Sinn-Fein-Chef Gerry Adams tritt ab | Aktuell Europa | DW | 19.11.2017
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Nordirland

Sinn-Fein-Chef Gerry Adams tritt ab

Fast 35 Jahre stand er an der Spitze seiner Partei. Im kommenden Jahr will sich Gerry Adams zurückziehen. Der irische Katholik gilt als wichtiger Architekt des Friedensprozesses in Nordirland.

Wohl selten hat ein Politiker einen so weitreichenden Imagewechsel vollzogen, wie Gerry Adams. Einst galt er als das Gesicht der Untergrundorganisation IRA, der "Irisch-Republikanischen Armee". Dann wandelte sich Adams zum Friedensstifter und geachteten Staatsmann, der sogar schon mehrfach im Weißen Haus in Washington empfangen wurde.

IRA-Terror

Seit 1983 war er Parteivorsitzender der irisch-nationalistischen Sinn Fein, die damals als der politische Arm der IRA galt. Eine Mitgliedschaft in der Untergrundorganisation, die in den 1970er und 80er Jahren versuchte, mit Bombenterror Nordirland von Großbritannien zu lösen, hatte Adams immer abgestritten.

Mary Lou McDonald (picture-alliance/PA Wire/B. Lawless)

Sinn-Fein-Politikerin McDonald: Als Nachfolgerin im Gespräch

Auf dem Sinn-Fein-Parteitag an diesem Samstag in Dublin ließ sich Adams zwar jetzt noch einmal wiederwählen, aber er kündigte seinen Rückzug für das kommende Jahr an. "Führung bedeutet, dass man weiß, wann es Zeit ist für einen Wechsel, und diese Zeit ist jetzt", sagte der 69-Jährige in seiner emotionalen Abschlussrede.

Als mögliche Nachfolgerin an der Parteispitze ist die bisherige Vizevorsitzende Mary Lou McDonald im Gespräch. Die 48-Jährige ist - wie Adams - Abgeordnete im irischen Parlament in Dublin.

Entwaffnung der IRA

Die IRA kämpfte jahrzehntelang gewaltsam gegen die britische Armee in Nordirland und für den Anschluss der britischen Provinz an die mehrheitlich katholische Republik Irland. 2005 schwor die Untergrundorganisation offiziell der Gewalt ab. Adams war treibende Kraft bei der Entwaffnung der IRA.

Der Nordirland-Konflikt, in dem mehr als 3000 Menschen ums Leben kamen, war im Jahr 1998 durch das sogenannte Karfreitagsabkommen beendet worden. Adams war daran maßgeblich beteiligt. Das Abkommen legt eine Machtteilung zwischen Katholiken und Protestanten fest.

Nächste Wandlung

Das Ziel der Sinn Fein ist es weiterhin, die Teilung Irlands zu beenden. Inzwischen ist die Partei auch in der Republik Irland eine maßgebliche Kraft. In seiner Zeit als Parteivorsitzender wurde Adams sogar mehrfach ins britische Unterhaus gewählt, nahm den Sitz aber aus Protest nie ein. Zuletzt saß er im irischen Parlament, für das er aber auch nicht erneut kandidieren will.

Seine nächste Wandlung bahnt sich bereits an: In sozialen Medien schreibt Gerry Adams in letzter Zeit gerne über seinen Hund sowie über seine Lieblingscartoons. Offenbar versucht er sich jetzt ein großväterliches Image zu geben.

AR/qu (afp, ap, dpa, rtr)

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