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Asien

Singapurs Staatsgründer Lee ist tot

Er prägte das politische Geschehen Singapurs seit 1959 und führte es in die Unabhängigkeit. Jahrzehntelang regierte er den Stadtstaat vor der Küste Malaysias. Jetzt ist Lee Kwan Yew im Alter von 91 Jahren gestorben.

Lee Kuan Yew (Foto: AFP)

Lee Kuan Yew (1923 - 2015)

Er ist der Mann, der wie kein zweiter hinter der "Singapore Story" steht: Lee Kuan Yew verwandelte die überschaubare Hafenstadt Singapur in einen der wohlhabendsten Staaten der Welt.

Seit seinem Amtsantritt als Premierminister im Jahr 1959 - damals war Singapur noch britische Kronkolonie mit Selbstverwaltung - vervielfachte sich die Wirtschaftsleistung und damit auch der Wohlstand der Singapurer. Von rund 400 US-Dollar im Jahr 1965 stieg das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf mehr als 12.000 US-Dollar im Jahr 1990, als Lee vom Amt des Regierungschefs zurücktrat. Anschließend diente er noch zwei Jahrzehnte lang als "Senior Minister" und "Minister Mentor" den Regierungen seiner Nachfolger.

Doch auch nach Lees Abschied von der Politik ging die Wachstums-Story weiter: 2013 lag das BIP pro Kopf in Singapur nach Angaben der Weltbank deutlich über 55.000 US-Dollar, knapp 25 Prozent mehr als Deutschland.

"Von der Dritten in die Erste Welt"

Als 35-jähriger Politiker der von ihm mit gegründeten "People's Action Party" (PAP) wurde Lee am 5. Juni 1959 erster Premierminister Singapurs. Er trieb die Vereinigung mit Malaysia 1962 und 1963 die Unabhängigkeit von Großbritannien voran. Zwei Jahre später - nach ethnischen Unruhen zwischen Chinesen und Malaien, die auf das gesamte Staatsgebiet überzuschwappen drohten, wurde Singapur gegen den Willen Lees im August 1965 von Malaysia aus der gemeinsamen Föderation ausgeschlossen.

In seiner Autobiographie "From Third World to First: The Singapore Story", die 2000 erschien, beschrieb Lee, wie er damals vor der Aufgabe stand, eine kleine Insel ohne "Hinterland" und ohne Rohstoffe, deren Bevölkerung zu großem Teil aus Analphabeten bestand, über Wasser zu halten.

Der Sohn einer reichen chinesischen Familie, die seit dem 19. Jahrhundert in Singapur lebte, förderte von Anfang an den Ausbau des Erziehungswesens. Ein modernes Gesundheitssystem wurde aufgebaut, die Versorgung der Bevölkerung mit sicherem Trinkwasser und der Kampf gegen Malaria und Dengue-Fieber intensiviert. Daneben setzte Lee auf die Produktion von Fertigprodukten für den Export und sorgte für bessere Rahmenbedingungen, um ausländische Investitionen in den Stadtstaat zu locken. Außerdem ließ seine Regierung erschwingliche Wohnungen bauen, die sich auch Arbeiterfamilien leisten konnten.

Singapur (Foto: Fotolia)

Die Skyline von Singapur

Autoritäre Regierung - wirtschaftliche Liberalität

Für Georg Blume, der den am längsten regierenden Regierungschef der Welt im Herbst 2011 für die Wochenzeitung "Die Zeit" interviewte, war Lee Kuan Yew ein "Diktator, der Singapur - ob nun mit Amt oder ohne - seit 1965 mit minimalem Raum für Opposition regiert".

Im autoritär regierten Stadtstaat ist Kaugummi - außer zur medizinischen Zahnpflege - verboten. Und auf das Sprühen von Graffiti stehen Gefängnis und Stockschläge. Drogenhandel wird - wie in den Nachbarländern Indonesien und Malaysia - mit der Todesstrafe geahndet. Von einer freien Presse nach westlichem Muster ist Singapur weit entfernt. Zu den Tabus für Singapurs Journalisten gehört etwa die Berichterstattung über ethnische oder religiös motivierte Konflikte zwischen Chinesen, Malaien, Indern und anderen Minderheiten in dem dicht bevölkerten Kleinstaat mit fünfeinhalb Millionen Einwohnern.

Für Lee hörte die Meinungsfreiheit vor allem dort auf, wo er die Stabilität des Stadtstaates gefährdet sah. "Die Freiheit der Presse und die Freiheit der Nachrichtenmedien müssen den übergeordneten Bedürfnissen der Unversehrtheit Singapurs und der politischen Richtungsvorgaben einer gewählten Regierung untergeordnet werden", sagte Lee im Juni 1971 auf einem Medienkongress in Helsinki.

Parallelen zu China

1978 hat Lee Chinas späterem Wirtschaftsreformer Deng Xiaoping prophezeit, dass auch auf dem Festland China wirtschaftlicher Wohlstand möglich ist. "Es gibt nichts, das Singapur getan hat, was China nicht auch und besser tun könnte", soll Lee Deng mit auf den Weg gegeben haben, als der damals Chinas Wirtschaftreformen in Angriff nahm.

Mittlerweile herrscht im Reich der Mitte zwar der Turbo-Kapitalismus. Doch die kommunistischen Eliten in Peking haben das Land nach wie vor in ihrem eisernen Griff und scheuen die Einführung demokratischer Grundrechte wie der Teufel das Weihwasser. Singapur wirkt dagegen wie ein Hort der Freiheit. Doch noch immer erinnert der Stadtstaat, den Lee Kuan Yew so sehr geprägt hat, mehr an den aufgeklärten Absolutismus als an eine westliche Demokratie.

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