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Musik

Singen leicht gemacht

Vor 10 Jahren hatte Cher mit „Believe“ einen Riesenhit. Das Besondere war ihre Stimme, die ein bisschen wie ein Roboter klang, das war Auto-Tune, eine Computersoftware, mit der man die Stimme beliebig verändern kann.

Tonstudio

Tonstudio, wo aus schlechten Sängern gute werden.

Bis zur Verzerrung setzt der Rapper Kanye West in seinem Stück ‚Love Lockdown’ den Auto-Tune-Effekt ein und konnte damit einen der ganz großen Hits der vergangenen Monate landen.

Cher on Tour 2004

Die Sängerin Cher machte Auto-Tune berühmt.

Natürlich wird viel darüber geredet, dass Kanye West ja eigentlich ein Rapper ist, der gar nicht singen kann. Aber mit Auto-Tune ist es möglich, dass auch der ödeste Sprechgesang zu einer schönen Melodie wird. Darauf aber kommt es dem Superstar nicht in erster Linie an – bei ihm ist es ein Stilmittel, das er einsetzt wie den neu entdeckten Klang eines Synthesizers. Dass dieser Effekt auch 10 Jahre nach Cher nichts von seiner Attraktivität verloren hat, machen auch Musiker deutlich, bei denen man Auto-Tune nicht erwartet hätte, z.B. das malinesischen Duo Amadou und Mariam, das bisher für zwar poppige, aber unverfälschte afrikanische Folklore stand.

Von Auto-Tune zu Melodyne

Screenshot der Audiosoftware Melodyne

Screenshot der Audiosoftware Melodyne.

Cher, West und all die anderen sind aber nur die Spitze des Eisberges, darunter verbirgt sich eine ganze Industrie, die sich mit der Einführung von Auto-Tune drastisch verändert hat. Das erste Programm zur Tonhöhenkorrektur wurde 1996 in den USA vorgestellt, der Name des Programms, Auto-Tune, wird seither mit dem Effekt gleichgesetzt. Das war so, als hätte man den heiligen Gral der Musikproduktion entdeckt. Jede Stimme, auch die schwächste, kann verbessert und verschönert werden. Mittlerweile gibt es verschiedene Produkte zur Tonhöhenkorrektur, in Produzentenkreisen hat sich in den letzten Jahren das in Deutschland entwickelte „Melodyne“ durchgesetzt.

Tonhöhenkorrektur im Musikalltag

Das Programm wird meistens dazu eingesetzt, um kleine Fehler unauffällig zu beseitigen:

Mischpult

Am Mischpult ist vieles möglich.

Ein Sänger etwa hat in der ganzen Melodie nur einen Ton nicht sauber getroffen. Früher hätte er alles noch einmal singen müssen, heute findet das Programm den falschen Ton direkt und korrigiert ihn. Das gleiche gilt nicht nur für Sänger, sondern für jedes Instrument. Und es gilt nicht nur für die Tonhöhe, sondern auch für das Tempo, so können auch Schlagzeuger, die etwas zu langsam spielen, das richtige Timing bekommen. Und so wird etwa Melodyne überall eingesetzt, nicht nur im Pop, sondern z.B. auch in der Volksmusik.

Magie per Mausklick

Und noch etwas können die neuen Programme der Musikproduktion. Sie können den Formanten ändern, das heißt die Struktur des Klanges, z.B. ob etwas von einem Mann, einer Frau oder einer Comicfigur stammt. Da wird es dann auch unheimlich, denn auf einmal klingt eine volle Bassstimme wie Mickey Mouse, ohne dass sich sonst irgendetwas in dem Stück verändert hat. Oder man kann sich z.B. die Formanten der Sängerin Madonna ausrechnen lassen und dann klingt die eigene Stimme wie die von Madonna. Echte Musiker werden fast gar nicht mehr gebraucht.

Kritiker warnen allerdings davor, es zu perfekt zu machen. Wirklich gute Musik, sagen sie, lebe immer auch von kleinen Fehlern, von einem ‚human touch’, den echte Menschen immer noch am besten hinkriegen.

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