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Politik

Sinnloser Terror

Das wahre Gesicht des Terrors von Bombay steht schon fest, bevor man die Attentäter identifiziert hat, meint Thomas Bärthlein in seinem Kommentar.

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Ziel: Pendler

2004 in Madrid, 2005 in London und jetzt 2006 in Bombay - auf den ersten Blick das gleiche Bild: Eine Serie beinahe zeitgleicher Explosionen in Pendlerzügen tötet Hunderte von Menschen. Die Handschrift der Terroristen ist weltweit die gleiche. Hier sind wohl nicht Einzeltäter am Werk, sondern größere Organisationen.

Warum Bombay?

Doch wie weit gehen diese Parallelen im globalen Terrorismus wirklich? Niemand hat sich zu den Attentaten von Bombay bekannt. Die Anschläge in Madrid und London waren noch relativ klar als Protest gegen den Irak-Krieg zu verstehen gewesen. Aber warum Bombay? Es gibt keine klare Botschaft mehr hinter diesen Anschlägen. Mit Bombay sollte das Herz des indischen Wirtschafts-Aufschwungs getroffen werden, so viel scheint noch klar.

Vielleicht, so spekulieren Experten, Beobachter und Analysten, spielte die indische Kaschmir-Politik eine Rolle. Allerdings haben sich die Hauptverdächtigen in dieser Hinsicht, die Separatisten der Lashkar-e-Tayyaba mit Basis in Pakistan, ausdrücklich von den - so wörtlich - "barbarischen und inhumanen Taten" distanziert.

Möglicherweise, überlegt man weiter, könnten die Attentäter versucht haben, die zurzeit ganz guten indisch-pakistanischen Beziehungen zu stören. Doch die haben sich eigentlich als erfreulich stabil erwiesen und wurden durch ähnliche Anschläge etwa in Delhi im vergangenen Herbst auch nicht erschüttert. Oder die Attentäter wollten Zwietracht zwischen der muslimischen Minderheit und der Hindu-Mehrheit im Land schüren.

Im Visier von El Kaida?

Und schließlich gibt es noch die These, dass Indien ins Visier von El Kaida geraten sei, weil die Regierung eine Nuklearkooperation mit Washington vereinbart hat und sich generell den Vereinigten Staaten annähert.

Die Frage drängt sich schon auf, warum wir uns bei der Interpretation der Gewalt eigentlich solche Mühe machen. Die Terroristen sehen sich nicht in der Lage, ihre Taten zu erklären, nicht einmal, sich zu ihnen zu bekennen. Wer will ihnen jetzt diese Aufgabe abnehmen?

Indien steht nicht alleine

Den perfekten Schutz vor Terrorismus gibt es nicht. Es wird nicht möglich sein, Bomben in Zügen durch strengere Sicherheitsvorkehrungen zu verhindern. Und wer es auf leichte, so genannte "weiche" Ziele abgesehen hat, wird immer welche finden. Indien ist da nicht alleine, auch nicht in Asien. Größere Terroranschläge gegen Zivilisten gab es in den vergangenen Jahren unter anderem in Indonesien, Sri Lanka und Pakistan. Ein kühler Kopf bleibt das beste Rezept gegen Terrorismus. Realistischerweise ist die Gefahr, Kriminellen oder Verkehrsunfällen zum Opfer zu fallen, in den genannten asiatischen Ländern weitaus größer.

Zum Glück deuten die ersten Reaktionen aus Bombay darauf hin, dass sich die Menschen bei aller Wut nicht provozieren lassen. Die Züge fahren einen Tag später wieder, die Börsenkurse sind sogar gestiegen. Niemand geht ernsthaft davon aus, dass die Beziehungen Indiens zu Pakistan oder auch zu den USA Schaden nehmen werden. Zu Gewalt zwischen Hindus und Muslimen ist es nicht gekommen. Und damit zeigt der Terror sein wahres Gesicht: Er ist völlig sinnlos.

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