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Aktuell Europa

Singende Nonne siegt in italienischer Talentshow

Am Ende hatte auch Rocker Giacomo Voli keine Chance. Mit 62 Prozent der Stimmen gewann die katholische Ordensfrau Cristina Succia das Finale der TV-Show "The Voice of Italy". Was sagt der Papst zum neuen Youtube-Star?

Eine katholische Ordensfrau ist die neue "Stimme Italiens": Cristina Scuccia aus Sizilien setzte sich im Finale der Talentshow "The Voice of Italy" im italienischen Fernsehen klar durch. In der traditionellen schwarzen Tunika des Ursulinen-Ordens und mit einem Kruzifix um den Hals bestritt die 25-Jährige die letzte Runde des Wettbewerbs. Dort trat die stimmgewaltige Sängerin gegen drei Mitbewerber an. Nach mehr als drei Stunden und fünf Gesangseinlagen erhielt sie schließlich im Duell mit dem letzten verbliebenen Konkurrenten, dem Rocksänger Giacomo Voli, 62 Prozent der Stimmen aus dem Publikum. Nach der Bekanntgabe ihres Sieges stimmte die Ursulinen-Schwester auf der Bühne ein Vaterunser an und lud das Publikum zum Mitbeten ein.

Im März hatte ihr erster stimmgewaltiger Auftritt in Ordenstracht und mit Gesundheitsschuhen Scuccia in Italien zur Berühmtheit gemacht und weltweit Aufsehen erregt. Damals sang sich mit dem Alicia-Keys-Song "No One" in die Herzen der Italiener. Das Video ihres Auftritts wurde im Onlineportal YouTube bereits mehr als 50 Millionen Mal angeklickt. Auch mit ihrer Interpretation des "Dirty Dancing"-Songs "The Time of My Life" begeisterte sie Publikum und Jury. Im Finale stimmte sie unter anderem den Ohrwurm "What a Feeling" sowie erneut "No One" an.

Christliche Botschaft verbreiten

Cristina Scuccia lebt in einer Niederlassung der Ursulinen in Mailand, wo sie Kinder betreut. Als "Coach", der sie bis zum Finale betreute, wählte die "rockende Nonne" den tätowierten Rapper J-Ax, der der Jury der Gesangsshow angehört. "Mein Ziel ist es zu zeigen, dass die Kirche überall und bei allen ist", erklärte sie ihre Motivation. Ihr Auftritt in der Show sei nur ein anderer Weg, um die christliche Botschaft zu verbreiten, sagte sie nach ihrem ersten Auftritt und scherzte, sie hoffe, auf einen Anruf von Papst Franziskus.

Beworben hatte sich die Sizilianerin für den Gesangswettbewerb nicht. Die Talent-Scouts von "The Voice of Italy" wurden auf sie aufmerksam durch ein Video von einem ihrer Auftritte beim "Good News Festival", das von der Italienischen Bischofskonferenz organisiert wird. Allerdings traf sie die Einladung zu der Show nicht unvorbereitet: Sängerin zu werden, war der Mädchentraum Cristinas. Als Jugendliche sang sie in ihrer sizilianischen Heimat in einer Band auf Hochzeiten. Ihr Weg in einen katholischen Frauenorden führte über eine Schauspiel- und Gesangsschule. Cristina absolvierte eine Musical-Ausbildung an der "Star Rose Academy", die der Ursulinen-Orden in Rom unterhält. Angeblich soll sie ihre geistliche Berufung verspürt haben, als sie in einem Musical die Ordensgründerin verkörperte. Ihr zweijähriges Noviziat verbrachte die Sizilianerin in Brasilien. Anschließend legte sie ihre Ordensgelübde ab.

"Mein Ziel ist es nicht, Erfolg zu haben", verkündete Scucia noch einen Tag vor dem Finale. Doch den hat sie nun - und dazu noch das Angebot für einen Plattenvertrag. Auch Anfragen nach Konzerttourneen dürften nicht lange auf sich warten lassen. Aber Suor Cristina nimmt ihr Gehorsamsgelübde ernst: "Wenn meine Oberinnen Nein sagen sollten, dann werde ich glücklich sein, zu den Kindern in den Gebetssaal zurückkehren zu können."

kle/gmf (kna, dpa, afp)