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Afrika

Sirleaf liegt bei Präsidentschaftswahl vorne

Bei der Präsidentenwahl in Liberia liegt Amtsinhaberin Johnson Sirleaf nach Auszählung von mehr als 70 Prozent aller Stimmen vorne, muss aber in die Stichwahl gegen Herausforderer Winston Tubman.

Ellen Johnson Sirleaf (Foto: DW / Bonnie Allen)

Ging frisch gekürt mit dem Friedensnobelpreis in die Wahl: Ellen Johnson Sirleaf

Die internationale Aufmerksamkeit war der Präsidentschaftswahl in der westafrikanischen Republik Liberia sicher, war der 72-jährigen Amtsinhaberin Ellen Johnson Sirleaf doch mitten in der heißen Wahlkampfphase der diesjährige Friedensnobelpreis zugesprochen worden, gemeinsam mit der liberianischen Frauenrechtlerin Leymah Gbowee und der jemenitischen Menschenrechtsaktivistin Tawakkul Karman. Nun bahnt sich ein weiterer Erfolg für Sirleaf an: Die Wahlkommission teilte am Donnerstagabend (13.10.2011) in Monrovia mit, die Amtsinhaberin habe nach ersten Auszählungsergebnissen bei der Präsidentschaftswahl die Führung übernommen. Weil sie aber wohl unter der Hürde von 50 Prozent bleibt, muss sie voraussichtlich in die Stichwahl gegen ihren Herausforderer Winston Tubman von der Oppositionspartei "Kongress für einen demokratischen Wandel".

Endgültiges Ergebnis erst Ende Oktober

Winston Tubman (Foto: pa/dpa)

Winston Tubman liegt nach ersten Auszählungsergebnissen auf Platz zwei hinter Sirleaf

Nach der bisherigen Auszählung entfielen auf Sirleaf 44,5 Prozent der Stimmen, so die Wahlkommission. Tubman kam demnach auf 26,5 Prozent. An dritter Stelle der insgesamt 16 Kandidaten für das Präsidentenamt folgt der einstige Rebellenführer Prince Johnson. Wahlberechtigt waren rund 1,8 Millionen Menschen.

Sollte eine Stichwahl erforderlich sein, ist diese für den 8. November angesetzt. Das amtliche Ergebnis des ersten Wahlgangs wird für den 26. Oktober erwartet. Wahlbeobachter sprachen von einem ruhigen Wahlverlauf am Dienstag. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon würdigte dies als "wichtigen Meilenstein" für das von einem langen Bürgerkrieg gezeichnete westafrikanische Land.

Beeinflusste der Friedensnobelpreis die Wahl?

Konnte Sirleaf, die den Friedensnobelpreis für ihre Aufbau- und Versöhnungspolitik in ihrer ersten Amtszeit erhält, bei der Wahl von der renommierten Auszeichnung profitieren? Das zumindest sieht ihr schärfster Herausforderer, der 70-jährige Winston Tubman, so. Der ehemalige UN-Diplomat und Neffe eines früheren Präsidenten kritisierte die Bekanntgabe der Auswahl wenige Tage vor dem Wahlgang als "Provokation". Sirleaf habe den Preis nicht verdient.

Laut Vorhersagen war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Tubman und "Mama Ellen", wie Sirleaf von vielen Liberianerinnen genannt wird, erwartet worden.

Die Wahl am Dienstag war die erste seit dem Ende des Bürgerkriegs 2003, die von einer liberianischen Kommission organisiert wurde. 2005 hatten noch die Vereinten Nationen die Organisation übernommen. Sirleaf hatte damals nach ihrem Wahlsieg die Führung in Liberia übernommen - einem Land, das nach 14 Jahren Bürgerkrieg mit 250.000 Toten traumatisiert und weitgehend zerstört war.

Sirleaf nicht unumstritten

Viel Verkehr, vor allem motorisierte Zweiräder, auf einer Straße in Monrovia (Foto: DW, Bonnie Allen)

Acht jahre nach Ende des Bürgerkriegs sind noch immer 80 Prozent der Bevölkerung ohne Arbeit

Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) konnte Sirleaf die Hauptstadt Monrovia teilweise wieder aufbauen, sie lockte Investoren ins Land und erlangte einen Schuldenerlass. Trotz dieser Erfolge hat Sirleaf auch viele Kritiker in der Bevölkerung. Denn noch immer sind 80 Prozent der Menschen ohne Arbeit, der größte Teil der vier Millionen Liberianer lebt in bitterer Armut. Die Korruption, der Sirleaf den Kampf angekündigt hatte, grassiert nach wie vor. Vor allem wird Sirleaf vorgeworfen, zu wenig für die Versöhnung des Landes nach dem Bürgerkrieg getan zu haben.

Schwerer wiegt aber wohl das Urteil der liberianischen Wahrheits- und Versöhnungskommission, die Sirleaf vorwarf, sie habe den brutalen Ex-Rebellenführer Charles Taylor, der von 1997 bis 2003 als Diktator herrschte, von den USA aus jahrelang unterstützt. Sirleaf stritt das ab und räumte lediglich frühe Kontakte zu Taylor ein. Und die Anhänger ihrer Einheitspartei halten zu ihr.

Von der Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis kann jedoch nicht nur Sirleaf, sondern auch das ganze Land profitieren. Gratulanten erklärten, sie erhoffen sich einen positiven Schub für das Land. Bleibt zu hoffen, dass sich die internationale Aufmerksamkeit auch längerfristig auf Liberia richtet.

Autorin: Ursula Kissel (afp, rtr, dapd, epd)
Redaktion: Walter Lausch

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