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Wirtschaft

Sinkender Ölpreis stärkt die Kaufkraft von Unternehmen und Verbrauchern

Steigende Ölpreise haben den Aufschwung nicht verhindert, sinkende Preise werden die Rezession nicht verhindern. Aber abmildern, meint Karl Zawadzky

Themenbild Kommentar Grafik Symbolbild

Der Anstieg des Ölpreises hat den Aufschwung erschwert, aber nicht verhindert. Nun geht es in die andere Richtung. Und das heißt: Der fallende Ölpreis wirkt zwar wie eine Steuersenkung und damit wie ein Konjunkturprogramm, das mehr Geld in die Taschen der Verbraucher und auf die Konten der Unternehmen spült, aber das wird den Niedergang der Konjunktur nicht aufhalten. Der Abschwung in die Rezession hat mittlerweile eine große Eigendynamik; er nährt sich aus sich selbst. Dennoch ist es für die Unternehmen wie für die Verbraucher höchst erfreulich, dass der Preis für das Barrel Rohöl mittlerweile um die 50 Dollar notiert.

Damit ist der Ölpreis auf nur noch ein Drittel des Rekordpreises vom Sommer gefallen. Geht es mit der Konjunktur weiter abwärts, wird der Ölpreis weiter fallen. Voll beladene Tanker fahren mit gedrosselter Geschwindigkeit auf den Weltmeeren oder dümpeln vor den Häfen, weil die Ladung auf den Spotmärkten keinen Käufer findet; das beschleunigt den Preisverfall.

Sinkflug der Preise

Karl Zawadzky

Für die Verbraucher kommt es jetzt darauf an, dass der Wettbewerb funktioniert und die sinkenden Einstandspreise der Mineralölkonzerne zu fallenden Preisen für Benzin, Diesel und Heizöl führen. Schon sparen Autofahrer im Vergleich zu den Höchstpreisen im Sommer 20 Euro an der Zapfsäule, wenn sie 50 Liter Benzin tanken, und 15 Euro bei der gleichen Menge Diesel. Auch der Preis für Heizöl geht kräftig nach unten. Haushalte, die im Sommer oder Herbst ihren Tank nur wenig nachgefüllt und die Zitterpartie gewagt haben, sparen jetzt eine Menge Geld. Die Heizölhändler können gar nicht so viel liefern, wie bestellt wird.

Auch sehr schön für die Verbraucher und die Konjunktur: Mit der üblichen Zeitverzögerung werden die Gaspreise folgen. Die großen Energieversorger haben für Anfang kommenden Jahres Preissenkungen für Erdgas angekündigt. Freilich sind beim Gas deutlich größere Abschläge möglich als die angekündigten vier bis sieben Prozent. Notfalls sollte das Kartellamt sich der Sache annehmen. Denn eines muß verhindert werden: dass der Preisrutsch beim Einkauf in den Kassen der Energiekonzerne hängen bleibt.

Entlastungsprogramm

Es geht um viel Geld. Durch den bereits erfolgten Preisrutsch für Benzin, Diesel und Heizöl werden Verbraucher und Unternehmen – gerechnet vom Sommer bis zum Ende dieses Jahres – um mehr als zehn Milliarden Euro entlastet. Selbst wenn die Mineralölpreise nicht weiter verfallen, aber es beim Erdgas in ähnlicher Größenordnung abwärts geht, summiert sich die Entlastung im kommenden Jahr auf rund zwanzig Milliarden Euro. Die Entlastung für Wirtschaft und Verbraucher ist damit deutlich größer als das, was die Bundesregierung bislang zur Stützung der Konjunktur auf den Weg gebracht hat.

Freilich haben die sinkenden Preise für Energierohstoffe eine Kehrseite: Was die Verbraucherländer weniger für ihre Energieimporte ausgeben, nehmen die Lieferländer weniger ein. Das kann mit einiger Zeitverzögerung der deutsche Export zu spüren bekommen. Außerdem werden die Energieexporteure versuchen, zum Beispiel durch die Einschränkung der Erdölförderung, den Preis- und Einnahmeverfall zu stoppen.