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Kultur

Sind wir nicht alle ein bisschen Ikea?

Möbel für alle - das wollten schon Anfang des 20. Jahrhunderts die Bauhaus-Künstler. Doch dann waren es die Skandinavier, die mit Ikea junges, unkompliziertes und vor allem bezahlbares Wohnen in aller Welt durchsetzten.

Leere weiße Billy-Regale aufgereiht, nur einzelne Regalbretter sind mit bunten Objekten gefüllt (Foto: Renate Heilmeier)

Immer wieder Billy - der Ikea-Klassiker

Nur selten denkt jemand beim Namen Ikea zuerst an gutes Design. Die Meisten verbinden damit Möbel, die sie selbst zu Hause haben. Oder sie denken an Samstage bei Ikea zwischen Einkaufsrausch und Hallenkoller. Doch gerade die Tatsache, dass jeder Ikea kennt, bedeutet: Das Design hat sich durchgesetzt. Deshalb hat die Neue Sammlung in der Münchner Pinakothek der Moderne in der Ausstellung "Democratic Design" besondere Stücke des schwedischen Möbel-Giganten zusammengestellt.

Ikea-Feeling im Museum

Stühle mit runden Löchern in Sitzflächen und Lehnen, dahinter Museumsbesucher (Foto: Renate Heilmeier)

Variationen mit Löchern

Beim Gang durch die Ausstellung ist man auf der Suche nach Ikea und möchte ganz dringend zu den Sesseln und Lampen. Zuvor aber muss man aber einen kilometerlangen Parcours bewältigen – und bleibt an Exponaten hängen, die man eigentlich gar nicht gesucht hat. Das entspricht haargenau dem Konzept eines echten Ikea-Ausstellungsraums – nur steht dieser in der Münchner Pinakothek der Moderne. Zumindest während des Eröffnungsabends sind die Gänge auch noch mit flanierenden Menschen gesäumt. Doch im Museum sind es keine Küchen, Betten oder Kinderzimmermöbel, an denen man unfreiwillig vorbei muss, sondern Klassiker des Designs. Stühle von Rietveld und Thonet, die berühmten String-Regale und Bauhaus-Möbel von Marcel Breuer. Kuratorin Corinna Rösner vom International Designmuseum in München hat ist sich aber sicher, dass ihr Ausstellungsraum doch ganz anders aussieht als der von Ikea:

"Wir bauen in der Ausstellung keine ganzen Zimmer und machen auch keine Einrichtungsvorschläge. Außerdem zeigen wir alte Stücke, die nicht mehr im Handel sind." Einige dieser Stücke stammen aus der eigenen Sammlung in München, manche sind Leihgaben vom Ikea-Museum im schwedischen Älmhult. Manche Exponate waren nur noch mit viel Recherche aufzutreiben. Ikea-Mitarbeiter stellten aus ihren Privat-Wohnungen vergriffene Design-Stücke zur Verfügung. Immerhin gibt es jedes Jahr wieder 9000 bis 10.000 Produkte im Ikea-Sortiment.

Im Vordergrund das Regal Lack in Rot, im Hintergrund Besucher der Ausstellung mit selbst mitgebrachtem Sitzmöbel (Foto: Renate Heilmeier)

Fast jeder hat ein Original zu Hause

Gutvik, Kvart oder Bomull

Für den Besucher der Pinakothek der Moderne ist es vor allem aufregend, Teil einer großen Design-Community zu sein. Endlich eine Design-Ausstellung, bei der jeder sagen kann: "Ich besitze auch ein Original." Bei den meisten wird das wohl der weiße Billy-Klassiker sein. 28 Millionen Mal wurde das Regal (Regale haben übrigens Männernamen, siehe auch Ivar) verkauft. Ein Systemmöbel, das sich jedem Raum anpasst, neu kombinierbar ist, auf das man sich in seiner Neutralität verlassen kann. Egal, ob man nur eines hat oder zehn davon nebeneinander stellt. Und auch bei anderen Waren ist das Marketingkonzept aufgegangen, alle Produkte konsequent mit skandinavisch-exotischen Namen zu taufen: Wer kauft nicht lieber ein Gutvik oder Kvart anstatt Schränke und Lampen?

Das erklärt den weltweiten Erfolg aber nur teilweise: Von Schweden aus expandierte man zunächst in Europa. Inzwischen gibt es Ikea auch in Nordamerika und Asien. Design und Ausführung der Möbel: Preiswert-schlicht, oft aus hellem Birkenholz, in den letzten Jahren arbeiten die Gestalter verstärkt mit umweltfreundlichen Komposit-Materialien. Berühmte Designer wie Verner Panton entwarfen ebenso für Ikea wie der innovative Design-Nachwuchs aus Skandinavien. Vor allem aber sind es die Preise, denen die Ikea-Produkte das Prädikat "demokratisch" verdanken.

Reich dank billiger Möbel

Drei Mammut-Kinderstühle in Hellgrün, Lila und Rot (Foto: Renate Heilmeier)

Spaßfaktor für Kinder, Reichtum für den Erfinder

Ingvar Kamprad, der schwedische Erfinder und Gründer von Ikea, der als 17-Jähriger Jungunternehmer zunächst allerlei Kleinkram wie Bleistifte und Zündhölzer verkaufte, entdeckte sehr bald sein Kerngeschäft: Möbel, und zwar solche, die man flach in Kartons packen konnte. Zunächst für den Versand, später zum Abholen und selbst Aufbauen. Das Konzept, das bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierte, nämlich funktionale, industriell herstellbare Möbel zu entwerfen, hat Ikea so perfektioniert. Mittlerweile gibt es 292 Filialen weltweit. Und Ikea-Erfinder Kamprad ist einer der reichsten Männer der Welt.

Autorin: Renate Heilmeier
Redaktion: Aya Bach

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