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Politik

Sir Salman und seine Vergangenheit

Politiker im Iran und Pakistan kritisieren den Ritterschlag von Queen Elizabeth II. für den Autoren Salman Rushdie. Die Auszeichnung sei gar eine Rechtfertigung für Selbstmordanschläge, sagt ein pakistanischer Minister.

Portraitbild Salman Rushdie (Quelle: AP)

Salman Rushdie: verfolgt von den Satanischen Versen (Archivbild)

So viel er auch geschrieben hat, Salman Rushdie wird wohl immer mit seinem vor fast 20 Jahren erschienenen Werk "Die Satanischen Verse" identifiziert werden. Auch heute noch wird der Schriftsteller wegen dieses vielfach ausgezeichneten Buches verfolgt. Der Ritterschlag von Queen Elizabeth II. brachte dem britisch- indischen Autor schon vor seinem 60. Geburtstag am Dienstag (19.6.07) die Vergangenheit wieder in bittere Erinnerung: Iranische Politiker kritisierten die Entscheidung am Sonntag scharf. Und am Montag verurteilte das Unterhaus im pakistanischen Parlament den Ritterschlag mit einer Resolution.

Am Dienstag bestellte Pakistan schließlich den britischen Botschafter ins Außenministerium ein. Dem britischen Diplomaten Robert Brinkley sei vermittelt worden, dass Pakistan und die muslimische Welt diese Entscheidung scharf verurteilten, sagte eine Außenministeriumssprecherin. Die Auszeichnung für eine so umstrittene Person sei "zutiefst bedauerlich" und eine "unnötige Aufwiegelung".

Die britische Regierung drückte Besorgnis über die Proteste in Pakistan aus. Die Äußerung, der Ritterschlag könne Selbstmordattentate auslösen, sei sehr beunruhigend, sagte der Sprecher des Außenministeriums am Dienstag in London. Pakistans Minister für religiöse Angelegenheiten, Ijaz ul-Haq, hatte gewarnt, die Entscheidung könnte muslimische Selbstmordattentäter provozieren.

Nachdem iranische Politiker die Entscheidung am Sonntag kritisierten, hat nun auch das pakistanische Parlament die Ehrung verurteilt. Die regierende Muslim-Partei brachte am Montag in Islamabad den entsprechenden Entwurf, mit dem der Ritterschlag für den britisch-indischen Autor kritisiert wird, ins Parlament ein. "Die britische Entscheidung wird Rushdie, der die Gefühle der Muslime weltweit verletzt hat, nur bestärken", sagte der Minister für Parlamentsangelegenheiten, Sher Afgan. Der pakistanische Religionsminister Mohammed Ijaz ul-Haq erklärte sogar, die Auszeichnung sei eine Rechtfertigung für Selbstmordanschläge.

Iran: Auszeichnung "zeigt Feindschaft Großbritanniens"

Queen Elizabeth II auf dem Thron im britischen House of Lords (Quelle: AP)

Die Queen verkündet die Auszeichnungen traditionell in der so genannten Geburtstagsliste (Archivbild)

Rushdie war am Samstag von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen worden. "Sir Salman", wie er sich jetzt nennen darf, erlangte tragischen Weltruhm, nachdem der Iran eine Todesdrohung gegen ihn ausgesprochen hatte. Der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini hatte 1989 nach der Veröffentlichung der "Satanischen Verse" eine so genannte Fatwa mit der Begründung erlassen, Muslime fühlten sich durch das Buch beleidigt. Der Literat lebte danach jahrelang unter starkem Polizeischutz im Londoner und New Yorker Untergrund. Die iranische Regierung erklärte 1998, sie unterstütze die so genannte Fatwa nicht mehr, könne sie aber nicht aufheben.

"Eine der meistgehassten Personen der islamischen Welt auszuzeichnen, zeigt die Feindschaft Großbritannines gegen den Islam und wird dieses Land gegen die islamischen Gesellschaften stellen", sagte am Sonntag Mohammad-Ali Hosseini, Sprecher des iranischen Außenministeriums. Das britische Außenministerium hatte die Auszeichnung Rushdies als "höchst verdient" bezeichnet.

Der Protest in weiten Teilen der islamischen Welt gegen die «Satanischen Verse» entzündete sich kurz nach deren Publikation. Die Hauptepisoden des Buches spiegeln das Leben der indo-muslimischen Einwanderer in England wider. Das Werk enthält aber auch lose mit der Handlung verwobene Fantasien, darunter die Darstellung der frühen Lebensjahre des Propheten Mohammed. Mit satirischem Unterton beschreibt Rushdie, wie dieser bestimmte Abschnitte aus dem Koran wieder entfernt habe, da sie ihm angeblich vom Teufel eingegeben worden seien. (rri)

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