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FIFA

Sind drei WM-Gastgeber zu viel?

Kanada, Mexiko und die USA wollen die Fußball-WM 2026 ausrichten - gemeinsam wohlgemerkt. Das Projekt hat aufgrund der FIFA-Regeln gute Erfolgsaussichten, aber auch einige Probleme zu überwinden.

FIFA WM Pokal (picture-alliance/Pressefoto ULMER)

Ein Pokal, drei Ausrichter - das gab es noch nie. Aber die Chancen auf eine gemeinsame Ausrichtung stehen nicht schlecht.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird wohl in vielerlei Hinsicht eine Wendemarke im internationalen Fußball darstellen. Es wird das erste WM-Turnier mit 48 Mannschaften werden, so viel ist sicher. Wahrscheinlich ist auch, dass es die erste Austragung mit drei Gastgebern wird: USA, Mexiko und Kanada wollen das Event und bewerben sich gemeinsam. Das kündigten die Präsidenten der drei nationalen Fußballverbände - Sunil Gulati (USA), Decio de Maria (Mexiko) und Victor Montagliani (Kanda) - in New York an.

US-Präsident Donald Trump habe seine volle Unterstützung zugesichert, sagte Gulati. "Er ist besonders erfreut, dass Mexiko Teil dieser Bewerbung ist", erklärte der Funktionär. Trump hatte mit teils rassistischen Bemerkungen gegen Mexikaner Werbung gemacht und den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko versprochen.

Erst eine Doppel-Ausrichtung

Bisher gab es in der langen WM-Geschichte seit 1930 erst eine Doppel-Ausrichtung: 2002 durch Japan und Südkorea. Alle anderen Turniere fanden nur in einem Gastgeberland statt. Die schiere Größe der WM 2026 mit 48 Teilnehmern, mit der die FIFA gut 560 Millionen Euro mehr verdienen will, spricht für das Großprojekt und auch die Tatsache, dass nach dem Regelwerk der FIFA infolge der Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022) nun die anderen Kontinente an der Reihe sind: Afrika, Ozeanien und eben Amerika.

Bewerbungsinitiativen gibt es bisher in Kolumbien, Australien und Neuseeland, Marokko und durch das Trio USA, Mexiko, Kanada. Unter Berücksichtigung der deutlich höheren TV- und Marketing-Einnahmen in den drei nordamerikanischen Ländern ist deren gemeinsame Bewerbung derzeit klar in der Favoritenrolle. Was könnte eine Weltmeisterschaft in diesen drei Ländern bringen? Die Vor- und Nachteile im Überblick:

World Cup - MetLife Stadion in East Rutherford (picture alliance/AP Photo/S. Wenig)

Große, moderne Arenen sind vorhanden, wie das MetLife Stadion in East Rutherford, in dem bereits der Super Bowl statt fand.

PRO

Kostenteilung: Die WM mit 48 Teams wird den Kostenrahmen der bisherigen Turniere sprengen. Die WM soll wie bisher 32 Tage dauern und in zwölf Stadien ausgetragen werden. Aber die Zahl der Spiele wächst um 16 Partien. Mehr Spiele und Teams bedeuten mehr Kosten für die Organisation, die Unterbringung der Mannschaften, die Sicherheit und die nötige Infrastruktur. Gewinne mit der WM macht in der Regel nur die FIFA. Die Last der Kosten daher gemeinsam zu schultern, erscheint durchaus sinnvoll.

Fußball-Boom in Amerika: Der Fußball wächst in Nord- und Mittelamerika. Auch wenn die Europäischen Top-Ligen noch einen großen Vorsprung haben, holen die Nordamerikaner langsam auf. Mexikos Liga kommt auf einen Zuschauerschnitt von 26.794 Zuschauern und die MLS in den USA und Kanada auf 21.692 (Stand: Ende 2016) - Tendenz steigend. Die MLS verzeichnete in den letzten drei Jahren jeweils neue Zuschauerrekorde und wuchs auch bei den Teams auf nun 22. Vier weitere Mannschaften sind bis 2020 geplant. Mexiko ist dagegen schon eine klassische Fußball-Nation und war bereits 1970 und 1986 WM-Gastgeber. Kanada verweist ebenfalls auf Wachstumszahlen und erfolgreiche Ausrichtungen der Frauen-WM 2015 sowie der U20-WM 2007. Große Stadien sind in allen drei Ländern bereits vorhanden und nur einige davon müssten modernisiert oder an die Bedürfnisse der FIFA angepasst werden. Die gemeinsame Ausrichtung der WM würde den Fußball in allen drei Ländern weiter stärken und Europa so mehr Konkurrenz machen.

Politische Annäherung: Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hat die Beziehungen zwischen den USA und Mexiko deutlich verschlechtert. Die Debatte um Ausweisungen, schärfere Grenzkontrollen und eine meterhohe Mauer zwischen beiden Staaten belasten seitdem den diplomatischen Dialog. Trotz dieser politisch schwierigen Situation wurde gemeinsam weiter an dem Projekt WM 2026 gearbeitet - und dies ist zugleich ein positives Signal. Eine Kooperation auf der Ebene des Sports könnte beide Nationen wieder näher zusammenführen, Fragen der erleichterten Ein- und Ausreise würden automatisch gestellt und das gemeinsame Ziel würde auf allen Ebenen wieder mehr Gespräche entstehen lassen.

Fußball WM 2014 Deutschland gegen Argentinien Buenos Aires (Reuters)

Bunt, laut, unverzichtbar: die Fans. Aber wer kann es sich bald noch leisten, sein Team zu begleiten?

CONTRA

Reisestrapazen: Das Turnier in Kanada, Mexiko und den USA wäre eine echte Kontinental-WM. Von Toronto nach Mexiko City sind es knapp 3300 Kilometer, Luftlinie wohlgemerkt. Die Flugzeit beträgt gut zehn Stunden. Das wäre auch mit Blick auf die WM 2018 in Russland eine neue Stufe in Sachen Reisestrapazen für die Teilnehmer. Natürlich wird die 48-er WM mit ihren 16 Gruppen sehr wahrscheinlich regional ausgespielt. Das heißt, Deutschland würde seine Vorrundenpartien wohl in einem Land austragen. Aber schon danach droht der Reisestress in andere Zeit- und Klimazonen. Die Temperaturunterschiede zwischen Kanada und Mexiko sind bisweilen erheblich, die durch den Spielplan bedingte bessere Akklimatisierung mancher Teams könnte zu Wettbewerbsverzerrungen führen.

Hohe Kosten für Fans: Sie sollen ja eigentlich im Mittelpunkt der Weltmeisterschaften stehen: die Fans. Neben den laut FIFA-Erhebungen 3,2 Milliarden Zuschauern an den TV-Geräten (2014) strömen sie zu Hunderttausenden ins Gastgeberland einer WM, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Und dabei nehmen sie ohnehin hohe Kosten in Kauf: Die Flug- und Hotelpreise während einer WM sind erfahrungsgemäß deutlich erhöht und übersteigen für viele Fans das Budget. Vor dem WM-Finale 2014 schliefen Tausende Argentinier auf den Straßen von Rio, weil die Unterkünfte entweder ausgebucht oder viel zu teuer waren. Eine WM über einen ganzen Kontinent hinweg würde noch einmal an der Kostenschraube drehen. Denn weitere lange Flüge kämen hinzu, längst nicht jeder Fan könnte es sich leisten, sein Team durch das gesamte Turnier zu begleiten.

Stimmungsarmut: Fußball-Weltmeisterschaften waren immer dann erfolgreich, wenn eine echte Turnier-Atmosphäre entstand. Wenn Gastgeber sich um ihre Gäste kümmerten, gemeinsam gefeiert wurde und durch die Dichte zwischen den verschiedenen Kulturen ein bunter, fröhlicher Mix der Fußballanhänger entstand. So geschehen beispielsweise 2006 in Deutschland beim so genannten "Sommermärchen". Lässt sich solch eine Stimmung auch über drei riesige Nationen hinweg kreieren? Wohl kaum. Die WM wäre allenfalls ein punktuelles Fest an einigen Spielorten, von landesweiter Euphorie braucht niemand zu träumen. Die Tatsache, dass in Kanada und den USA der Fußball nur eine vergleichbar untergeordnete Rolle spielt, kommt noch erschwerend hinzu.

Entscheidung fällt wohl erst 2020

CONCACAF Victor Montagliani (picture alliance/AP Photo/B. Matthews)

CONCACAF-Präsident Victor Montagliani ist die treibende Kraft der gemeinsamen Bewerbung.

Noch bleibt genügend Zeit, um an der Behebung der Probleme zu arbeiten. Denn bestimmt wird der Ausrichter der WM 2026 vermutlich erst 2020: Dann wird der FIFA-Kongress aller 211 Mitgliedsländer die Vergabe-Entscheidung treffen und nicht mehr das mittlerweile zum Council umgeformte FIFA-Exekutivkomitee. Auch das ist ein Novum bei dieser WM.