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Politik

Situation im Tschad verschlechtert sich

Nach neuen Gewaltausbrüchen im östlichen Tschad verzögert sich der Einsatz der EU-Friedenstruppe. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat vier Mitarbeiter nach Angriffen vorerst in Sicherheit gebracht.

Sudanesische Rebellen im Tschad, (Quelle:dpa)

Rebellengruppen sorgen seit Jahren für Unsicherheit im östlichen Tschad

Am Freitag (1.2.2008) ist es zu ersten Gefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen 50 Kilometer westlich der tschadischen Hauptstadt N'Djamena gekommen. Rebellen hatten Staatschef Idriss Deby vorher ein Ultimatum zu Verhandlungen über eine Machtteilung gestellt. Rebellen-Anführer Timan Erdimi hatte vorab gewarnt, solle es bis Freitag nicht zu Gesprächen kommen, gebe es Krieg. Frankreich hatte wegen der Offensive seine 1100 Mann starken Truppen mit weiteren 150 Soldaten verstärkt. Die Soldaten sollten "auf die Entwicklung der Situation reagieren", teilte Ministeriumssprecher Thierry Burkhard mit. Die US-Botschaft in N'Djamena hatte am Donnerstag ihre Bürger zur Vorsicht aufgerufen, die Lage im Osten des Tschads sei instabil.

Rebellenoffensive verzögert EU-Friedenstruppe

Wegen der unsicheren Lage verzögert sich nun auch der geplante Einsatz von rund 3700 Soldaten einer EU-Truppe in der Krisenregion. Die EU verschob die Stationierung der Friedenstruppe EUFOR für die Grenzregion zum Sudan. Drei Flüge mit Soldaten aus Österreich und Irland seien "wegen der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen" nahe der Hauptstadt N'Djamena gestrichen worden, sagte ein Sprecher im Hauptquartier der Mission in Mont Valérien bei Paris.

Der französische Außenminister Bernard Kouchner mit dem schwedischen Außenminister Bildt und dem tcheschischen Außenminister Karel Schwarzenberg in Brüssel, 28.1.2008, (Quelle: AP)

Die EU-Außenminister haben große Hoffnungen für die EUFOR-Friedenstruppe

Die sogenannte EUFOR-Friedenstruppe soll in dem zentralafrikanischen Land Flüchtlinge schützen, sowie der UNO und den Hilfsorganisationen die Arbeit erleichtern. Die europäischen Außenminister hatten am Montag den Startschuss für den bisher größten EU-Militäreinsatz im Tschad und der Zentralafrikanischen Republik gegeben. Vorauskommandos sowie ein italienisches Feldlazarett sind bereits Dienstag im Tschad eingetroffen; voll einsatzbereit soll die Truppe im Mai sein. Haupttruppensteller sind Frankreich mit rund 2100 Soldaten sowie Polen und Irland mit jeweils 400.

Lage im Tschad ist abzuwarten

Der EU-Beauftragte für den Sudan, der Däne Torben Brylle, nannte die Militärmission "einen wichtigen Beitrag für eine Beilegung der Krise in Darfur". Er hoffe, die EUFOR-Truppe werde ein "positives Klima der Sicherheit" schaffen. "Rebellen und Räuber müssen abgeschreckt werden", sagte Oberkommandeur Patrick Nash zu den Aufgaben der Soldaten. Jedoch komme die Kontrolle des Einsatzgebietes mit einer Fläche wie Deutschland einem "logistischen Everest" gleich, sagte Nash.

Flüchtlinge aus Darfur, (Quelle: AP)

Hundertausende von Meschen sind vor der Gewalt im Darfur nach Tschad geflohen

Ob der Einsatz solcher EU-Friedenstruppen die Arbeit der UNO und von Hilfsorganisationen wirklich erleichtere, sei erstmal abzuwarten, meint Rehrl. In dem typischen politischen Konflikt, der sich hier innerhalb des Tschads abspielt, könnten, und sollten die EU-Truppen sich gar nicht einmischen", sagt Rehrl. Man müsse die innenpolitische Lage erst einmal abwarten, bevor man weitere Maßnahmen eingehe. Oberkommandeur Nash räumte auch ein, dass nach wie vor Soldaten, vor allem aber Hubschrauber fehlten.

Arbeit mit Flüchtlingen geht weiter

Nach bewaffneten Angriffen auf ihr Quartier brachte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR vier seiner Mitarbeiter aus Guerada im Osten des Landes vorerst in Sicherheit. Unter den aktuellen Umständen könne das UNHCR in Guerada seine Arbeit nicht fortsetzen, teilte UNHCR-Mitarbeiter Sergé Malé in einer Pressemitteilung am Donnerstag mit. Nach Angaben örtlicher Mitarbeiter seien fünf UNHCR-Fahrzeuge in den vergangenen Tagen in Guerada mit vorgehaltenen Waffen geraubt worden. In den zwei folgenden Nächten habe es zahlreiche Angriffe auf das Gelände der Organisation gegeben. "Die Behörden verfügen nicht mehr über die nötigen Mittel, uns zu beschützen", sagte der Leiter des örtlichen UNHCR-Büros, Jorge Jolly.

Sudanesische Flüchtlinge aus Darfur bauen ihr Zelt in einem Flüchtlingslager im Tschad auf, (Quelle:dpa)

Das UN-Flüchtlingshilfswerk führt ihre Arbeit trotz Unruhen fort

"Der Rückzug von den Mitarbeitern bedeutet aber auf gar keinen Fall, dass das UNHCR sich nicht mehr um die Flüchtlinge kümmern kann", sagt Annette Rehrl, Pressesprecherin des UNHCR im Tschad. "Wir sind jetzt zwar nicht mehr so viele wie vorher, aber wir haben immer noch genügend Personal um zu arbeiten", führt sie fort. Die angespannte Situation, die die UNHCR heute im Tschad erlebe, sei für die meisten Mitarbeiter auch nichts Neues, und werde die Arbeit für die Flüchtlinge nicht behindern, so Rehrl.

Rebellengruppen und bewaffnete Banden sorgen seit rund drei Jahren für Unsicherheit im östlichen Tschad. Das UNHCR hilft nach eigenen Angaben in der Region um die Stadt Guereda rund 30.000 sudanesischen Flüchtlingen, die in zwei Camps untergebracht sind. Im ganzen Ost-Tschad hilft die Organisation rund 240.000 Flüchtlingen in Flüchtlingslagern. Im Tschad befinden sich hunderttausende Menschen die vor der Gewalt in Darfur geflohen waren.

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