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Sinnlose Gewalt - Zum Jahrestag der Terroranschläge von London

Klaus Dahmann7. Juli 2006

Am 7. Juli 2005 wurde London Opfer mehrerer Selbstmord-Attentäter. Wie sieht die Bilanz ein Jahr später aus? Ein kommentierender Rückblick und Ausblick.

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Ein Jahr nach den Anschlägen in London gibt es immer noch Fragen über Fragen: Steckt die Terror-Organisation El-Kaida hinter den Selbstmord-Attentaten? Im Zuge der Ermittlungen wurden 13.000 Menschen befragt, 30.000 Hinweise geprüft und 6000 Stunden Video-Material von Überwachungskameras ausgewertet. Danach haben auch Untersuchungskommissionen monatelang die Akten-Ordner gewälzt. Und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Attentäter alles auf eigene Faust geplant, finanziert und durchgeführt hatten. Und dann taucht einen Tag vor dem Jahrestag der Anschläge plötzlich eine Video-Botschaft auf, die diese Erkenntnis wieder zunichte machen könnte: Darauf zu sehen ist neben einem der Attentäter auch die Nummer zwei von El-Kaida, EIman al-Sawahiri.

Dumpf im Hinterkopf vieler Briten bleibt auch eine andere Frage: Hätten die britischen Sicherheitskräfte die Selbstmord-Attentate verhindern können? Die Untersuchungsberichte zeigen, dass zumindest zwei der Attentäter bereits im Visier britischer Fahnder waren - allerdings im Zusammenhang mit anderen Ermittlungen.

Hilflosigkeit

So wichtig diese Fragen auch sein mögen - letztlich zeigen sie doch nur wieder einmal, wie hilf- und fassungslos Staaten und ihre Bürger der Terror-Gefahr gegenüberstehen. Und dass man bei alledem die schreckliche Erkenntnis zu verdrängen versucht: Gegen Terrorismus gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Demokratische Gesellschaften sind in den vergangenen Jahren ebenso Ziel gewesen wie autokratisch regierte Regime. Und ebenso machtlos.

Deshalb: Der Anti-Terror-Kampf, den US-Präsident George W. Bush sowohl im Irak gewinnen will als auch im Inland - zu Gunsten einer anti-demokratischen Überwachungsmaschinerie -, kann nicht gewonnen werden. Geheimdiensten ist es zwar gelungen, mehrere Terror-Anschläge - wie den im Jahre 2000 auf den Straßburger Weihnachtsmarkt - abzuwenden. Aber die Flugzeug-Attacken auf New York und Washington konnten ebenso wenig verhindert werden wie die nachfolgende Anschlagsserie von Bali über Madrid bis London.

Terroristen können nie siegen

Und erst recht nicht können Terroristen - ob mit Hilfe von El-Kaida oder einfach in ihrem Namen - den Kampf gegen die westliche beziehungsweise pro-westliche Welt gewinnen. Die grausamen Anschläge vor einem Jahr haben letztlich nichts an der Haltung der britischen Regierung geändert, was ihre militärische Beteiligung im Irak betrifft.

Und schon gar nicht können Anschläge jene stoppen, die ganz ohne Waffengewalt daherkommen: Wirtschaftsleute, Reisende oder Internet-Nutzer. Sie überschreiten kulturelle Grenzen - erfolgreich und unaufhaltsam. Terror-Anschläge wie in London mögen zwar Schrecken verbreiten - die Zeit zurückdrehen können sie nicht.