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Ostmitteleuropa

Simon Wiesenthal-Zentrum mit Verfolgung von Nazi-Verbrechern in Lettland nach wie vor unzufrieden

- Jetzt wird Belohnung für Hinweise auf mutmaßliche Täter ausgesetzt - Lettlands Außenministerium hält Vorwürfe für zu vage

Tallinn, 11.7.2002, BNS

BNS, engl., 11.7.2002

Der israelische Direktor des Simon Wiesenthal-Zentrums, Efraim Zuroff, hat bei der Vorstellung eines Programms, welches das Ziel verfolgt, das Sammeln von Informationen über Nazi-Verbrechen zu beschleunigen, in Riga erklärt, Lettland habe keine Naziverbrecher verurteilt, obwohl es in den baltischen Staaten "mehrere Dutzend" von ihnen gebe und noch viele mehr, die sie unterstützt hätten.

Das Wiesenthal-Zentrum stellte heute in Riga das Projekt "Operation letzte Chance" vor, das sich das Ziel gesetzt hat, die Verfolgung von Nazi-Verbrechern zu erleichtern und nach dem eine Belohnung von 10 000 Dollar ausgesetzt wird für Informationen, die zur Überführung und Bestrafung von Holocaust-Tätern führen. Zuroff erklärte, er sei davon überzeugt, dass viele Menschen in Lettland und anderswo Informationen über Nazi-Verbrechen zur Verfügung stellen könnten, es jedoch aus verschiedenen Gründen nicht täten. "Ich glaube, die Belohnung könnte eine Ermutigung darstellen", sagte er.

Es gebe drei Gruppen potentieller Informanten, fuhr er fort: die Überlebenden des Holocaust, Augenzeugen und Naziverbrecher selbst. Letztere würden höchstwahrscheinlich Informationen liefern, weil viele von ihnen in der Sowjetzeit inhaftiert gewesen seien und durch ihre Aussagen nichts zu befürchten hätten. "Bin ich glücklich damit, dass schlechte Menschen das Geld bekommen? Ich bin es nicht, und das ist sehr schlecht", sagte Zuroff und betonte, die Nazi-Verbrecher müssten trotzdem der Gerechtigkeit zugeführt werden.

In Lettland werden die Staatsanwaltschaft und die jüdische Gemeinde Informationen über Nazi-Verbrechen entgegen nehmen. "Dieses Projekt soll Lettland nicht in Verlegenheit bringen, es soll ihm helfen", so Zuroff. Der beste Geschichtsunterricht wäre ein öffentliches Verfahren vor einem lettischen Gericht, in lettischer Sprache, unter lettischer Flagge, mit täglichen Berichten darüber in den Medien.

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Rigas Arkadij Sucharenko sprach dem Wiesenthal-Zentrum seine Unterstützung aus. "Wer Menschen ermordet hat, soll bis ans Ende seiner Tage wissen, dass er dafür bestraft wird", sagte er. Zuroff fügte hinzu, der Antrag auf Auslieferung des in Lettland geborenen mutmaßlichen Nazi-Verbrechers Konrads Kalejs, der im vergangenen Jahr in Australien verstarb, sei der einzige positive Moment in der Verfolgung von Nazi-Verbrechen in Lettland gewesen... Während der Nazibesatzung in Lettland von 1941 bis 1944 wurden etwa 70 000 lettische Juden umgebracht. (TS)

BNS, engl., 11.7.2002

Das lettische Außenministerium ist der Ansicht, dass die "unpräzisen" Äußerungen des Direktors des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Israel, Efraim Zuroff, über in Lettland lebende Nazi-Verbrecher zu allgemein sind und der Wahrheitsfindung nicht dienlich sind. Zu Zuroffs Äußerungen bei der Vorstellung des Projekts "Operation letzte Chance" heute in Riga erklärte das lettische Außenministerium: "Zuroff hat als Privatmann oder als Direktor des Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem das Recht, sich in Aktivitäten zu engagieren, die zu den lettischen Gesetzen nicht im Widerspruch stehen." Gleichzeitig sei Lettland der Ansicht, dass "die allgemein gehaltenen und unpräzisen Vorwürfe an die Adresse Lettlands den lettischen Rechtsorganen nicht helfen werden, die bisherigen Bemühungen fortzusetzen". "Derartige Anschuldigungen werden nicht zur Wahrheitsfindung beitragen, denn sie sind zu allgemein gehalten, unpräzise und es fehlt an Fakten." "Lettlands Regierung tue ihr Bestes, um die Verbrecher zu entlarven aber auch, um die Öffentlichkeit dazu zu erziehen, zu verhindern, dass sich derartige Verbrechen noch einmal wiederholen.(...)

Das lettische Außenministerium informierte auch über die Schritte zur Erforschung des Holocaust. Die lettische Historiker-Kommission befasse sich mit der Erforschung zweier totalitärer Regime - des Nazi- und des kommunistischen Regimes. Lettland habe darüber hinaus eine hohe Auszeichnung eingeführt - den Drei-Sterne-Orden, der an Menschen verliehen wird, die während der Naziherrschaft in Lettland Juden gerettet haben; in Riga sei ein jüdisches Denkmal restauriert worden und der Stadtrat von Riga habe Mittel für den Wiederaufbau einer weiteren Gedenkstätte bewilligt an einem Ort, wo im Zweiten Weltkrieg Juden ermordet worden seien. "Nach Ansicht Lettlands gibt es für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit keine Verjährung. Daher sollten alle, die solche Verbrechen begangen haben, nach dem Gesetz der Gerechtigkeit zugeführt werden. Lettlands Anliegen ist es, die Verbrechen totalitärer Regime objektiv aufzuklären, ohne Rücksicht auf die politische Überzeugung des Schuldigen", so das lettische Außenministerium. (...) (TS)

  • Datum 12.07.2002
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