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Kultur

Singen macht klug!

Studien belegen: Singen fördert die Entwicklung. Vor allem Kinder profitieren, wenn in Kindergärten und Schulen viel gesungen wird - ob richtig oder schief, leise oder laut. Und: Wer singt, wird weniger oft krank.

Drei Kinder und ein grüner Stofffrosch aus dem deutsch-Französischen Kindergarten in Wuppertal (Foto: Sabine Damaschke/DW)

Die Kinder und Frosch "Noah"

Sie haben gespielt, gemalt und gefrühstückt. Jetzt ist es Zeit, dass ihr Lieblingsstofftier endlich wach wird. Also nehmen die Kinder des deutsch-französischen Kindergartens in Wuppertal ein großes blaues Tuch, legen den Frosch Noah hinein und schaukeln ihn. Dabei singen sie leise ein französisches Lied. Dann aber werden sie immer lauter und fangen an, das Tuch zu rütteln – so stark, dass der Frosch zu hüpfen beginnt.

"Jetzt ist er endlich wach", rufen einige Kinder und stimmen ihr Lieblingslied an: "Frére Jacques". Das niedliche kleine Stofftier wandert von Kind zu Kind, wird geküsst und gedrückt. Untereinander handeln die Kinder nun aus, wer den Frosch an diesem Tag noch ein bisschen behalten darf, bevor er wieder schlafen gelegt wird – zum Streit kommt es dabei erstaunlicherweise nicht. Dieses Ritual wiederholt sich fast täglich, und immer wird es von Musik begleitet.

Mit Musik die Sprache lernen

Die Leiterin des deutsch-französischen Kindergartens beim Singen mit den Kindern (Foto: Sabine Damschke/DW)

Heike Holland singt und trommelt mit den Kindern

"Wir singen sehr viel auf Französisch", sagt Erzieherin Francoise Ruel. "So lernen die Kinder die fremde Sprache spielerisch kennen und bekommen ein Gefühl für die richtige Aussprache." Vor allem aber hätten sie Spaß dabei, denn das Singen sei immer mit Bewegung und Spiel gekoppelt, betont die Französin. Gemeinsam mit einer weiteren französischsprachigen Kollegin ist sie für die Vermittlung der Fremdsprache zuständig. Mit den anderen vier Erzieherinnen reden und singen die Kinder auf Deutsch.

"Für die sprachliche Entwicklung hat das Singen eine große Bedeutung, denn es fördert die Ausdrucksfähigkeit", meint die Leiterin des deutsch-französischen Kindergartens, Heike Holland. Außerdem schule es das Gedächtnis, denn mit Hilfe der Melodie könne ein Text leichter gelernt und behalten werden. So lernten die Kinder sehr schnell Französisch, aber auch Deutsch. Schließlich kommen viele der insgesamt 44 Kinder des deutsch-französischen Kindergartens aus Familien mit Migrationshintergrund. Neben der deutschen Sprache sprechen sie zu Hause noch Türkisch, Spanisch, Italienisch oder Portugiesisch.

Singen macht fit für die Schule

Symbolbild Notenschlüssel (Foto: picture-alliance)

Einfach mal drauflos singen - ob mit Noten oder ohne ...

Auch wenn eine solche Vielsprachigkeit für eine deutsche Kindertagesstätte ungewöhnlich ist – die meisten Erzieherinnen haben heute zunehmend mit Kindern zu tun, die zweisprachig aufwachsen. Das prägt auch das Liedgut in den Kitas, beobachtet Heike Holland. Sie ist oft in anderen Kindergärten unterwegs, um die Erzieherinnen in der frühkindlichen Bildung zu schulen. "Viele Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund bringen ihre orientalisch geprägte Musik mit", erzählt sie. Außerdem singen die Kinder gerne Lieder nach, die sie aus Radio und Fernsehen kennen. Und diese Lieder sind häufig auf Englisch.

Der Soziologe Thomas Blank von der Universität Münster ermutigt Erzieherinnen und Eltern, den Kindern möglichst viel Raum für die Musik zu geben, die Kindern gefällt. In einer Studie mit 500 Kindergartenkindern hat er festgestellt, dass Kinder, die viel singen, deutlich häufiger schulfähig sind als Kinder, die nur wenig singen. "Sie können sich besser ausdrücken, sich stärker in andere hineinfühlen und leiden auch seltener unter grippalen Infekten."

Singen verbindet Logik und Gefühl

Das Ergebnis seiner Untersuchung erstaunt Blank nicht. "Zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr kann die Vernetzung von linker und rechter Gehirnhälfte, also der Verbindung von Logik und Fühlen, besonders gut gestaltet werden." Und genau das geschehe beim Singen, betont der Soziologe.

Dabei komme es aber nicht auf den schönen Klang an. Im Gegenteil. Es sollte frei von Leistungsdruck gesungen werden, rät Blank. "Die Kinder müssen Spaß daran haben und sich ausprobieren dürfen." Dann ist Musik sogar richtig gesund. "Das Singen baut Stress und Aggressionen ab", sagt der Soziologe. "Außerdem stärkt es die Gemeinschaft." Kurzum: Es macht einfach glücklich.

Autorin: Sabine Damaschke

Redaktion: Petra Lambeck

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