SIPRI: Die Welt (ver)kauft wieder mehr Waffen | Welt | DW | 10.12.2017
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Waffenhandel

SIPRI: Die Welt (ver)kauft wieder mehr Waffen

Die Geschäfte blühen: Weltweit steigen die Waffenverkäufe. Am stärksten profitieren davon Rüstungskonzerne aus den USA und Westeuropa, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI belegt.

Munition, Panzer, Drohnen: Der globale Handel mit Waffen und militärischen Dienstleistungen ist 2016 erstmals seit fünf Jahren wieder angestiegen: um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2015 und sogar um 38 Prozent verglichen mit 2002. Das geht aus neuen Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) zur internationalen Rüstungsindustrie hervor. Danach haben die 100 größten Rüstungskonzerne der Welt Waffen und Waffensysteme für 374,8 Milliarden US-Dollar verkauft.

Besonders US-amerikanische Konzerne produzieren und verkaufen wieder mehr Waffen. Dem Report zufolge stiegen die Waffenverkäufe von US-Firmen 2016 um 4 Prozent auf 217,2 Milliarden US-Dollar an. Grund dafür seien eigene Militäreinsätze im Ausland, aber auch die Ankäufe großer Waffensysteme durch andere Länder. So verkauft der US-Konzern Lockheed Martin - der weltweit größte Waffenproduzent - lukrativ den neuen Kampfjet F-35 an Länder wie Großbritannien, Italien oder Norwegen. Größter Abnehmer ist jedoch die US Air Force.

Big Player aus den USA wie Lockheed Martin machen den Großteil der von den SIPRI-Experten untersuchten Top 100 der größten Rüstungskonzerne aus. Der Report verdeutlicht einmal mehr: Die meisten Waffen kommen von US-Unternehmen - insgesamt 57,9 Prozent aller globalen Waffenverkäufe. Platz zwei der wichtigsten Waffenlieferanten nimmt Westeuropa ein, gefolgt von Russland mit 7,1 Prozent der Waffenverkäufe weltweit.

Krisen fördern Waffenhandel

In den westeuropäischen Ländern ist das Bild jedoch gemischt: Während französische oder italienische Firmen weniger Waffen verkaufen, steigerten deutsche und britische Konzerne - trotz Brexit - ihre Gewinne. So profitierten etwa der deutsche Panzer-Hersteller Krauss-Maffei und der Militärfahrzeug-Produzent Rheinmetall von der Nachfrage nach ihren Produkten in Europa, dem Nahen Osten und Südostasien.

Russland Flugabwehrsystem Buk-M2 (picture-alliance/dpa/M. Shipenkov)

Eine ukrainische Passagiermaschine soll 2013 mit russischen Flugabwehrraketen abgeschossen worden sein

"Es ist jedoch sehr schwierig, größere Waffenankäufe direkt mit andauernden Kriegen in Verbindung zu bringen. Aber natürlich gibt es Zusammenhänge: Manche Arten von Waffen werden stärker nachgefragt - Munition, Geschosse oder Bodenfahrzeuge zum Beispiel", sagt Aude Fleurant, Direktorin des Programms für Waffen- und Militärausgaben beim schwedischen Friedensforschungsinstitut SIPRI. Dass die Waffenverkäufe weltweit gestiegen seien, habe auch mit schwelenden Konflikten zu tun. "Wir beobachten, dass die gefühlte Bedrohungslage in einigen Regionen zunimmt", so die Expertin.

Südkorea rüstet auf

Zum Beispiel Südkorea. Um sage und schreibe 20,6 Prozent stiegen die Waffenverkäufe südkoreanischer Firmen 2016 an. "Das hat ganz offensichtlich mit der Sicherheitslage in der Region zu tun", sagt SIPRI-Rüstungsexpertin Fleurant. Südkorea fühlt sich massiv von den atomaren Provokationen seines Nachbarn Nordkorea bedroht - und steigert als Reaktion seine Militärausgaben. Davon profitieren südkoreanische Rüstungsfirmen, die hauptsächlich an das Verteidigungsministerium ihres Heimatlandes verkaufen.

Auch China dürfte nach Ansicht der SIPRI-Forscher ein Top-Waffenproduzent sein. Allerdings taucht das Land nicht in ihren Statistiken auf. Den Experten liegen keine verlässlichen Daten zum chinesischen Waffenhandel vor. "Aber wir nehmen an, dass chinesische Rüstungskonzerne unter den Top 20 der größten Unternehmen der Welt sind", schätzt Aude Fleurant.

Fallen die Ölpreise, werden weniger Waffen gekauft

Die Experten haben jedoch beobachtet, dass einigen klassischen Waffenimporteuren 2016 offenbar das Geld ausging. "Die fallenden Rohstoffpreise für Öl und Gas haben die Staatsfinanzen vieler Länder in Afrika oder Südamerika so sehr belastet, dass sie weniger Waffen kauften als geplant", sagt SIPRI-Forscherin Aude Fleurant. Auch Russlands Rüstungskonzerne bekamen die Krise zu spüren. Zwar stiegen die russischen Waffenverkäufe weiter an, jedoch mit langsameren Wachstumsraten als in der Vergangenheit. Grund dafür: fallende Öl- und Gaspreise, aber auch Sanktionen der Europäischen Union (EU) und der USA.

Es steht außer Frage: Kriege treiben die Waffenbeschaffung einzelner Staaten an. Mit drohenden Krisen geben Länder mehr Geld aus für modernere Rüstung, sie kaufen neue Kriegsschiffe, Kampfjets und Panzer. Folglich steigt die Zahl der Waffenverkäufe der Rüstungskonzerne.

Doch die meisten Waffen, so SIPRI-Rüstungsexpertin Fleurant, würden jeweils an das Verteidigungsministerium des eigenen Landes verkauft - und nicht ins Ausland. Und somit gibt der neue SIPRI-Report nicht nur Auskunft darüber, wer wie viele Waffen kauft und verkauft, sondern er erzählt auch etwas über das Sicherheitsgefühls der Welt.