von Flamen, Wallonen und Deutschen sagen, die den Drei-Völkerstaat Belgien als Zumutung empfinden? Die EU, hier in Brüssel umgeben von flandrischen Landen, würde sicher auch ein unabhängiges Flandern anerkennen, aber es steht (noch) nicht zu befürchten, dass es in naher Zukunft zu einer Volksabstimmung kommen könnte.

Nächster Zwerg in Sicht

Die Geburt des nächten Zwerges ist schon absehbar. Das Kosovo, heute noch völkerrechtlich Teil Serbiens, wird sich auf lange Sicht auch vollständig abspalten wollen. Die zähen Statusverhandlungen laufen derzeit. Das wäre dann der siebte Staat, der aus Jugoslawien hervorgeht und ebenfalls an den Tisch der EU drängt. Dort säßen dann, wenn der Balkan wie versprochen komplett aufgenommen wird, 34 Staaten. Heute sind es 25. Bulgarien und Rumänien kommen nächstes Jahr hinzu. Bedenkt man, dass die EU bei vielen Entscheidungen Einstimmigkeit braucht, wird das Führen Europas mit all den Ministaaten und ihren potenziellen Vetos am Tisch nicht einfacher.

Montenegriner und Serben unterscheiden sich sprachlich und ethnologisch genauso stark wie Hessen und Bayern. So gesehen könnte auch Bremen sich zum Staat erklären, bevor es in einer Reform der Bundesländer von Niedersachsen geschluckt wird. Bremen und Bremerhaven haben zusammen übrigens genauso viele Einwohner wie der neue Staat Montenegro, aber eine viel höhere Wirtschaftsleistung.

Und was ist eigentlich mit Südtirol oder Friaul oder der Wojwodina? Oder die Kölner, die nie mit Düsseldorf in einem Bundesland leben wollten? Aber das ist eine andere Geschichte...